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Rückhaltebecken Krems-Au schützt 650 Wohnobjekte und Betriebe vor einem Jahrhunderthochwasser

Susanne Winter, MA, 17.05.2024 15:43

NUSSBACH/WARTBERG AN DER KREMS. In sechseinhalb Jahren entstand das größte Rückhaltebecken Österreichs im Kremstal: Der Damm ist 1,8 Kilometer lang, die Einstaufläche beträgt 100 Hektar und schützt 650 Wohnobjekte und Betriebe vor einem Jahrhunderthochwasser. Am Samstag, 25. Mai, findet die feierliche Eröffnung statt.

  1 / 10   Die zuständigen Politiker, Techniker und Planer beim Auslaufbauwerk des Rückhaltebeckens Krems-Au (Foto: Winter)

Nach dem verheerenden Hochwasser im August 2002 im Kremstal mit einem Schaden von mehr als 60 Millionen Euro, wurde ein umfangreiches Hochwasserschutzprogramm entwickelt. 2007 haben sich die 18 Gemeinden entlang der Krems und des Sulzbaches – Adlwang, Ansfelden, Bad Hall, Inzersdorf, Kematen, Kirchdorf, Kremsmünster, Micheldorf, Neuhofen, Nußbach, Pfarrkirchen, Piberbach, Ried, Rohr, Schlierbach, St. Marien, Waldneukirchen und Wartberg – zum Schutzwasserverband Kremstal zusammengeschlossen. Die Bäche und Gewässer aller dieser Gemeinden münden in die Krems.

Obmann ist seit 2023 der Nußbacher Bürgermeister Gerhard Gebeshuber (ÖVP). Zuvor leitete der Bürgermeister a.D. von St. Marien Helmut Templ (ÖVP) fünfzehn Jahre lang den Verband.

Rückhaltebecken ist Herzstück

Neben einigen Maßnahmen entlang der Krems und einem Rückhaltebecken beim Sulzbach, ist das Herzstück des Hochwasserschutzkonzeptes das Rückhaltebecken Krems-Au in den Gemeinden Nußbach und Wartberg. Nach einer zehnjährigen Planungsphase, davon drei Jahre Verhandlungen mit rund 70 Grundeigentümern, erfolgte der Baubeginn am 4. Dezember 2017.

Im ersten Bauabschnitt wurden die beiden Sperrbauwerke aus Stahlbeton errichtet und das Baufeld für den nachfolgenden Dammbau aufbereitet. Dabei wurde die Krems mit gewundenem Verlauf neu verlegt und naturnah gestaltet. Weiters wurde das Kraftwerk Eder von seiner ursprünglichen Lage nun direkt an die Krems verlegt und mit einem Fischaufstieg versehen. Im zweiten Bauabschnitt erfolgte die Errichtung des rund 1,8 Kilometer langen Dammes. An seiner höchsten Stelle erreicht er eine Höhe von rund 9,5 Metern und eine maximale Breite von rund 70 Metern.

Insgesamt wurden rund 360.000 Kubikmeter Material für die Errichtung des Dammbauwerkes verarbeitet. Nahezu das gesamte Material wurde dabei aus einem zwischen den landwirtschaftlichen Anwesen der Familien Mayr und Hebesberger gelegenen Abbaufeld gewonnen. Weiteres Material konnte unmittelbar aus dem Talboden entnommen werden. Durch die lokale Gewinnung von Baumaterial wurden rund 38.000 überregionale LKW-Fahrten eingespart.

Vermeidung eines Dammbruches

Zwischen der Siedlung Pimminghof und dem Auslaufbauwerk Krems ist die Hochwasserentlastungsanlage situiert. Sie stellt einen mit Wasserbausteinen gesicherten Bereich dar, der tiefer als die übrige Dammkrone liegt und genau auf die Höhe des für die Anlage relevanten Bemessungshochwassers (HW100) ausgerichtet ist. Für den Fall von selteneren und damit größeren Hochwasserereignissen strömt das überschüssige Wasser (bis zu 310 Kubikmeter pro Sekunde) gesichert über diese Dammscharte. Dadurch wird ein unkontrollierter Dammbruch vermieden.

Zehn Meter hohes Auslaufbauwerk

Herzstück der Anlage ist das rund zehn Meter hohe Auslaufbauwerk (Grundablass) mit integrierter Rechenanlage. Der Grobrechen dient zum Rückhalt größeren Treibguts und sorgt dafür, dass der Durchlass nicht verklaust. Im Inneren des Betonbauwerkes befinden sich die beiden Sperrorgane (Schützentafeln) zur Regulierung des Durchflusses. Über Pegelbeobachtungsstellen an der Krems und ihren größten Zubringern werden die Zuflüsse stets überwacht. Ab dem Überschreiten von Grenzwerten an den Messstellen wird das Beckenwärterteam digital alarmiert und die Steuerwarte von diesem besetzt. Durch Hoch- oder Niederfahren der beiden Schützentafeln wird je nach Bedarf der Wasserstand im Rückhaltebecken geregelt.

Im Vollbetrieb können bis zu 2,6 Millionen Kubikmeter Wasser – das entspricht in etwa dem Almsee – auf einer Fläche von 100 Hektar zurückgehalten werden. Insgesamt werden rund 650 Wohnobjekte und mehrere Betriebe mit insgesamt rund 1500 Beschäftigten geschützt. Das Beckenwärterteam der Gemeinde Wartberg regelt den Wasserstand mit dem rund zehn Meter hohen Auslaufbauwerk. 

Die Baukosten von 42 Millionen Euro wurden zu 90 Prozent von Bund und Land übernommen. Der behördlich vorgeschriebene Probestau, bei dem das Areal circa halbvoll aufgestaut wird, ist für das Winterhalbjahr geplant.

Weiteres, kleineres Rückhaltebecken in Planung

Mit dem Rückhaltebecken Krems-Au ist nun ein Hochwasserschutz bis inklusive Kremsmünster, beziehungsweise bis zur Mündung des Sulzbaches in die Krems, gewährleistet. Für die Gebiete weiter nördlich braucht es noch weitere Maßnahmen, darunter ein Rückhaltebecken in Pfarrkirchen beziehungsweise Bad Hall, beim Sulzbach. An der Einreichplanung wird gearbeitet.

Feierliche Eröffnung

Um den Abschluss dieses Großprojektes gebührend zu feiern, ist die Bevölkerung zu einem Festakt am Samstag, 25. Mai, um 11 Uhr, beim Rückhaltebecken Krems-Au eingeladen. Für das leibliche Wohl sorgen die Freiwilligen Feuerwehren, begleitet von den musikalischen Klängen der Musikvereine Nußbach und Wartberg.

Die Pimminghofstraße ist an diesem Tag eine Einbahn – von Wartberg kommend. Die Anreise mit dem Fahrrad auf dem Kremstalradweg R10 wird empfohlen. Es gibt eine Fahrrad-Abstellmöglichkeit.


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