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Sternenhimmel als Schatz: Eisenwurzen wird internationales Naturnachtgebiet

Maya Lauren Matschek, 18.03.2026 11:17

EISENWURZEN. Im Nationalpark Gesäuse ist das Naturnachtgebiet Eisenwurzen offiziell als „Dark Sky Reserve“ ausgezeichnet worden. Das Gebiet erstreckt sich über drei Bundesländer, umfasst 20 Gemeinden und zählt nun zu den größten Schutzräumen für natürliche Dunkelheit in Europa.

Überreichung der Zertifizierung als Dark Sky Reserve von der Dark Sky. (Foto: Andreas Hollinger)
Überreichung der Zertifizierung als Dark Sky Reserve von der Dark Sky. (Foto: Andreas Hollinger)

Am 17. März ist das Naturnachtgebiet Eisenwurzen im Pavillon des Nationalparks Gesäuse offiziell als „Dark Sky Reserve“ ausgezeichnet worden. Vertreter aus Politik, Wissenschaft und den beteiligten Regionen nahmen an der Verleihung teil.

Über drei Bundesländer hinweg: Schutz der Dunkelheit und Artenvielfalt

Das Gebiet zählt mit rund 2.400 Quadratkilometern zu den größten seiner Art in Europa. Es verbindet Teile von Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark. Ziel ist es, die natürliche Dunkelheit zu bewahren – und damit Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen zu schützen.

Bundesminister Norbert Totschnig betonte die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Die Auszeichnung zeige, „wie gemeinsam der Schutz der natürlichen Dunkelheit und der Artenvielfalt gestärkt werden kann“. Sein Ressort habe das Projekt von Anfang an unterstützt.

Ein langer Weg zur Auszeichnung

Der Anerkennung ging ein mehrjähriger Prozess voraus. Seit 2023 wurden Messungen durchgeführt und neun fixe Stationen eingerichtet. Sie dokumentieren die Qualität der Nacht im gesamten Gebiet.

Astrophysiker Stefan Wallner von der Universität Wien begleitete das Projekt. Seine Einschätzung fällt klar aus: Die Region gehöre zu den dunkelsten Mitteleuropas. Die Milchstraße sei hier noch deutlich sichtbar – ein Anblick, der in vielen Teilen Europas bereits verloren gegangen ist.

Tatsächlich wird der Nachthimmel in Europa jedes Jahr heller. Laut Wallner leben nur mehr rund ein Prozent der Menschen unter einem wirklich dunklen Himmel. Künstliches Licht in der Nacht bringe den natürlichen Rhythmus aus dem Gleichgewicht – mit Folgen für Tiere, Pflanzen und auch den Menschen.

Schutz für Mensch und Natur

Das Naturnachtgebiet ist frei zugänglich. Besucher können die Nacht bei geführten Angeboten erleben – etwa bei Sternenführungen oder Naturwanderungen. Gleichzeitig gelten klare Regeln für Licht und Verhalten.

Projektleiterin Julia Kaufmann beschreibt das Ziel so: Die natürliche Nacht soll erhalten bleiben, gleichzeitig sollen Forschung, Bildung und ein sanfter Tourismus gestärkt werden.

Auch aus den Bundesländern kommt Unterstützung. Oberösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner spricht von einer gemeinsamen Verantwortung, den Sternenhimmel zu schützen. Niederösterreichs Landesrätin Susanne Rosenkranz ruft dazu auf, wertvolle Lebensräume für kommende Generationen zu bewahren. Und aus der Steiermark heißt es, der unberührte Blick in den Sternenhimmel zähle zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen überhaupt.

Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Ein zentrales Element des Projekts ist die enge Zusammenarbeit. Insgesamt 20 Gemeinden und mehrere Schutzgebiete arbeiten zusammen. Für alle gilt ein gemeinsamer Plan zum Umgang mit Licht.

Für die Beteiligten ist das ein starkes Signal. Der dunkle Nachthimmel sei eine der am meisten bedrohten natürlichen Ressourcen, heißt es aus dem Projektumfeld. Gerade deshalb brauche es solche Initiativen.

Oder, wie es Astrophysiker Wallner zusammenfasst: Das Gebiet sei eine seltene Chance, eine der letzten wirklich dunklen Regionen Europas dauerhaft zu erhalten – für die Natur und für kommende Generationen.

Stimmen aus der Politik

OÖ Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ), der auch in der  Aufgabengruppe Natur- und Landschaftsschutz ist, sagte bei der Verleihung: „Der Sternenhimmel und die natürliche Dunkelheit sind schützenswerte Naturgüter. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, sie langfristig zu erhalten.“

„Wenn über dem Nationalpark Kalkalpen die Nacht hereinbricht, entfaltet sich ein Sternenhimmel, wie man ihn in Mitteleuropa kaum noch erleben kann. Dass diese besondere Landschaft nun als Naturnachtgebiet ausgezeichnet wird, ist ein starkes Zeichen für den Wert unberührter Dunkelheit – und ein Meilenstein für eine der größten Dark-Sky-Regionen weltweit.“, so Josef Forstinger, Direktor Nationalpark Kalkalpen.

Großramings Bürgermeister Günther Großauer ergänzt: „Es ist unglaublich, dass nur mehr ein Prozent der europäischen Bevölkerung diesen prächtigen Nachthimmel genießen kann. Dass das für unsere Region inzwischen ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit mehr ist, müssen wir uns immer wieder bewusst machen.“


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