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Chronisch kranke Streunerkatzen: Niemand fühlt sich verantwortlich

Susanne Winter, MA, 15.07.2022 11:23

STEINBACH AM ZIEHBERG. Streunerkatzen sind meist Nachkommen unkastrierter Katzen und Kater aus Privathaushalten. Da gegen die gesetzliche Kastrationspflicht immer wieder verstoßen wird, haben Vereine Kastrationsprojekte ins Leben gerufen, die mit öffentlichen Zuschüssen gefördert werden. Doch was geschieht, wenn kastrierte Streunerkatzen und -kater an chronischen Krankheiten leiden, schwer verletzt sind und alleine nicht mehr zurechtkommen?

Streunerkater "Rote Rübe" leidet an einer Immunschwäche und wurde im Tierheim Tierparadies Schabenreith dauerhaft aufgenommen. (Foto: Tierparadies Schabenreith / D. Hofner-Foltin)
Streunerkater "Rote Rübe" leidet an einer Immunschwäche und wurde im Tierheim Tierparadies Schabenreith dauerhaft aufgenommen. (Foto: Tierparadies Schabenreith / D. Hofner-Foltin)

Wird ein Streuner kastriert und gechippt, ist folgender Text auf dem Mikrochip hinterlegt: „Dies ist eine kastrierte Streunerkatze! Bitte nicht in ein Tierheim verbringen oder aufnehmen! Setzen Sie das Tier bitte umgehend wieder frei!“ Danach folgt Name und Anschrift der Organisation mit dem Zusatz „Diese Organisation betreut ein Kastrationsprojekt für Streunerkatzen. Sie ist weder Halterin der Katzen im Sinne des Tierschutzgesetzes noch Besitzerin bzw. Eigentümerin im Sinne des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches.“

Tierparadies Schabenreith kritisiert fehlende Regelung

Das Tierparadies Schabenreith in Steinbach am Ziehberg kritisiert diese Formulierung, da dadurch eine etwaige notwendige Hilfeleistung für ein krankes Tier praktisch untersagt wird. Dies hat jedoch oft fatale Folgen für das Tier. Tierheimleiterin Doris Hofner-Foltin vom Tierparadies Schabenreith berichtet, dass sich für Katzen und Kater mit gesundheitlichen Problemen niemand zuständig fühlt: „Schwer verletzte oder chronisch kranke Katzen sofort wieder auszusetzen ist unverantwortlich und grausam. Nicht selten erleben wir, dass Streunerkatzen, die ursprünglich durch uns kastriert wurden, eine Autoimmunerkrankung entwickelten, einen schlechten Zahnstatus aufweisen, durch einen Unfall ein Bein verloren haben oder einfach uralt sind und nicht mehr jagen können.“ Tierheimleiter Harald Hofner ergänzt: „Ein Streunerleben ist alles andere als schön, sondern ein ständiger Überlebenskampf. Ohne Zuhause, ständig vertrieben und um Futter kämpfend, haben geschwächte und kranke Tiere ohne Versorgung und medizinische Betreuung keine Chance. Sie gehen elend zugrunde. Leider gibt es für solche Fälle bisher keine gesetzliche Regelung. Es müsste dringend die Möglichkeit geschaffen werden, diese Tiere im Tierheim aufzunehmen.“


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