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KREMS. Jonathan Dominguez Hernandez ist Österreichs einzige männliche Hebamme. Er stammt ursprünglich aus Teneriffa und sein beruflicher Weg hat ihn über England hierher geführt. Mittlerweile arbeitet er als Dozent an der IMC Fachhochschule Krems und bildet selbst Hebammen aus.

Als männliche Hebamme hatte es Jonathan Dominguez Hernandez nicht immer leicht. Mittlerweile ist er in die Lehre gewechselt. Foto: IMC FH Krems

In Spanien ist es nichts Ungewöhnliches, dass Männer als Hebammen arbeiten. Überhaupt sei das in den südlichen Ländern gang und gäbe, schildert Jonathan Dominguez Hernandez, der mittlerweile in Krems lebt. In seiner Heimat Teneriffa hat er zuerst als Krankenpfleger gearbeitet. Während seiner Ausbildung hat er auch einige Monate im Kreißsaal verbracht, was in Spanien ganz normal ist, weil dort jeder angehende Krankenpfleger unterschiedliche Stationen durchläuft.

Wirbel in England

Sein erstes Aha-Erlebnis hatte Jonathan Dominguez Hernandez in England, als er sich entschied, ein Hebammenstudium zu absolvieren. „Ich habe im Norden von England studiert und war der erste männliche Student in diesem Bereich. In England war das eine Sensation und die ganze Zeit wurde ich nach Interviews gefragt, im Krankenhaus haben sie auf mich gewartet, es war wirklich eine große Sache“, erzählt Hernandez. „Ich wollte einfach nur einen Beruf lernen, einen Beruf, von dem ich dachte, dass er toll wäre und dann war ich mit dieser Situation konfrontiert.“

Nicht wer, sondern wie

Seit seiner Zeit in England weiß Hernandez, dass es in vielen Ländern immer noch eine Sensation ist, wenn ein Mann beim Entbinden hilft. Von den Patientinnen wurde er nach eigenen Angaben von Anfang an gut angenommen. Vielfach galt: „Es geht nicht darum, ob du eine Frau oder ein Mann bist, es geht darum, ob du deine Arbeit beherrschst“.

Von Männern und Frauen

Dass die Beziehung zwischen Mann und Frau eine andere ist als von Frau zu Frau, sieht der Spanier gerade in seiner Tätigkeit als kleinen Vorteil. „Wenn ich eine Frau sehe mit Schmerzen, dann will ich ihr helfen“, erklärt Hernandez. Frauen seien in solch einer Situation oft ungewollt unbarmherziger, da sie oft selbst schon die Erfahrung einer Geburt durchlebt haben und demnach wissen mit was sie es zu tun haben. Wegen seiner ruhigen Art habe er immer gutes Feedback von den Schwangeren bekommen.

Konkurrent für die Väter

Mehr Probleme hatte Jonathan da noch mit den werdenden Vätern, die ihn anfangs meistens als Konkurrenz wahrnahmen. Er habe sie dann sehr schnell in die weitere Arbeit eingebunden und ihnen auch einiges an Aufmerksamkeit zukommen lassen, so habe er auch diese Herausforderung gemeistert. „Am Anfang hatte ich wirklich Schwierigkeiten, niemand wollte mit mir arbeiten, ich habe mir gedacht, ob dass das Richtige ist, was ich mache. Aber das Feedback meiner ersten Geburt war so gut und das hat mich ermutigt und ich habe gesagt, ich mache weiter.“ Mittlerweile sei er längst über seinen holprigen Start hinweg.

Erster Eindruck nie neutral

„Es ist lustig, dass das in Österreich so ungewöhnlich ist, weil es gleichzeitig so viele männliche Gynäkologen gibt. Als ich hier gearbeitet habe waren 70 Prozent der Gynäkologen Männer und die Frauen hatten kein Problem damit, aber bei mir hatten sie Bedenken“, schmunzelt Hernandez. „Hier habe ich auch ein bisschen Angst davor, wenn mich jemand fragt, was ich von Beruf bin, denn es ist entweder ein positiver oder ein negativer Eindruck. Nie neutral. Aber es sollte egal sein“, wünscht sich Hernandez. „Ich hoffe, dass mit mir und anderen Männern, die in den Beruf kommen, der Beruf normal wird genauso wie Krankenpfleger, da fragt man auch nicht mehr, ob das ein Beruf für Frauen oder Männer ist.“

Sprachliche Grenzen

Übrigens, bei seiner Berufswahl sind bislang auch sprachliche Grenzen gesetzt: Es gibt keinen Begriff für einen Mann der als Hebamme tätig ist, daher lautet die momentan richtige Berufsbezeichnung für Jonathan Dominguez Hernandez und seine Kollegen „der Hebamme“.

Wechsel in die Lehre

Sein Weg hat Jonathan Dominguez Hernandez über ein Jusstudium, bei dem er sich auf medizinisches Recht und klinische Risiken spezialisiert hat, schließlich in die Lehre geführt. „Mein Interesse ist immer, wie können wir den Patienten die beste Betreuung anbieten, fachlich und menschlich“. An der IMC Fachhochschule Krems lehrt Jonathan Dominguez Hernandez mittlerweile evidenzbasierte Praxis und Fachenglisch im Hebammen- und Pflegestudiengang. Darüber hinaus ist er auch in der Forschung tätig. „Es ist gut zu wissen, dass ich einen Einfluss auf die neuen Generationen habe. Ich muss sehr vorsichtig sein, wie ich ausbilde und überlegen, wie ich unsere Tätigkeit besser machen kann.“


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