Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

LINZ/LEONDING. Stefanie Schauer ist eine Frau der Tat: am Internationalen Frauentag, präsentierte sie im Ars Electronica Center ein selbst entworfenes und produziertes Statement-T-Shirt mit Aufschrift „THE FUTURE IS HUMAN“. Dann wird die engagierte Leondinger Software-Unternehmerin und zweifache Mutter „auf ihrem Mini-Pixel Welt“, wie sie es nennt, alle und alles in Bewegung setzen, damit die Leiberl für mehr Diversität in der Welt gekauft werden. Der Reinerlös geht an das Frauenhaus Linz.

  1 / 4   THE FUTURE IS HUMAN: Ein Statement für mehr Diversität, Geschlechtergerechtigkeit, Gleichberechtigung und Menschlichkeit (Foto: Carolin Anne Fotografie)

„Niemand kann allein die Welt retten. Aber jede und jeder kann auf seinem Mini-Pixel etwas Kleines tun. Mein Fundraising mit den T-Shirts ist etwas Kleines, nichts Großes“, sagt Stefanie Schauer ohne Koketterie. Im Gegenteil: Im Schock über diese schrecklichen Bilder aus der Ukraine, über diese vielen verzweifelten Frauen und ihre Kinder, habe sie sich ohnmächtig gefühlt und gefragt, ob sie nicht moralisch verpflichtet sei, den Erlös ihrer „THE FUTURE IS HUMAN“-Aktion diesen Gewaltopfern zu spenden. Sie spendet. Als Privatperson. Aber ihre Initiative bleibt dem Frauenhaus Linz gewidmet.

„Weil man Unrecht und Not von Frauen nicht mit Unrecht und Not von Frauen gegenrechnen kann“, sagt Stefanie Schauer. Für Magarethe Rackl, die Leiterin der durch die Sozialabteilung des Landes Oberösterreich finanzierten Schutzeinrichtung für Opfer häuslicher Gewalt in Linz, ist das, was Stefanie Schauer tut, sehr wohl etwas Großes: „Wir alle wissen ja, dass häusliche Gewalt durch die Pandemie enorm gestiegen ist. Dieses Geld verschafft uns mehr Spielraum in der Betreuung von Frauen und Kindern, die bei uns Schutz finden. Das Engagement von Stefanie zeigt im Kleinen, wie es auch im Großen funktionieren kann: Eine einzelne Frau, eine Idee, ein T-Shirt bewirken so viel. Ihr Sponsoring ist fast doppelt so hoch, wie alle anderen Zuwendungen zusammengerechnet, die wir außerhalb der öffentlichen Basisfinanzierung bekommen.“

Verbindendes Zeichen

Für Stefanie Schauer ist es „ein Herzensprojekt, das Freude macht.“ Und nicht nur ihr: Die T-Shirts sind ein Trägermedium der Solidarität. Es verbindet Frauen, die helfen wollen und können, mit Frauen, denen schon jede kleinste Unterstützung durch die härteste Zeit ihres Lebens hilft. Denn ins Frauenhaus kommen Gewaltopfer ohne soziales Netz. Die weder von ihren Familien, noch von sonst jemandem aufgefangen werden, wenn sie den Sprung aus der Hölle in den eigenen vier Wänden in ihre Freiheit wagen wollen. Darum gelingt er oft auch erst nach Jahren.

„Die Geschichten dieser Frauen gehen mir nahe. Und auch, mitzuerleben, wie sich solche Schicksale im schützenden Umfeld des Frauenhauses zu etwas Besserem wenden. Wie durch Mitgefühl aus Horror allmählich wieder Heilung und aus Heilung Hoffnung wird.“ Aufgerüttelt hätten sie die schrecklichen Kindheitserinnerungen einer Freundin, die sich mit ihrer Mutter vor einem gewalttätigen Vater in das Frauenhaus flüchten hatte müssen.

„Dass ich in ein liebevolles Familienumfeld hineingeboren worden bin“ sagt die Frau eines Arztes und Mutter zweier Kleinkinder, „kann man Fügung oder Zufall nennen. Fakt ist: Es ist einfach unverdientes Glück!“ Wer sich einmal auf diesen Gedanken einlasse, könne sich angesichts des Unglücks anderer nie wieder wegdrehen. Sie, jedenfalls, nicht. Und alle, die ihr Fundraising auf ihrem Mini-Pixel Welt unterstützen würden, ebenfalls nicht.

Selfmade Software-Unternehmerin

Allein: So mini ist der Pixel Welt von Stefanie Schauer gar nicht mal. Vor einigen Jahren setzte sich die Betriebswirtin etwas in den Kopf, wovon ihr mit Ausnahme ihres Ehemannes – ein Orthopäde mit Ordination – alle abrieten. Sie, die nach eigenen Angaben Computer und Smartphone mehr schlecht als recht im Griff hat, wollte einen digitalen Assistenten auf den Markt bringen, der Freiberufler:innen jeder Provenienz die Bürden der Bürokratie und damit das Leben erleichtert. Damit mehr Zeit für Wesentlicheres bleibt.

Gesagt, getan: Aus der Marketingexpertin mit eigener Werbeagentur wurde eine Software-Unternehmerin. Nicht im Silicon Valley, in Leonding. Und aus dem Startup eine Erfolgsstory. Heute schwören 5.000 Ärzt:innen, Therapeut:innen, Kosmetiker:innen, Friseur:innen, Fotograf:innen und wer sonst noch keine wertvolle Lebenszeit mit Terminvereinbarungen, Rechnungslegung und Registrierkassen-Zeugs vertun will, auf ihr Programm OFFISY. Die Fan-Base wächst ständig.

