Zeitzeugin in HAK Traun: „Für die Zukunft lernen, damit es eine Zukunft gibt!“

Franz Michael Zagler, 01.12.2022 17:30 Uhr

Traun. Frau Ingrid Portenschlager, Zeitzeugin der 2. Generation war am Donnerstag, den 1. Dezember Gast in der HAK Traun. Sie erzählte die Geschichte ihres Vaters Ernst Reiter, der als Bibelforscher (wie damals Jehovas Zeugen genannt wurden) nach 1600 Tagen im Konzentrationslager Flossenbürg schwer traumatisiert nach Hause kam.

Schubkarre für die Schwächsten

Der berührende Vortrag der 73jährigen holte den Holocaust und seine grausamen Auswirkungen in die Jetztzeit. „Aus Fehlern lernt man“, so Fr. Portenschlager „aber hätten wir wirklich aus der Geschichte gelernt, hätten wir heute keinen Krieg in der Ukraine.“ Die 45 SchülerInnen verfolgten aufmerksam den Erzählungen über Portenschlagers Vater, der Einzelhaft, Folter und Hunger durchlebte, nur weil er den Dienst mit der Waffe verweigerte. Ernst Reiter überlebte alle Torturen ohne Verbitterung und Hass. Selbst den Todesmarsch am Ende des Krieges überstand er. Die 23köpfige Gruppe der Bibelforscher mit dem Lila Winkel, der Ernst Reiter angehörte, hielt eisern zusammen und jeder opferte sich für den anderen auf. So organisierten sie sich eine Schubkarre, in die sie den jeweils Schwächsten unter ihnen legten.

Weißes Blatt – Schwarzer Punkt

Dieser gelebte Zusammenhalt war eine der Lehren, die Tochter Ingrid für ihr Leben zog. Ihr Vater mahnte seine drei Töchter, mit allen Menschen gut auszukommen und das Positive zu sehen. Noch heute erinnert sie sich an das weiße Blatt Papier mit einem schwarzen Punkt in der Mitte. Auf die Frage ihres Vaters, was sie denn sehe, wies sie auf den schwarzen Punkt hin. Ihr Vater lehrte sie, alle Menschen als ein weißes Blatt Papier zu sehen, statt sich auf die Fehler, die jeder hat, zu konzentrieren.

„Komm Max, trinken wir ein Bier“

An eine Begebenheit erinnert sich Ingrid noch, als wäre es gestern gewesen. Als 16jährige war sie gerade mit ihrem Vater unterwegs, als sie zufällig einen ehemaligen Peiniger trafen. Dieser hasste Ernst Reiter so sehr, dass er ihn jedes Mal, wenn er ihn im KZ sah, mit einem Gartenschlauch, gefüllt mit Sand, heftig schlug. Aber anstatt den damaligen Kapo zur Rede zu stellen oder ihm Vorwürfe zu machen, sagte ihr Vater nur: „Komm Max, trinken wir ein Bier“, das er auch noch bezahlte.

„KEIN Brot – das ist hart!“

Auch lehrte er sie, mit Lebensmittel nie verschwenderisch umzugehen. Im Lager gab es nur eine ungewürzte Wassersuppe mit ungeputztem Gemüse. Im Winter war sie gefroren, im Sommer war das Gemüse verfault. Der Hunger war sein ständiger Begleiter. Als sie sich als Kinder einmal über ein hartes Brot beschwerten, sagte er: „KEIN Brot – das ist hart.“

Die Botschaft kam an. Drei Schülerinnen beschrieben direkt im Anschluss ihre Eindrücke.

Danillo Cardoso Ferreira: „Man begreift die wahre Tragweite im Unterricht oft gar nicht oder passt einfach zu wenig auf. Heute habe ich allerdings jemand aus dieser Zeit getroffen und war echt überrascht, wie grausam diese Zeit wirklich war.“

Tatjana: „Dieses Thema hat mich immer schon interessiert und von klein auf habe ich darüber viele Dokus gesehen. Für mich war es eine Ehre, heute eine Person aus dieser Zeit kennengelernt zu haben. Einige Passagen haben mich emotional tief berührt.“

Deran Piskin: „Das war wirklich eine interessante Geschichte. Ich war von der Reife und vom Charakter des Herrn Reiters völlig ergriffen, der seinen ehemaligen Peiniger sogar auf ein Bier einlädt und das noch bezahlt. Diese Stärke zeugt davon, dass er echten Frieden in sich gehabt hat.“

Die SchülerInnen hatten nach dem Vortrag die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Gerne ging Frau Portenschlager auf die durchdachten Überlegungen ein und beendete ihre Geschichte mit dem Satz: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Diese Perspektive machte Mut. Man spürte die Entschlossenheit, die Geschichte nicht wiederholen zu wollen und – so schloss sich der Kreis – aus Fehlern doch zu lernen, „damit es eine Zukunft gibt.“

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