Frauen tragen im Bezirk Kirchdorf ein besonders hohes Armutsrisiko
BEZIRK KIRCHDORF. Steigende Lebenshaltungskosten, unzureichende Kinderbetreuung und unsichere Einkommensverhältnisse stellen insbesondere Frauen vor große Herausforderungen. Im Bezirk Kirchdorf wurden im vergangenen Jahr 104 Personen durch die Caritas-Sozialberatung unterstützt, davon waren 64 Prozent Frauen. Zusätzlich profitierten 61 Kinder indirekt von dieser Hilfe.

Die Unterstützung ist ausschließlich durch Spenden möglich. Auch heuer sind bis Herbst wieder zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeitende aus den Pfarren im Rahmen der Caritas-Haussammlung unterwegs, um Spenden für Menschen in Not zu sammeln.
Weniger als neun Euro täglich zum Leben
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt die schwierige Situation vieler Betroffener: Doris W. (Name geändert), alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, steht täglich vor finanziellen Herausforderungen. Seit Anfang 2025 arbeitet sie 30 Stunden pro Woche in einer Reinigungsfirma. Eine Ausweitung der Arbeitszeit ist aufgrund fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten nicht möglich. Das monatliche Haushaltseinkommen beträgt rund 1.970 Euro. Allein für Miete und Strom fallen mehr als 900 Euro an. Nach Abzug aller Fixkosten bleiben etwa 790 Euro für den Lebensunterhalt der Familie – das entspricht rund 263 Euro pro Person im Monat beziehungsweise weniger als neun Euro täglich.
Zusätzliche Belastungen entstanden durch Schulden, die sich nach der Karenz aufgebaut haben. Aufgrund fehlender Kinderbetreuungsplätze konnte Doris W. in dieser Zeit weder arbeiten noch Arbeitslosengeld beziehen. Ein Kontoüberzug war die Folge. Sozialhilfe und Wohnbeihilfe wurden aufgrund formaler Voraussetzungen nicht gewährt.
Caritas unterstützte mit Lebensmittelgutscheinen
In dieser Situation wandte sich Doris W. an die Caritas-Sozialberatung. Neben einer umfassenden Beratung erhielt sie in akuten Notlagen Unterstützung durch Lebensmittelgutscheine. Darüber hinaus wurden Gebührenbefreiungen beantragt und offene Betreuungskosten über den Bildungsfonds beglichen. „Der Fall zeigt, wie schnell Frauen trotz Erwerbstätigkeit in existenzielle Not geraten können. Niederschwellige Beratung und konkrete Hilfe zur Selbsthilfe sind entscheidend“, erklärt Sozialberaterin Christa Hirtenlehner. Dank der Spenden aus der Haussammlung könne betroffenen Familien rasch geholfen und neue Perspektiven eröffnet werden.
12.719 Menschen in OÖ vergangenes Jahr in Not
Oberösterreichweit unterstützte die Caritas im Jahr 2025 insgesamt 12.719 Menschen in Not – inklusive ihrer Angehörigen – in 15 Sozialberatungsstellen. Mehr als die Hälfte der unterstützten Frauen waren alleinerziehend. In Österreich ist mittlerweile jede fünfte Familie mit Kindern eine Ein-Eltern-Familie.
Spenden ermöglichen Hilfe vor Ort
Die Caritas-Nothilfe wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Ein wesentlicher Teil dieser Mittel stammt aus der jährlichen Haussammlung. Ehrenamtliche besuchen Haushalte persönlich; wird niemand angetroffen, wird ein Erlagschein hinterlassen. Die Spenden bleiben in Oberösterreich und ermöglichen schnelle, unbürokratische Hilfe – etwa durch Lebensmittelgutscheine, Zuschüsse zu Energie- und Heizkosten, Lernhilfe für benachteiligte Kinder, Notunterkünfte für Mütter mit Kindern oder warme Mahlzeiten für obdachlose Menschen.


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