Idee traf den Zeitgeist

„Erfolgreiche Menschen, mitten im Leben, mit dem Herz am rechten Fleck“, sagt Stefanie Schauer. Auf sie könne sie auch bei ihren Fundraising-Projekten zählen. Die Idee dafür entstand in Gesprächen während der Pandemie. „MUM-WIFE-BOSS-TEACHER“ stand auf ihrer ersten Leiberl-Kollektion. Augenzwinkernder Verweis auf die Multirolle von Frauen während Lockdown, Homeoffice und Homeschooling. Das Statement traf den Zeitgeist, der Erfolg übertraf alle Erwartungen. „Das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist zu ernst, um ganz ohne Humor auszukommen“, sagt Schauer. Es brauche seriösen gesellschaftlichen Diskurs und politisches Handeln, aber auch spielerische Elemente ohne erhobenen Zeigefinger, um die Diskussion zu entkrampfen.

„Als unser erstes T-Shirt auf dem Markt war, haben sich Männer gemeldet und gesagt: ´Hey, ich bin solidarisch mit euch. Wir Männer versuchen genauso, unseren Rollen gerecht zu werden.´ Da ist mir klar geworden: Equality funktioniert als Teamwork, oder gar nicht. In meiner eigenen Familie, in meinem privaten Umfeld, in der Gesellschaft im Großen.“ Trotz aller bestehenden Ungleichheiten brauche es Allparteilichkeit, um im Unterschiedlichen das Verbindende sehen und stereotype Standpunkte auflösen zu können. Ihre Antwort sei eine Grillschürze mit ´DAD-HUSBAND-HERO-GRILLMASTER´ gewesen, die ebenfalls super angekommen sei.

Urbedürfnis zu helfen

„Nichts Großes“, betont sie wieder, „aber etwas.“ Eine Ohrringe-Kollektion, die sie mit der Schmuckdesignerin Maschalina, einer ihrer Kundinnen, initiiert hat und über ihren Onlineshop auf offisy.at vertreibt – brachte 7.500 Euro für das Frauenhaus. Produziert werden die Accessoires in den Wiener Werkstätten von behinderten Menschen. Eines fällt bei Stefanie Schauer auf: In allem, was sie tut, ist Leichtigkeit, nicht diese bedeutungsschwangere Retter-Energie, die das Übel der Welt beklagt.

Sich als Charity-Lady mit mildtätiger Aura wirken zu lassen, käme ihr schräg vor. Ihre Motivation, freiwillig 234 Stunden ihres Lebens ins Fundraising-Projekt für das Frauenhaus Linz zu buttern (die genaue Anzahl weiß sie durch ihre Software) formuliert sie als Aphorismus, der von Mark Twain stammen könnte: „Ich bin zu egoistisch, um nicht zu helfen.“ Dass Uneigennützigkeit uneigennützig sei, hält sie nämlich aus eigener Erfahrung für einen elementaren Unsinn.

Das Gegenteil sei wahr und auch wissenschaftlich erforscht: „Es ist ein Urbedürfnis in uns Menschen, für andere einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Wenn man das tut, einfach weil man es kann, teilt man Glück und es wird mehr – auch in einem drin. Wer sich ehrenamtlich engagiert, weiß, was ich meine. Wenn man das Edelmut-Gedusel weglässt, ist Fundraising eine Hetz. Es bringt Menschen zusammen und Menschen bringen miteinander etwas zusammen, das anderen, die es brauchen, hilft. Barrierefrei, einfach, indem man sich ein cooles T-Shirt kauft mit einer Message, zu der man stehen kann.“

Unfreiwillige Aktualität

„THE FUTURE IS HUMAN“ steht auf der neuen T-Shirt-Kollektion. Gewählt im Andenken an ihre Oma. Sie sei Lehrerin gewesen, der Opa ÖBB-Ingenieur, die Arbeit im Haushalt hätten sich die beiden schon in einer Zeit aufgeteilt, als das noch exotisch war. „Steffi, du wirst merken, dass das in anderen Familien anders ist“, habe ihr die Oma damals gesagt. Ist es. Immer noch. Aber mit drei Geschwistern, die alle Zwillinge sind – neben ihre um sieben Minuten jüngeren Zwillingsschwester hat Stefanie Schauer noch Zwillingsbrüder – lernt man, dass Equality nur als Teamwork funktioniert, oder gar nicht. Und anders brächte sie ihre Familie, zwei Firmen, diverse Funktionen (als Vorstandsmitglied des JKU Alumni Clubs) und ihr Fundraising-Engagement unmöglich unter einen Hut.

„THE FUTURE IS HUMAN“ ist durch den Krieg in der Ukraine zu einem Sehnsuchtsruf der Hoffnung geworden und hat auf tragische Weise an Aktualität und Relevanz gewonnen. Auch das geht ihr nahe. Aber: Es motiviert sie auch. Sie hat sich wieder etwas in den Kopf gesetzt: „Meine Tochter Rosa ist ein Jahr alt, mein Sohn Oskar drei. Wenn die beiden in die Schule gehen, wäre schön, wenn zwei Themen nur mehr Stoff im Geschichteunterricht wären: Krieg in der Welt und Gleichstellung in der Gesellschaft. Vielleicht naiv, aber so naiv will ich unbedingt bleiben. Und weitermachen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden