Von Altenberg nach Kirchdorf: Bezirkshauptfrau Leitner und ihr Weg in einer Männerdomäne
KIRCHDORF/ALTENBERG. Elisabeth Leitner (47) ist eine von nur fünf Bezirkshauptfrauen in Oberösterreich. Die restlichen neun sind Bezirkshauptmänner. Die verheiratete Mutter zweier Kinder lebt mit ihrer Familie in Altenberg im Mühlviertel und pendelt täglich rund 70 Kilometer nach Kirchdorf. Im Gespräch mit Tips spricht Leitner über ihren Weg in einer Männerdomäne, über Führung, Verantwortung und warum Frauen die Strukturen verändern.

Elisabeth Leitner wurde 2020 zur ersten Bezirkshauptfrau in Kirchdorf bestellt und ist seit Kurzem auch Zivilschutzbeauftragte für den Bezirk. In beiden Ämtern trägt sie viel Verantwortung. „Als die Chance auf die Leitung kam, hab ich sie ergriffen und glücklicherweise auch bekommen.“
Ihre Motivation ist eine ganz persönliche: „Ich manage gerne komplexe Projekte und freue mich, gemeinsam mit einem tollen Team und Partnern wie Gemeinden, Polizei und Feuerwehr die vielfältigen Aufgaben wahrzunehmen und so die Zukunft mitzugestalten.“
Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März betont sie: „Ich denke, wenn Frauen führen, ändert sich nicht nur die Spitze, sondern auch die Struktur darunter!“
Zeit nutzen und präsent sein
Für die Fahrt nach Kirchdorf braucht die Altenbergerin rund eine Dreiviertelstunde. Die Pendelstrecke meistert die zweifache Mutter pragmatisch: „In der Zeit kann ich gut einige Telefonate erledigen oder mir einen spannenden Podcast anhören. Und mit guter Planung geht alles. Bei spontanen Terminen springt die Oma ein. Das ist unbezahlbar.“
Homeoffice spielt für sie kaum eine Rolle. Präsenz in der Behörde ist ihr wichtig.
Zwischen Mühlviertel und Traunviertel
Privat und beruflich ist Leitner in zwei Regionen zu Hause. „Beide Viertel bieten wunderbare Ausflugsziele: Im Winter kann man prima Ski fahren, im Sommer schöne Wanderrouten erkunden“, sagt sie. Doch die Regionen unterscheiden sich auch: „Das Mühlviertel ist hügelig mit kühlerem, manchmal rauerem Klima. Hier kann man entspannt wellnessen. Das Traunviertel ist von den Voralpen bis zu den Alpen geprägt, mit vielen Seen und dem Nationalpark Kalkalpen, wo wir beruflich naturschutzrechtliche Verfahren abarbeiten.“
Leitner: „Wir sind immer noch zu selten“
Frauen in politischen Ämtern sind laut der Bezirkshauptfrau „leider immer noch zu selten.“ Man erkenne jedoch schon ein gesellschaftliches Umdenken: „Es geht Schritt für Schritt voran – es gibt mehr Frauen in Führungspositionen, geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen und es gibt eine öffentliche Debatte zu dem Thema. Gleichzeitig machen Vorbilder und Netzwerke Karrierewege von Frauen sichtbarer.“
Mut haben und zeigen
Für Mädchen und junge Frauen hat sie eine klare Botschaft: „Sich Dinge zutrauen, nie seine Träume aus den Augen verlieren und nach Rückschlägen nicht aufgeben, sondern es einfach nochmals versuchen.“
Sie betont die weiblichen Stärken: „Zu weiblichen Stärken zählen Empathie und Zuhören, die Fähigkeit Konflikte zu moderieren, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen sowie Ausdauer und Organisationstalent.“
Als Bezirkshauptfrau macht sich Leitner stark dafür, klassische Rollenklischees zu hinterfragen und abzubauen. Besonders Mädchen gibt sie folgenden Tipp: „Sich nicht entmutigen zu lassen, wenn man auf Vorurteile trifft. Schafft Netzwerke und tauscht euch aus.“
Lebensmotto: „Mutig sein“
Ihr persönlicher Leitsatz lautet: „Mit Mut und Zuversicht die Dinge anpacken.“ Oder, wie Pippi Langstrumpf, die Leitner gerne zitiert, sagen würde: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!“


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