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Reinhold Binder zum neuen Bundesvorsitzenden der Produktionsgewerkschaft gewählt

Susanne Winter, MA, 15.06.2023 14:41

MICHELDORF IN OÖ/WIEN. Im Zuge des vierten Gewerkschaftstages der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) im Austria Center Wien fand ein Generationenwechsel an der Gewerkschaftsspitze statt. Der Micheldorfer Reinhold Binder übernimmt den Bundesvorsitz von Rainer Wimmer.

Der neue PRO-GE Bundesvorsitzende Reinhold Binder (Foto: PRO-GE / lisalux.at)
Der neue PRO-GE Bundesvorsitzende Reinhold Binder (Foto: PRO-GE / lisalux.at)

Reinhold Binder war in seiner Heimatgemeinde Micheldorf von 2014 bis 2017 Vizebürgermeister (SPÖ). Sein gewerkschaftliches Engagement begann er als Jugendvertrauensrat bei der Firma Greiner Extrusion, wo er auch eine Lehre als Werkzeugmacher absolvierte. 2000/2001 absolvierte er die Sozialakademie der Arbeiterkammer und zwischen 2006 und 2016 war er als Gewerkschaftssekretär im Regionalbüro Steyr-Kirchdorf tätig. Seit 2016 ist der 44-Jährige in der PRO-GE für Organisation und Kampagnen verantwortlich und seit 2018 ist er Bundessekretär.

Reinhold Binder kommt aus einer klassischen Arbeiterfamilie, der Vater war Maurer, die Mutter – eine gelernte Köchin und Kellnerin – kümmerte sich um die vier Kinder, später wurde sie Tagesmutter. Seine Erfahrungen in der Jugendarbeit, nicht nur als Jugendvertrauensrat, sondern auch als Jugendzentrenleiter in Linz, haben ihn dazu motiviert, in der Gewerkschaft beruflich aktiv zu werden, um gegen Ungerechtigkeiten vorgehen zu können. Binder ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

456 Stimmen für Reinhold Binder

Von den 472 anwesenden stimmberechtigten Delegierten wurden 466 Stimmen abgegeben, die alle gültig waren. Mit 456 Stimmen (97,85 Prozent) wurde Reinhold Binder zum Bundesvorsitzenden gewählt.

„Wir haben ein unglaublich tolles Team zusammengestellt. Wir werden diesen Auftrag mit Demut entgegennehmen und werden alles in unserer Kraft stehende tun, um diese Organisation im Einsatz für unsere Arbeitnehmer in Würde zu tragen – und wir nehmen diesen Auftrag an. Die Produktionsgewerkschaft besteht nicht aus einer Einzelperson, das ist ein Zusammenspiel wie in einem Getriebe. Das kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. Jetzt heißt es, Ärmel hochkrempeln und anpacken“, sagte Reinhold Binder nach der Wahl.

Teuerung bekämpfen

Die Arbeitnehmer bräuchten mehr Sicherheit und die Regierung tue genau das Gegenteil, indem sie der Teuerung nichts entgegensetze. „Wenn die Rechnungen für Strom und Wärme gleich hoch sind wie die Miete, dann stimmt was nicht. Das leuchtet allen ein, nur nicht der Bundesregierung, die im Kampf gegen die Inflation versagt“, betonte Binder. Der neue Bundesvorsitzende forderte neben Energiepreisdeckel und einer Steuersenkung auf Grundnahrungsmittel auch eine Reform des Strommarktes. Das Merit-Order-System, das sich nach dem teuersten Kraftwerk richtet, gehöre abgeschafft. „Das Wasser für die Turbinen der Kraftwerke ist günstig wie eh und je. Dennoch haben sich die Strompreise vervielfacht. Das ist Abzocke und man muss in den Markt eingreifen. Der günstige Strom aus Wasserkraft muss unseren Haushalten und Betrieben zur Verfügung stehen“, forderte Binder.

Angesichts der rasanten Teuerungen und des Arbeitskräftemangels gebe es für die Gewerkschaft auch in der Kollektivvertragspolitik ein besonders wichtiges Ziel: Es müsse in allen Kollektivverträgen der unterste Einstiegslohn auf mindestens 2.000 Euro angehoben werden. „Die Arbeitsbedingungen gehören mit kollektivvertraglichen Regelungen weiter verbessert. Das fängt bei der Entlohnung an und geht weiter über kürzere Arbeitszeiten mit ordentlichen Erholungsphasen und verkraftbaren Belastungen“, sagt Binder. Eine Reduzierung der Arbeitszeit sei „in der DNA einer Gewerkschaft und sie ist Teil des Verteilungskampfes“. Daher werde die PRO-GE auch darauf drängen, dass die gesetzliche Arbeitszeit endlich wieder verringert werde. Die 40-Stundenwoche gelte schon seit fast 50 Jahren. „Es ist Zeit für den nächsten Schritt“, sagt Binder.

Unternehmensförderung an neue Arbeitsplätze knüpfen

Das Geld der Steuerzahler dürfe nicht missbraucht werden, um allein die Gewinne der Unternehmen zu maximieren oder gar die Arbeitsplätze ins Ausland zu transferieren. Die öffentliche Unternehmensförderung gehöre daher an Arbeitsplätze gebunden. „Unser Ziel ist es, dass künftig für jede Million an Unternehmensförderung parallel mindestens drei dauerhafte Vollzeit-Arbeitsplätze in Österreich entstehen müssen“, betonte Binder. So könnten hochgerechnet in fünf Jahren rund 60.000 Arbeitsplätze entstehen. Im Bereich der Sozialversicherung fordert der Bundesvorsitzende, dass die Arbeitnehmer in ihrer Krankenkasse wieder die Entscheidungen treffen. „Das Ziel muss sein, eine Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau für alle. Das derzeitige Wahlarztmodell gehört sofort abgeschafft“, forderte Binder abschließend.

Über die Gewerkschaft PRO-GE

Die Produktionsgewerkschaft wurde 2009 als Zusammenschluss aus den Gewerkschaften Metall-Textil-Nahrung und Chemiearbeiter gegründet. Die Gewerkschaft PRO-GE vertritt rund 230.000 Mitglieder und verhandelt jährlich mehr als 100 Kollektivverträge für Arbeiter und Lehrlinge in Industrie und Gewerbe. Mehr als 7.600 Betriebsräte sowie 800 Jugendvertrauensräte werden von der PRO-GE in ihrer Arbeit unterstützt.


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