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Das war die Ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster

Susanne Winter, MA, 17.07.2023 09:41

KREMSMÜNSTER. Mit Rolle und Position der Kirchen in einer zunehmend säkularen Welt setzte sich die 24. Ökumenische Sommerakademie vom 12. bis 14. Juli im Stift Kremsmünster auseinander. Ausgelotet wurde dabei auch, ob die Ökumene den Kirchen Chancen bietet, gemeinsam „Salz der Erde“ zu sein. Es referierten und diskutierten hochkarätige Vortragende.

  1 / 4   Ökumenischer Gottesdienst in der Akademischen Kapelle des Stifts Kremsmünster (Foto: Stift Kremsmünster)

Die Kirchen haben ihre über Jahrhunderte gewohnte Position in der Gesellschaft verloren, die christlichen Kirchen stehen im modernen, säkularen Europa vor existentielle Fragen und Herausforderungen. Für eine Vielzahl der Menschen hat die Religion im Alltag kaum mehr Bedeutung. Ganz grundsätzlich wird auch der moralische Anspruch der Kirchen in Frage gestellt. Nach den Einschränkungen durch die Pandemie der vergangenen Jahre ist die Zahl der Gottesdienstbesucher noch einmal gravierend zurückgegangen. Die traditionellen Privilegien der Kirchen im Rechtssystem werden zunehmend eingeschränkt oder ganz abgeschafft. Das gilt für die einzelnen Staaten ebenso wie für die Europäische Union.

Ergebnisse der Sozialforschung und rechtliche Rahmungen

Nach der Eröffnung begann der erste Teil der Sommerakademie, in dem die gesellschaftlichen Entwicklungen aus der Sicht der Sozialforschung sowie der Wandel der rechtlichen Rahmenbedingungen dargestellt wurden. In seinem Vortrag skizzierte der Kommunikationswissenschafter und Meinungsforscher Thomas Petersen (Institut für Demoskopie Allensbach) die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte. Im Anschluss erläuterte Rechtswissenschafter Universitätsprofessor Herbert Kalb (Johannes Kepler Universität Linz), wie sich die rechtliche Position der Kirchen verändert habe.

Als Kirche und Christ „Salz der Erde“ sein

Am zweiten Tag der Sommerakademie stand die Frage im Mittelpunkt, inwieweit die christlichen Kirchen dem Anspruch, „Salz der Erde“ zu sein, noch gerecht werden können. In einer feinsinnigen und subtilen biblisch fundierten Interpretation der titelgebenden Stelle aus der Bergpredigt – „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13) – arbeitete die Bibelwissenschafterin und Direktorin des Österreichischen Bibelwerks Elisabeth Birnbaum heraus, was diese Botschaft zugleich als Auftrag, Zuspruch und Verantwortung bedeutet.

Der orthodoxe Theologe und Professor für Ökumenische Theologie Rade Kisić (Universität Belgrad) schilderte das Verhältnis von Serbischer Orthodoxer Kirche und Staat in Serbien und gab so Einblicke in Geschichte und Gegenwart des Landes. „Nicht ohne die Anderen“ war der programmatische Titel des Vortrags der Theologin Isabella Bruckner (Päpstliches Athenäum Sant’Anselmo in Rom), der nach Möglichkeiten und Bedingungen multireligiöser Feiern fragte. Vom Zusammenwirken mit Anderen handelte auch der Beitrag von Gerti Rohrmoser, Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit in Österreich, über „Allianzen zwischen kirchlichen und säkularen Initiativen“.

Der zweite Veranstaltungstag wurde mit einer von Heinz Niederleitner (Kirchenzeitung der Diözese Linz) moderierten Podiumsdiskussion der Referent Elisabeth Birnbaum, Rade Kisić, Isabella Bruckner und Gerti Rohrmoser beschlossen. Dabei wurde insbesondere die Frage aufgeworfen, wie man Menschen wieder beziehungsweise neu erreichen könne.

Christentum und Ökumene in Europa: heute und morgen

Die Sommerakademie endete mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Christentum und Europa“ – womit explizit mehr gemeint war, als nur die EU – mit Bischof Andrej Ćilerdžić (Serbische Orthodoxe Kirche Österreich-Schweiz-Italien), dem emeritieren EU-Kommissar und Präsidenten des Europäischen Forums Alpbach Franz Fischler, dem ehemaligen Präsidenten der Evangelischen Generalsynode A. und H.B. Peter Krömer und Ladislav Német, Erzbischof von Belgrad und Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).

Den Abschluss bildete der schon traditionelle Ökumenische Gottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer, Superintendent Gerold Lehner, Erzbischof Ladislav Német, Bischof Andrej Ćilerdžić, Superintendentialkuratorin Renate Bauinger sowie dem Abt des Stiftes Kremsmünster Ambros Ebhart.

Die Ökumenische Sommerakademie ist eine Veranstaltung der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz, des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, des Evangelischen Bildungswerks Oberösterreich, der Kirchenzeitung der Diözese Linz, des Stiftes Kremsmünster, der Religionsabteilung des ORF und des Landes Oberösterreich.

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