ENNS. Der Ennser Gerhard Danninger (97) führt ein sehr aktives Leben. Er ist Mitglied bei Sportvereinen, bei der Feuerwehr, Ehrenmitglied beim Mauthausen Komitee und er hat einen sehr umfangreichen Freundes- und Bekanntenkreis.

Wenn Gerhard Danninger von seinem Leben berichtet, sind seine Erinnerungen an den Krieg ein wichtiger Bestandteil. Er erinnert sich noch sehr detailreich an diese Zeit.
Mit der Hitlerjugend überworfen
Als die deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschierte, war Gerhard Danninger neun Jahre alt. Wie fast alle Kinder in dem Alter wurde Danninger Mitglied beim Deutschen Jungvolk. Dies war eine Vorfeldorganisation der Hitlerjugend. Für Kinder waren der Sport und die Geländeübungen verlockend. Dass damit eine Indoktrinierung verbunden war, merkte Danninger erst später. Als er bei der Hitlerjugend war, konnte er an Sonntagen nicht mehr machen, was er wollte. Da mussten alle an Aufmärschen der Nationalsozialisten teilnehmen. Im Jahr 1943 überwarf sich Danninger mit der Hitlerjugend.Als Strafe wurde er von der Lehre als Tischler abgezogen. Er bekam den Befehl, als Kurier nach Prag zu fahren, gemeinsam mit einem Kollegen. Doch dessen Nachricht war während der Fahrt abhandengekommen.
An die Front geschickt
„Als wir nach Linz zurückgekommen sind, sind wir von der Gestapo empfangen und zum Verhör gebracht worden.“ Danach wurden die beiden an die Wehrmachtsstelle geschickt, wo ihnen mitgeteilt wurde, dass sie am nächsten Morgen abmarschbereit sein mussten – Richtung Front.Danninger wurde einem Panzerspähtrupp zugeteilt. Es gab keine Einschulung, denn die militärische Ausbildung hatten die jungen Leute bereits in der Hitlerjugend erhalten.
Gefangenschaft am 16. Geburtstag
Genau an seinem 16. Geburtstag geriet Danninger zum ersten Mal in russische Gefangenschaft. Es gelang ihm aber rasch zu fliehen.
Bombardierung Dresdens
Im Laufe des Krieges wurde Danningers Einheit immer wieder verlegt. Im Februar 1945 erlebte Danninger die Bombardierung Dresdens. „In der Nacht haben die Engländer bombardiert und am Tag die Amerikaner.“ Danninger sah die brennende Stadt und die brennende Frauenkirche sowie die Trümmer am nächsten Tag, nachdem sie eingestürzt war.Gegen Kriegsende kam Danninger nach Berlin. Einmal rief ein Offizier: „Jungs, haut ab, Adolf ist tot!“ Bei der Flucht aus Berlin geriet Danninger wieder in russische
Kriegsgefangenschaft
Im Lager traf er einen Ennser, Franz Tischberger. Dieser sagte zu Danninger: „Wenn du vor mir nach Hause kommst, sag meinen Eltern, dass ich noch lebe und gesund bin.“Im Lager brach die Ruhr aus. Ein Lagerarzt empfahl, die Rinde von Kiefern abzuschaben und zu essen. Als Nahrung bekamen die Gefangenen Suppe aus Fischköpfen mit Rübenschnitzeln. Mit dem Brot mussten sie vor dem Essen ein paar Mal auf den Tisch klopfen, damit die Würmer herausfielen.
Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft
Schließlich gelangte Danninger über Tschechien und Ungarn nach Österreich, wo er die Entlassungspapiere bekam.In einer Auffangstelle bekamen die Gefangenen Verpflegung. Allerdings waren sie die kräftigen Speisen nicht mehr gewohnt und viele wurden krank.Auch Danninger musste bei der Fahrt Richtung Enns den Zug wegen einer Unpässlichkeit in Loosdorf verlassen. Der Bahnhofsvorstand nahm ihn über Nacht auf. Danninger: „Da habe ich zum ersten Mal wieder in einer Badewanne gebadet und zum ersten Mal wieder in einem Bett geschlafen.“Auf abenteuerliche Weise gelangte Danninger nach Enns, wobei er zuvor die Demarkationslinie überschreiten musste.+
Wieder daheim
1946 war er wieder daheim. Gleich am nächsten Tag ging er zu den Eltern Franz Tischbergers und berichtete, dass Franz noch lebe und gesund sei.Nachträglich berichtet Danninger, dass ihm all die Zeit nichts passiert ist. Aber sein bester Freund war von einem Granatsplitter derart stark verletzt worden, dass er seine Kameraden anbettelte, sie sollten ihn erschießen, da er die Schmerzen nicht mehr ertrage. Allerdings ist er gleich darauf gestorben.Nach dem Krieg begann Danninger in der Zuckerfabrik zu arbeiten – bis zu seiner Pensionierung.Er war in Sportvereinen und bei der Feuerwehr aktiv, war im Gemeinderat und hat ein Schifffahrtspatent auf der Donau.Gemeinsam mit seiner Frau unternahm Danninger ausgedehnte Weltreisen. Auch nach dem Tod seiner Frau setzte Danninger die Reisen fort.
Mauthausen Komitee
Mit dem Mauthausen Komitee kam Danninger bei einer Gedenkfeier für Bozena Skrabalek in Kontakt. Skrabalek war eine Widerstandskämpferin, die im April 1945 im KZ Mauthausen ermordet wurde. Danninger hatte als Kind Bozena Skrabalek gekannt. Deren Vater war Verwalter in der Zuckerfabrik und die Kinder spielten oft miteinander. Bei der Gedenkveranstaltung holte die Obfrau des Mauthausen Komitee Enns Danninger ans Pult und er erzählte von Bozena Skrabalek.


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