LEMBACH. „Der Mensch strebt danach, sich anderen zu zeigen; er ist auf soziale Resonanz angewiesen“, sagte Georg Fraberger, als er am Samstag Abend seinen Festvortrag bei der Jubiläumsfeier des Arcus Sozialnetzwerks hielt und dabei vom Sinn des Lebens sprach. Arcus gibt vielen Menschen einen Sinn – und das schon seit 30 Jahren.
„Integrieren heißt Beziehung ermöglichen. Was wirklich krank macht, ist soziale Isolation“, betonte der Wiener Psychologe und Buchautor, der weiß wie es ist, anders zu sein: Er wurde 1973 ohne Arme und Beine geboren. Aber er sei willkommen gewesen. „Ich habe zwei nicht behinderte Brüder und dadurch gesehen, dass die Probleme für alle gleich sind.“ Fraberger, der mit seiner Frau und den vier Kindern nach Lembach gekommen war, fasste das Glück auf eine Formel zusammen: „Glück ist Empathie mal Selbstwert mal dem Mut zu Scheitern. Wenn ein Element fehlt, ist das ganze Glück dahin.“ Seine Empfehlung deshalb an die vielen Besucher in der Alfons Dorfner Halle: „Seien Sie egoistisch, solange Sie einfühlsam und nicht rücksichtslos sind.“ Wie sehr das Arcus Sozialnetzwerk zum Glück von Menschen mit Beeinträchtigung, von Älteren oder von Menschen, die mit ihrer Lebenssituation nicht zurechtkommen, beiträgt, zeigten die Interviewrunden. Natalie Küblböck etwa ist glücklich mit ihrer Arbeit in der Ariola Werkstätte, wo sie auch Interessensvertreterin für ihre Kollegen ist; für die 91-Jährige Maria Schinkinger wäre das Leben in den eigenen vier Wänden ohne die mobile Betreuung durch Arcus nicht mehr möglich; und Elternvertreterin Margit Pirklbauer zeigte auf, wie gerne ihre Tochter in den Altenfeldner Werkstätten arbeitet. Allerdings plagen gerade die Eltern auch Zukunftsängste: „Krank sein, auf Kur fahren oder ein paar Tage Auszeit nehmen ist für uns nicht möglich, weil es kaum Kurzzeit-Pflegeplätze gibt. Auch im Bereich Wohnen ist die Situation dramatisch“, betonte Pirklbauer.
Es wird eine Lösung geben Landeshauptmann Josef Pühringer versprach ihr und allen anwesenden Betroffenen: „Es wird eine Lösung mit entsprechender Perspektive für den Bereich Wohnen geben.“ Pühringer lobte in seiner Festrede vor allem die Pionierarbeit, die hier geleistet wurde und was auf diesem Fundament aufgebaut wurde: „Aus einem kleinen Verein ist ein Großunternehmen der sozialen Hilfe entstanden.“ Das Ziel sei aber erst erreicht, wenn „Integration nicht mehr notwendig ist, weil die Menschen gleichwertig in der Gesellschaft sind.“
Silber für Arcus-Chef Dass Arcus eine so tragende Säule für die Menschen in der Region geworden ist, ist vor allem auch Geschäftsführer Franz Stadlbauer zu verdanken. „Seine Arbeit ist nicht nur Job und Funktionärstätigkeit, sondern ist Einstellung, Berufung und Leidenschaft. Stadlbauer ist ein Qualitätsbegriff in der Sozialarbeit in Oberösterreich geworden“, meinte der Landeshauptmann. Er nahm das 30-jährige Jubiläumsfest zum Anlass, um Franz Stadlbauer das Silberne Verdienstzeichen des Landes zu überreichen. Dieser hatte somit an diesem Abend allen Grund, glücklich zu sein. „Wir können voll Freude auf das Erreichte zurückblicken“, meinte Stadlbauer, der sich aber auch den künftigen Herausforderungen stellen will. „Wir wollen trotz Einsparungsmaßnahmen unsere Qualitäts-Standards möglichst hoch halten, müssen aber zugleich mehr Menschen ins System bringen. Da müssen wir eine Vorwärtsstrategie entwickeln.“
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