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Alternative zu Öl und Gas: Energietechniker Lukas Schützenhofer im Interview

Sophie Kepplinger, BA, 11.06.2024 12:21

TRAUNVIERTEL. Derzeit spreche alles dafür, eine eventuell noch vorhandene Öl- oder Gasheizung gegen eine nachhaltigere Lösung auszutauschen, zeigt sich Lukas Schützenhofer von der Klima- und Energie-Modellregion Traunviertler Alpenvorland überzeugt. Im Gespräch mit Tips erklärt der 33-jährige Energietechniker, woran das liegt und welche Vorteile etwa der Umstieg auf eine Wärmepumpe bringt.

Wärmepumpen nutzen frei verfügbare Wärmeenergie aus der Umgebung, um Gebäude zu heizen. Sie benötigen dafür keine fossilen Brennstoffe, sondern lediglich Strom für den Kompressor. (Foto: Hermann/stock.adobe.com)
photo_library Wärmepumpen nutzen frei verfügbare Wärmeenergie aus der Umgebung, um Gebäude zu heizen. Sie benötigen dafür keine fossilen Brennstoffe, sondern lediglich Strom für den Kompressor. (Foto: Hermann/stock.adobe.com)

Tips: Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, fossile Heizungssysteme durch klimafreundliche Technologien auszutauschen?

Lukas Schützenhofer: Es gab noch nie so viel Förderung für den Heizungstausch wie jetzt. Und die vergangenen Monate haben gezeigt, welche Auswirkungen die aktuell noch hohe Abhängigkeit von fossilen Energieimporten auf Sicherheit und Wirtschaft haben können. Es ist höchste Zeit, dieses Risiko zu minimieren und so indirekt auch der Industrie und Wettbewerbsfähigkeit von Österreich zu helfen. Noch dazu gibt es viele heimische Hersteller von Wärmepumpen- und Biomasseheizung. Die Umgebungswärme für die Wärmepumpen kommt sowieso zu 100 Prozent aus Österreich und der Strom und die Biomasse auch überwiegend. Das ist volkswirtschaftlich vorteilhaft.

Tips:Stichwort: Wärmepumpen. Welche Vorteile bieten Wärmepumpen im Vergleich zu herkömmlichen Heizsystemen? Was sind die Besonderheiten?

Schützenhofer: Wärmepumpen heizen mit Umgebungswärme und sind die einzige Heizungsart, die auch kühlen kann. Sie funktionieren wie ein Kühlschrank, wobei im Heizbetrieb die warme Seite genutzt wird. Effizientere Dämmung, Fenster und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung reduzieren den Heizbedarf von Gebäuden. Das bedeutet, dass weniger Wärme zum Heizen benötigt wird. Gleichzeitig steigt der Kühlbedarf. Dies kann aufgrund besserer Dämmung und dichterer Fenster auftreten. Wenn ein Gebäude weniger Wärme verliert, bleibt auch die sommerliche Hitze länger im Inneren, was zusätzliche Kühlung erfordert. Man sollte ein Einfamilienhaus zwar so bauen, dass es gegen sommerliche Überhitzung geschützt ist und somit keine aktive Kühlung nötig ist, aber wenn es durch die Klimakrise häufiger extreme Hitzeperioden gibt, kann die Möglichkeit des Kühlens vorteilhaft sein. Aufpassen muss man beim Kühlen aber wegen möglicher Kondensatbildung. Deshalb soll man nicht zu stark kühlen beziehungsweise sollten die Rohrleitungen isoliert werden, damit sie nicht „schwitzen“.

Tips: Welche Fördermöglichkeiten für den Einbau von Wärmepumpen gibt es derzeit?

Schützenhofer: Für einkommensschwache Haushalte gibt es bis zu 100 Prozent Förderung und die Förderung für den Standard-Heizungstausch hat eine Förderquote von bis zu 75 Prozent. Details gibt es auf www.umweltfoerderung.at oder direkt bei den Installateur-Betrieben.

Tips:Was sind die langfristigen Auswirkungen des Umstiegs auf Wärmepumpen auf den CO2-Ausstoß?

Schützenhofer: Wärmepumpen sind schon heute eine sehr CO2-arme Heiztechnik und werden mit noch höheren erneuerbaren Energieanteilen im Strommix noch sauberer. Technisch sind 100 Prozent erneuerbarer Strom ohne Blackout-Gefahr bereits mit heute verfügbarer Technik problemlos möglich und langfristig sowieso alternativlos. In Österreich soll der Strom schon 2030 zu 100 Prozent bilanziell erneuerbar sein. Auch wenn zwischenzeitlich ein Teil des Stromes aus Gaskraftwerken kommt, ist das immer noch deutlich besser als Erdgasheizungen. Gas ist ein hochwertiger Energieträger und sollte vorrangig für Industrieprozesse zur Verfügung gestellt werden und weniger zum Heizen. Langfristig sind Wärmepumpen in den meisten Fällen die nachhaltigste Heizung.


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