Eine Region verwirklicht ihre Visionen
BEZIRK ROHRBACH. Zwei Jahre lang beschäftigte man sich in der Region Donau Böhmerwald damit, wie nachhaltige Lebensweisen unterstützt und verankert werden können. Jetzt ist man auf der Zielgerade: An zwei sehr intensiven Workshop-Tagen hat eine kleine Gruppe engagierter Leute Visionen erarbeitet, die unsere Heimat zu einem besonders lebenswerten Fleckchen machen sollen. Die Ergebnisse werden im Herbst im Bezirk präsentiert, Ende November folgt der Abschluss des europaweiten Forschungsprojektes namens Glamurs in Brüssel.

Die Pfade des Gelingens, die in den Jahren bis 2040 beschritten werden sollen, betreffen eigentlich alle Lebensbereiche. Es geht dabei um Werte & Lebensformen, um neue Formen von Arbeit, Ernährung, Energie & Wohnen, um nachhaltige Mobilität, regionale Wirtschaft & Konsum und vor allem um „voi lebm“ in der Glücksmodell-Region. Diese Maxime könnte fast dem italienischen „dolce vita“ Konkurrenz machen. „Durch die tiefgreifenden Veränderungen in der Region und die Hervorhebung kooperativen Tuns konnte ein offener Umgang mit persönlichen und gesellschaftlichen Problemen etabliert werden. Eine gemeinschaftliche Problembewältigung ist heute Balsam auf unser aller Seelen“, heißt es in der Vision Donau-Böhmerwald 2040.
Grundsätzliches Ziel ist es, den vielen ökologischen und sozialen Herausforderungen mit Gemeinschaftsgeist und der nötigen Offenheit zu begegnen. Einige Eckpunkte, die von der Arbeitsgruppe unter Projektleiterin Ines Omann (Helmholtz Zentrum für Umweltforschung) und Leader-Geschäftsführer Klaus Diendorfer erarbeitet wurden, sind: generationenübergreifendes Wohnen; ehrenamtliche Tätigkeiten, Pflegearbeiten und Weiterbildung werden als Arbeit wahr- und ernst genommen; bei der Ernährung gilt die Devise regional herstellen und aufmerksam genießen; auch gebaut wird regional und ökologisch, mehr Wohngemeinschaften stärken den Zusammenhalt; Autos und andere Verkehrsmittel werden überwiegend geteilt.
Ideen nicht in der Schublade verschwinden lassen
Die besten Ideen nützen aber wenig, wenn sie nicht realisiert werden. Daher will die Arbeitsgruppe selbst diese Ergebnisse weitertragen, wie Stefan Fölser anregte. Jutta Müller, Leiterin des Frauennetzwerks, will die Visionen wie in einem Apothekerschrank speichern und „zur richtigen Zeit das richtige Türl aufmachen.“ Auch Markus Altenhofer von der Energiemodellregion versicherte, die Anregungen in jedes Konzept einfließen zu lassen. An den Ehrenamtlichen allein darf es aber nicht hängen bleiben, war man sich einig: Vor allem die Politik und regionalen Entscheidungsträger seien gefordert.
Alles Ansätze, die Ines Omann zufriedenstellen: „Ein Forschungsprojekt wie dieses schafft leider die Brücke zur Umsetzung nicht. Man darf aber auch nicht warten, dass von oben etwas diktiert wird, sondern muss selber Verantwortung übernehmen.“ Sie sagte für das ein oder andere Projekt noch weitere Unterstützung zu. Abschließend lobte sie den Einsatz der Rohrbacherinnen und Rohrbacher: Sie habe schon viele Projekte begleitet und „selten so aktive, engagierte Menschen erlebt.“
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