Hausärzte sind eine „aussterbende Spezies“

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Sophie Kepplinger Tips Redaktion Sophie Kepplinger, 19.01.2022 18:03 Uhr

KLAUS AN DER PYHRNBAHN/BEZIRK KIRCHDORF/OÖ. Sie sind die ersten Ansprechpartner bei gesundheitlichen Fragen, pflegen ein enges Vertrauensverhältnis zu den Patienten und sehen sich mit dem Aussterben ihrer Berufsgruppe konfrontiert: Die Hausärzte. Angelika Reitböck, Allgemeinmedizinerin in Steyrling und Präsidentin des Österreichischen Hausärzteverbands und Peter Lehner, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger, fordern eine rasche Attraktivierung des Berufs.

Im Bezirk Kirchdorf gibt es derzeit 25 Kassenstellen für Allgemeinmedizin. 24 davon sind mit insgesamt 29 aktiven Ärzten besetzt. Eine offene, unbesetzte Stelle gibt es in Inzersdorf. Mindestens 31 Kassenstellen für Allgemeinmedizin stehen oberösterreichweit sofort zur Verfügung. Österreichweit werden für 111 Kassenstellen Ärzte gesucht. Demnach steht der Bezirk Kirchdorf noch auf relativ stabilen Beinen. Doch diese Zahlen werden sich in den kommenden Jahren drastisch verschlechtern.

Hausärztemangel vom Thema Covid „überschattet“

„Der Hausärztemangel ist ein altbekanntes Thema“, beginnt Angelika Reitböck das Gespräch im Gasthaus Schinagl in Klaus, „nur wird es derzeit vom Thema Covid völlig überschattet.“ In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden mehr als die Hälfte der Kassenärzte in Pension gehen. Rund drei Prozent aller möglichen Stellen sind bereits jetzt schon unbesetzt. „Ein Hausarzt ist im Schnitt für 2.300 Einwohner zuständig. Während die Bevölkerung zunimmt, verringert sich allerdings die Anzahl an Kassenärzten für Allgemeinmedizin. Das führt zu einer enormen Leistungsverdichtung“, erklärt Reitböck einen Aspekt der Misere.

Viele Baustellen

Zu diesem Mehraufwand pro Arzt reihen sich noch einige weitere Punkte, die in Summe ein recht unattraktives Berufsbild ergeben: Bürokratische Hürden, wenig politisches Mitspracherecht und die unterschiedliche Honorierung von Allgemeinmedizinern und Fachärzten sind drei wesentliche Schrauben, an denen es zu drehen gilt.

Junge ansprechen

Dass sich junge, angehende Ärzte bei diesen Rahmenbedingungen nicht nach einer Karriere als Allgemeinmediziner sehnen, ist so klar wie auch folgenschwer. „Sollte es nicht zu drastischen Verbesserungen und Richtungsänderungen kommen, werden die Hausärzte weiterhin eine aussterbende Spezies bleiben“, betont die Steyrlinger Medizinerin mit Nachdruck. Ein Szenarium, das es mit allen Mitteln zu verhindern gilt, denn: „Hausärzte sind die erste Ansprechpersonen für Patienten und im Idealfall gibt es ein enges Vertrauensverhältnis vom Patienten zum Hausarzt. Das gelingt in einer Gegend wie zum Beispiel Steyrling noch besonders gut“, sagt Peter Lehner und betont: „Wir müssen die Hausärzte stärken und den Hausarztberuf attraktiveren.“

Notwendige Maßnahmen

„In den Spitälern müssen mehr Allgemeinmediziner ausgebildet werden“, gibt sich Reitböck überzeugt. Viele Ausbildungsstellen für Allgemeinmediziner in den Spitälern seien in den vergangenen Jahren in Facharztstellen umgewandelt worden. „Die Honorierung der Allgemeinmediziner muss an die ihrer Facharztkollegen angeglichen werden“, erklärt die Steyrlingerin als weiteren Punkt der notwendigen Maßnahmen. Die Harmonisierung der zum Teil extrem unterschiedlichen Vertragsbedingungen der Kassenärzte in den einzelnen Bundesländern sei ebenso ein wichtiger Punkt.

Mehr Wahl- als Kassenärzte

Derzeit gibt es mehr Wahlärzte als Kassenärzte in Österreich. Das zeigt sich auch im Bezug auf die Fachärzte im Bezirk Kirchdorf: „Wir haben keine einzige Kassenpraxis für Psychiatrie bei uns im Bezirk. Und die Kassen-Psychiater aus dem Bezirk Steyr haben keine Kapazitäten für weitere Patienten. Auch in Wels sind die Kassenpsychiater voll“, berichtet Reitböck. Ein ähnliches Bild zeige sich auch bei den Kinderärzten und im Bereich der Gynäkologie. „In diesen Bereich gibt es kaum Fachärzte, die in der Kassen-Medizin beginnen, weil es im Wahlarztbereich lukrativer ist“, so Reitböck.

Konzept „Erweiterte Vertretung“ nutzen

„Ich bin nur deswegen Allgemeinmedizinerin geworden, weil ich in meiner Karenz gefragt wurde, ob ich in einer Kassenpraxis vertreten möchte. Hätte ich mir das damals nicht angesehen und vor Ort probiert, hätte ich mich nie für die Allgemeinmedizin entschieden“, erzählt Reitböck. Darum wünsche sie sich auch, dass das Konzept „erweiterte Vertretung“, also das Zusammenarbeit von Ärzten auf Basis eines freien Dienstvertrages, mehr Präsenz erhalte. Solange jedoch die weiteren Rahmenbedingungen nicht angepasst werden, ist man von einer Attraktivierung dieses so wichtigen Berufs noch weit entfernt.

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