Bevölkerung wegen Erweiterung der Gedenkstätte Gusen verunsichert
LANGENSTEIN. Vergangenen Freitag, am 17. Jänner, wurden rund 120 interessierte Besucher über den aktuellen Stand der Entwicklungen rund um die KZ-Gedenkstätte Gusen informiert.

Im aktuellen Regierungsprogramm wurden der Ankauf von weiteren Flächen und eine Erweiterung der Gedenkstätte Gusen niedergeschrieben. Das sorgt für Verunsicherung in der Bevölkerung. „Wir haben von dem Wirbel genug. Wir wollen keine weitere Opfer-Kultstätte. Das Memorial so wie es jetzt ist, ist groß genug“, hieß nur eine der vielen Wortmeldungen aus dem Publikum. „Das Dorf Gusen ist eingehüllt von einer Gedenkstätte: Im Westen das Memorial, im Osten die Baracken und im Norden der Steinbrecher“, betonte ein Bürger die Problematik weiter. Langensteins Bürgermeister, Christian Aufreiter, setzt auf eine Mitsprache der Bevölkerung: „Uns wurde immer gesagt, wenn die Republik kauft, dürfen Gemeinde und Nachbarn auch bei der Gestaltung mitreden. Ich habe die Zusage, dass ohne unsere Mitbestimmung nicht gemacht wird. Das wurde bis dato eingehalten – ich hoffe, es bleibt so.“ Für ihn kommt daher auch nur die Republik Österreich als Käufer in Frage. Letztlich sind die Gründe aber im Privateigentum und man kann den Besitzern hier keine Vorschriften machen.
Portier der Republik
Mit Anton Helbich-Poschacher meldete sich auch ein Grundbesitzer am 17. Jänner zu Wort. „Wir alle, die in Langenstein leben (An.: er selbst wohnt in Mauthausen) haben keine Schuld an dem, was vor 80 Jahren hier passiert ist. Aber wir haben eine Verantwortung. Umgekehrt muss es möglich sein, im Garten zu grillen, ohne angepöbelt zu werden. Ich bin zum Portier der Republik geworden. Immer wieder gibt es Anrufe: Heute kommt der Minister, bitte sperren sie auf. Solche Anrufe sind teils um 7 Uhr früh oder auch am Wochenende. Für mich gebietet es die Höflichkeit, dass ich hingehe und die Leute empfangen. Ich sehe das aber als Aufgabe und Verantwortung der Republik. Das kann kein Privater übernehmen.“
Bürger sollen mitreden
Die Leiterin der Gedenkstätte Mauthausen, Barbara Glück, erhofft sich noch heuer konkrete Schritte. „Die Geschichte holt uns ein, wenn wir uns ihr nicht stellen“, sagt sie und sieht den Abend nicht als einmalige Veranstaltung, sondern als Auftakt für noch weitere Dialog-Abende.


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