Jakob Haijes: "Kirche funktioniert heute nicht mehr so wie vor 70 Jahren"
KIRCHDORF AN DER KREMS. Jakob Haijes ist Obmann des Pfarrgemeinderats in Kirchdorf. Wie es ist, als 29-Jähriger für eine Pfarre verantwortlich zu sein, verrät er im Tips-Interview.

Tips:Warum engagierst du dich ehrenamtlich für die Pfarre?
Jakob Haijes: Die Pfarre Kirchdorf ist eine lebendige Gemeinschaft, wo ich mit meinen Ideen und Talenten mitgestalten kann. Hier sind Freundschaften entstanden und es gibt eine Vielzahl an schönen Momenten, etwa die Freude der Kinder am Jungscharlager oder das gemeinsame Feiern im und nach dem Gottesdienst.
Tips:Warum hast du dich bereit erklärt, die Funktion als PGR-Obmann zu übernehmen?
Haijes:Mich aktiv einzubringen und mitzugestalten ist mir wichtig, die Arbeit macht mir Freude. Daher habe ich die Wahl des Pfarrgemeinderates zum Obmann gerne angenommen. In den vergangenen 10 Jahren konnte ich die Arbeit im Pfarrgemeinderat schon grundlegend kennenlernen und habe als Vorsitzender der Katholischen Jungschar in Oberösterreich und Österreich zwischen 2016 und 2020 Leitungsfunktionen ausgeübt.
Tips:Du bist ja relativ jung für einen PGR-Obmann. Welche Vorteile bringt dein Alter für diese Tätigkeit mit sich? Was ist schwieriger?
Haijes: Meine Erfahrungen als Vorsitzender der Katholischen Jungschar in der ehrenamtlichen Leitung von Organisationen kann ich so nun in unserer Pfarre verstärkt einbringen. Durch mein Alter und die Erfahrung, die ich im Pfarrgemeinderat sammeln konnte, kann ich die Perspektiven und Bedürfnisse von jungen Menschen vertreten. Als langjähriger Ministrant und Gruppenleiter in Kirchdorf bin ich vielen Menschen bekannt, das erleichtert die Kommunikation.
Tips:Wie könnten es Pfarren in Zukunft schaffen, die Jugend für die Katholische Kirche und für das ehrenamtliche Engagement zu begeistern?
Haijes: Es braucht eine Offenheit für die Themen der Zeit, die veränderten Lebensrealitäten und Bedürfnisse. Jugendliche, im Grunde alle Menschen, müssen sich ernst genommen fühlen mit ihren Zweifeln, mit ihrer Kritik und ihren Bedürfnissen. Es muss uns klar sein, dass Kirche heute nicht mehr so funktioniert wie vor 70 Jahren. Sie ist seit ihrem Bestehen immer auch im Wandel. Spiritualität und Glaube sind aktuell und lebensnah. Ein besonders Beispiel ist die „Nacht der 1000 Lichter“ am 31. Oktober. Diese Veranstaltung mit Kerzen, Impulsen und Musik wird von Menschen unterschiedlichsten Generationen besucht und viele junge Menschen helfen mit Begeisterung bei der Umsetzung mit.
Tips:Was bietet ihr der Jugend in der Pfarre Kirchdorf?
Haijes:Einmal im Monat gibt es im Pfarrheim einen Jugendtreff, wo gemeinsam gespielt und über aktuelle Themen gesprochen und diskutiert wird. Darüber hinaus können Jugendliche ihre Fähigkeiten und Talente in verschiedenen Bereichen einbringen und Verantwortung übernehmen. Dies machen sie etwa als Gruppenleitende in der Jungschar oder in der Kinderkirche, wo sie gottesdienstliche Feiern für Kinder mitgestalten. Es freut mich, dass wir auch zwei Maturantinnen und einen Studenten bei uns im Pfarrgemeinderat haben, die die Stimme der Jugend vertreten.
Tips: Du bist jetzt über ein Jahr in dieser Funktion tätig, was ist dein Fazit aus dieser Zeit?
Haijes:Es macht mir Freude in und für solch eine bunte Gemeinschaft aktiv zu sein. Ganz viele unterschiedliche Menschen bringen sich in unserer Pfarre ein und ermöglichen so ein vielfältiges und lebendiges Angebot. Es entstehen auch immer wieder neue Formate, wie der monatliche Abendweg auf den Kalvarienberg: Am vierten Donnerstag im Monat ist um 18 Uhr Treffpunkt beim Brunnen am Kirchenplatz, begleitet von Impulsen geht es zur Kalvarienbergkapelle, wo es einen gemeinsamen Abschluss mit Zusammenstehen gibt.
Tips:Hast du erreicht, was du erreichen wolltest?
Haijes: Ich blicke sehr zufrieden auf mein erstes Jahr als Obmann des Pfarrgemeinderates zurück. Das Projekt Pfarrzentrum war ein wichtiger Teil und wird es auch in nächster Zeit sein. …. Ist ein wichtiger Teil davon, der Es hat in dieser Zeit neue Impulse gegeben, die die Gemeinschaft gestärkt haben, wie etwa der zuvor erwähnte Abendweg auf den Kalvarienberg, der Lebendige Adventkalender mit adventlichen Feiern an unterschiedlichen Orten, der Austausch im Rahmen von Pfarrkaffees und diversen anderen Veranstaltungen.
Tips:Was sind noch Ziele?
Haijes:Ich möchte in den kommenden Jahren weiter an einer lebendigen und offenen Kirche mitgestalten. Eine Kirche, in der Menschen durch das Leben begleitet werden und sie so wahr- und angenommen werden wie sie sind. Dafür werden wir weiterhin verschiedene Angebote setzen und auch Neues ausprobieren. Mit dem neuen Pfarrzentrum entsteht in den nächsten Jahren ein offener Ort der Begegnung und Gemeinschaft.
Tips:Wie sieht es mit dem Umbau des Pfarrhofes aus? Was sind die Pläne und wann werden diese umgesetzt?
Haijes:Der Umbau des Pfarrhofs ist ein zukunftsweisendes Projekt, das gut durchdacht und geplant sein muss. Die intensiven Vorarbeiten haben ergeben, dass aus dem Pfarrhof ein Pfarrzentrum entstehen soll, in dem sowohl Arbeitsplätze als auch Räume für Gruppen und Veranstaltungen an einem Ort vereint sein werden. Derzeit beginnt die intensive Planungsphase mit den Welser Architekten +mair+weger+berger. Abhängig vom Fortschritt der Planungen und den notwendigen Genehmigungen – unter anderem vom Bundesdenkmalamt – hoffen wir auf einen Baubeginn Ende 2024.


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