Steigende Kosten bei Gas, Sprit und Co.: Teuerungswelle ist für viele existenzbedrohend
BEZIRK KIRCHDORF. Der Blick auf die Zapfsäulen, auf die Strom- und Heizrechnung zeigt: Das Leben wird immer teurer. Vor allem für armutsgefährdete Menschen rütteln die steigenden Kosten an der Existenz.

„Wir kaufen nur das Nötigste ein. Bei Produkten, die über drei Euro kosten, überlege ich schon drei- oder viermal, ob es das jetzt wirklich Wert ist“, erzählt Maria (Name der Redaktion bekannt). Die 55-Jährige lebt mit ihrer beeinträchtigten Tochter im Bezirk Kirchdorf. Sie erhält die Mindestpension; nach Abzug der Fixkosten bleiben ihr und ihrer Tochter monatlich rund 100 Euro. „Zum Leben bleibt halt einfach nicht mehr viel“, sagt sie, „damit haben wir schon zu kämpfen.“ Vor allem außernatürliche Kosten, wie Reparaturen am Auto oder bei gesundheitlichen Problemen, seien kritisch: „Da nimmt es mir den Boden unter den Füßen weg – und ich weiß einfach nicht, wo ich das Geld hernehmen soll.“
Situation hat sich verschärft
An Urlaub oder den normalerweise so geliebten Besuch im Schwimmbad sei schon lange nicht mehr zu denken, denn: Die steigenden Preise für Sprit, Gas und Co. haben ihre Situation noch weiter verschärft. „Seitdem der Benzin so teuer ist, erledige ich viel zu Fuß“, sagt Maria. Die 55-Jährige hat gemeinsam mit ihrer Sozialberaterin in Windischgarsten schon viele Anträge auf Hilfeleistungen gestellt. „Aus meiner Sicht ist es wichtig, Hilfe anzunehmen und auf seine Situation aufmerksam zu machen“, sagt sie. Oftmals werden ihre Anträge allerdings abgewiesen. Auch die Bürokratie sei eine Herausforderung. „Da fühlt man sich dann im Stich gelassen.“
Ein Stehaufmännchen
Im Laufe des Gesprächs wird aber schnell klar: Die 55-Jährige lässt sich trotz allem nicht unterkriegen. „Ich sage mir oft: Du bist ein Stehaufmännchen“, so Maria. Ihr ist es wichtig aufzuzeigen, wie es jenen geht, „die nicht so viel haben. Mit den Preiserhöhungen haben wirklich viele zu kämpfen, das muss erst genommen werden.“
Oberösterreich: 10,6 Prozent sind armutsgefährdet
Maria ist damit nicht allein. Etwa 10,6 Prozent der oberösterreichischen Bevölkerung sind armutsgefährdet (Quelle: Statistik Austria, EU-SILC 2020.). Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gelten dabei all jene, deren Einkommen unter der Armutsschwelle liegen, die sich wesentliche Produkte wie beispielsweise eine Waschmaschine nicht leisten können (“erheblich materiell depriviert“) oder in einem Haushalt mit keiner oder sehr geringer Erwerbsintensität leben.
Rasche und unkomplizierte Hilfe nötig
„Der Anstieg von Energie-, Sprit- und Lebensmittel-Preisen ist für alle bereits spürbar. Aber genau die, die bis jetzt schon wenig hatten, trifft es am härtesten“, sagt Bezirkshauptfrau Elisabeth Leitner zu der aktuellen Teuerungswelle. Insbesondere bei akuten Härtefällen sei es wichtig, dass gemeinsam mit allen Systempartnern eine rasche und unkomplizierte Hilfe gefunden werden könne. „Dank dem Einsatz aller Beteiligten – hier gilt mein großer Dank allen im Bezirk, die hier so unermüdlich und fleißig mithelfen und besonders unseren engagierten und gut vernetzten Sozialberaterinnen im Bezirk – gelingt dies auch oftmals sehr gut und wird hoffentlich auch in Zukunft mit den steigenden Herausforderungen gut gelingen“, betont sie.
Sozialmärkte verzeichnen Kundenanstieg
Um Personen mit geringem Einkommen zu unterstützen, gibt es im Bezirk Kirchdorf neben mehreren Sozialberatungsstellen (siehe Infokasten) auch Läden, wo Produkte des täglichen Bedarfs zu vergünstigten Preisen eingekauft werden können. Einer davon ist der Rot-Kreuz Markt in Kremsmünster. „In den vergangenen Wochen gab es einen spürbaren Anstieg der Kunden. Das ist darauf zurückzuführen, dass einerseits die Einkommensgrenze, die zum Einkauf berechtigt, angehoben wurde und andererseits die Leute merklich mehr aufs Geld schauen“, so Bezirkskoordinatorin Monika Felbermayr. Sozialmärkte seien dabei wesentlich, um Armutsgefährdete zu unterstützen. „Die Produkte kosten ein Drittel des Diskontpreises – da bleibt mehr Geld übrig für die Bezahlung der Energie- und Heizkostenrechnung.“


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