Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

„Gesundheit darf keine Frage der Postleitzahl sein“: Neues MRT in Kirchdorf bringt Hightech-Medizin in die Region

Maya Lauren Matschek, 09.04.2026 12:38

KIRCHDORF. Vertreter aus der Politik, die Klinikleitung und Medien versammelten sich heute, 9. April 2026, im Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum (PEK) Kirchdorf. Der Anlass: die offizielle Eröffnung, beziehungsweise Präsentation des neuen und ersten MRT-Geräts im Haus – ein Projekt, das nicht nur medizinisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich Signalwirkung hat.

  1 / 4   Bei der Eröffnung v. l.: Alexander Lang (Ärztlicher Direktor PEK Kirchdorf-Steyr), Tilman Königswieser (Vorsitzender der Geschäftsführung der OÖG), Christine Haberlander (LH-Stv.in) LH Thomas Stelzer, Karl Lehner (Mitglied der Geschäftsführung der OÖG) und Helmut Spalt (Leiter des Instituts für Radiologie, PEK Kirchdorf) (Foto: Tips/Matschek)

Schon zu Beginn wird deutlich, dass es hier um mehr geht als nur um ein neues Gerät. „Was wir heute präsentieren, ist in mehrfacher Hinsicht ein Beweisstück dafür, wie wir unser Gesundheitssystem weiterentwickeln“, betont Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) in seinem Eingangsstatement. Es gehe darum, „die bestmögliche technologische Entwicklung auch in den Regionen zur Verfügung zu stellen“.

Hightech vor der Haustür

Mit dem neuen Magnetresonanztomographen hält modernste Diagnostik erstmals direkt in Kirchdorf Einzug. Für Patienten bedeutet das vor allem eines: kürzere Wege.

Bislang mussten viele für eine MRT-Untersuchung nach Steyr transportiert werden – oft mit der Rettung. „Das fällt jetzt weg. Wir sparen wertvolle Zeit und schonen Ressourcen“, erklärt der ärztliche Direktor am PEK Alexander Lang.

Im Alltag dauert eine Untersuchung laut Lang meist 15 bis 25 Minuten – je nach Fragestellung. „Bei komplexeren Fällen, etwa wenn Metastasen im ganzen Körper abgeklärt werden müssen, kann es auch bis zu 45 Minuten dauern“, ergänzt er im Gespräch.

Präzise Diagnostik – ohne Strahlenbelastung

Für den Leiter der Radiologie, Helmut Spalt, ist das MRT längst unverzichtbar: „Es ermöglicht eine schnelle, präzise Diagnostik direkt vor Ort.“ Besonders bei Gelenksverletzungen, neurologischen Abklärungen oder in der Onkologie spiele das Gerät seine Stärken aus.

Er nennt konkrete Beispiele: „Beispielsweise bei Knieverletzungen ist ein MRT erforderlich – das kann jetzt zeitnah bei uns durchgeführt werden.“ Auch bei der Schlaganfall-Diagnostik oder bei Verlaufskontrollen von Krebspatienten sei die Untersuchung entscheidend.

Dass die Technologie ohne Röntgenstrahlung auskommt, ist ein zusätzlicher Vorteil.

Schnelle Diagnosen sind gerade für eine Region mit starkem Winter- und Sommertourismus ein entscheidender Vorteil: Auch Verletzte aus umliegenden Sportgebieten können nun direkt vor Ort untersucht werden.

Ein Gerät – viele Dimensionen

Rund eine Million Euro kostet das MRT selbst, weitere 2,5 Millionen Euro flossen in den Zubau. Insgesamt also eine Investition von etwa 3,5 Millionen Euro. Doch damit nicht genug: Auch im laufenden Betrieb entstehen erhebliche Kosten.

Nach Angaben aus dem Klinikalltag liegt der Stromverbrauch pro Untersuchung zwischen 10 und 50 Euro – „hochgerechnet rund 300.000 Euro jährlich“, sagt Lang.

Trotzdem sei die Investition alternativlos. „Gesundheit darf keine Frage der Postleitzahl sein“, sagt Stelzer – ein Satz, der an diesem Vormittag mehrfach fällt.

Teamarbeit als Schlüssel

Immer wieder wird bei der Pressekonferenz betont, dass Technik allein nicht ausreicht. „Das Gerät ist das eine – aber entscheidend sind die Mitarbeiter“, so Stelzer.

Auch innerhalb des Hauses ist man sich dessen bewusst. Spalt, der bereits 1991 seinen Turnus in Kirchdorf absolvierte und dem Klinikum seither treu geblieben ist, leitet heute ein Team mit zwei weiteren fixen Radiologen für die MRT-Abteilung, dessen neuer Zubau rund 220 Quadratmeter auf zwei Geschossen einnimmt. Die neue MRT-Einheit sei „sehr engagiert“ gestartet und inzwischen gut eingespielt.

Ein MRT-Gerät habe übrigens keinen unbegrenzten Lebenszyklus: „Etwa sieben Jahre sind üblich, mit Wartung (Ersatzteilgarantie des Herstellers) kann man aber zehn bis zwölf Jahre erreichen“, erklärt Spalt.

Für stationäre als auch ambulante Patienten 

Ein besonderer Vorteil des neuen Geräts: Es handelt sich um ein sogenanntes Kooperationsgerät. Das bedeutet, dass nicht nur stationäre Patienten, sondern auch ambulante Fälle – also Überweisungen von niedergelassenen Ärzten – untersucht werden können.

„Das ist der entscheidende Vorteil für die Menschen in der Region“, betont OÖG-Geschäftsführer-Mitglied Karl Lehner.

Auch finanziell zeigt sich die Bandbreite: Würde man eine MRT-Untersuchung selbst bezahlen, läge sie im Krankenhaus bei etwa 120 bis 200 Euro. Bei privaten Anbietern können es laut Spalt „500 bis 600 Euro“ sein.

Signal für die Zukunft

Für Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) ist das Projekt Teil eines größeren Plans: „Für mich ist klar, dass jedes Krankenhaus ein MRT-Gerät haben soll.“  Dass das nicht einfach umzusetzen ist, macht sie deutlich: „Man stellt sich das immer so einfach vor, ein MRT anzuschaffen – aber das funktioniert nicht wie bei Amazon. Dahinter steckt ein großer politischer Aufwand: Es braucht die Zustimmung des Bundesministeriums, aller anderen acht Bundesländer und der Sozialversicherung.“

Kirchdorf ist dabei nicht der erste Schritt: Nach Standorten wie Gmunden und Rohrbach folgt nun Kirchdorf als weiterer regionaler Klinikstandort. Weitere Geräte – etwa in Bad Ischl – sind bereits geplant.

Konkrete Zahlen zu bisherigen Wartezeiten in der Region gibt es derzeit noch nicht. Klar ist jedoch: Durch das zusätzliche Angebot sollen sich diese künftig spürbar verkürzen.

Auch für die Attraktivität des Klinikstandorts sei die Investition entscheidend – etwa für junge Ärzte in Ausbildung.

Ein Blick hinter die Kulissen

Beim Rundgang nach der Pressekonferenz wird klar, wie viel mehr hinter einem MRT steckt als nur ein „Gerät“. Der Raum ist speziell abgeschirmt, die Technik komplex, der Betrieb präzise abgestimmt.

Und doch bleibt am Ende vor allem ein Eindruck: Hier wurde nicht nur gebaut und investiert – hier wurde ein Versprechen eingelöst.

Oder, wie es Stelzer formuliert: „Unser Anspruch ist klar: beste medizinische Versorgung für alle – egal wo sie leben.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden