GRÜNBURG. Johanna Brandstätter war eine Pionierin der Kreuzschwestern, lebte und wirkte 70 Jahre in Indien. Dort starb die Grünburgerin am 30. Dezember im Alter von 103 Jahren in Bangalore.
Was sie in den sieben Jahrzehnten in Indien gebaut und initiiert hat, ist schier unvorstellbar: Sie gründete vom Kindergarten bis zum College eine Reihe von Bildungseinrichtungen, darüber hinaus auch ein Krankenhaus und mehrere Schwesternkonvente.
Weithin bekannt wurde Schwester Johanna mit ihren einjährigen Hauswirtschaftsschulen für Mädchen der unterprivilegierten Ureinwohner (Adivasi). „Keine Hochzeit ohne Bildung der Mädchen“ lautete ihr Slogan, aus dem sich die „Grihini-Schulbewegung“ entwickelte, die sich weit über den unmittelbaren Einflussbereich der Grünburgerin ausbreitete.
Der Zeit voraus
„Schwester Johanna war damit ihrer Zeit voraus“, beschreibt sie ihre leibliche Schwester Elisabeth, ebenfalls Ordensfrau bei den Kreuzschwestern und ebenso jahrzehntelang Indienmissionarin: „Sie war immer bahnbrechend, durch und durch eine Pionierin. Sie hatte ein unglaubliches Durchsetzungsvermögen und eine Begeisterung, die andere mitriss.“
Dass heute in Indien mehr als 1000 einheimische Kreuzschwestern wirken, dazu hat Schwester Johanna einen großen Beitrag geleistet, da sie auch viel ihrer Arbeitskraft in die Berufungspastoral investierte.
Verehrung für Ghandi
Die Grünburgerin war die einzige der 98 europäischen Kreuzschwestern, die von 1894 bis heute in Indien waren, die auch die indische Staatsbürgerschaft besessen hat. „Sie war in Indien so verliebt, dass sie um die Staatsbürgerschaft angesucht hat“, erklärt Schwester Elisabeth. „Auch die Verehrung für Mahatma Ghandi spielte dabei eine Rolle. Als ihr in Delhi nach vielen Schwierigkeiten die Staatsbürgerschaft verliehen wurde, war sie wie im Himmel.“
Die letzten Lebensjahre verbrachte Schwester Johanna im Ausbildungs- und Exerzitienhaus der Kreuzschwestern in Bangalore, wo sie am 2. Jänner begraben wurde.
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