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Wenn nichts mehr zu sehen ist: Eine Trauner Feuerwehrtaucherin erzählt

David Ramaseder, 10.04.2026 09:06

TRAUN/LINZ/FELDKIRCHEN. Dort, wo Sicht zur Nebensache wird und jeder Handgriff über Erfolg entscheidet, beginnt der Einsatz von Feuerwehrtauchern. Die 32-jährige Jasmin Angerer aus Traun zeigt, wie viel Mut, Vertrauen und Ausdauer es braucht, um genau in solchen Momenten die Ruhe zu bewahren – und erzählt, warum sie diesen Weg trotz Zweifel gegangen ist.

Zwischen Dunkelheit und Vertrauen zählt jeder Handgriff. (Foto: Karl Pils)
  1 / 2   Zwischen Dunkelheit und Vertrauen zählt jeder Handgriff. (Foto: Karl Pils)

Die Feuerwehr steht für schnelle Hilfe in Notsituationen – doch viele Einsätze erfordern weit mehr als die klassischen Aufgaben des Löschens, Rettens, Bergens und Schützens. In Sonderdiensten wie Höhenrettung, Drohnen-Gruppe, Flugdienst oder Tauchdienst kommen speziell ausgebildete Kräfte zum Einsatz. Auch im Bezirk Linz-Land sind diese Bereiche in eigenen Stützpunkten organisiert.

Besonders der Feuerwehr-Tauchdienst rückt immer wieder ins öffentliche Bewusstsein, etwa wenn Personen vermisst werden oder Fahrzeuge und Gegenstände aus Gewässern geborgen werden müssen. Die Arbeit erfolgt oft in enger Abstimmung mit Polizei und Wasserrettung. Was dabei häufig unterschätzt wird: Einsätze unter Wasser verlangen neben körperlicher Fitness vor allem mentale Stärke. Sichtweiten von wenigen Zentimetern, unbekannte Hindernisse und die ständige Unsicherheit machen jeden Tauchgang zur Herausforderung. Umso wichtiger sind Erfahrung, klare Abläufe und vor allem Vertrauen innerhalb des Teams.

Vom Mühlviertel ins Wasser

Eine, die diesen besonderen Weg eingeschlagen hat, ist Jasmin Angerer. Die 32-Jährige lebt heute in Traun, ihre Wurzeln liegen jedoch im Mühlviertel, in Feldkirchen an der Donau. Bewegung zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Besonders das Klettern – vor allem Mehrseillängen am Fels – gehört zu ihren großen Leidenschaften. Dazu kommen Krafttraining, Handstandübungen sowie Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Inlineskaten. Nebenbei bleibt, wenn Zeit ist, auch Raum für Reisen, Lesen, Zeichnen oder Singen.

Die Verbindung zum Wasser entstand früh. „Durch die Begeisterung beider Eltern fürs Tauchen haben meine Schwester und ich früh begonnen, die Unterwasserwelt zu erkunden“, erzählt sie. Bereits mit zwölf Jahren absolvierte sie ihren ersten Tauchschein. Auch die Feuerwehr war von Anfang an präsent – dennoch entschied sie sich bewusst erst später für diesen Weg. „Ich wollte die Dinge immer ganz oder gar nicht machen“, sagt sie rückblickend.

Schritt für Schritt spezialisiert

2017 trat sie der Freiwilligen Feuerwehr Landshaag bei und absolvierte dort ihre Grundausbildung. Im Wasserdienst begann sie zunächst mit dem Zillenfahren – einer Ausbildung, bei der es vor allem darum geht, Strömungen zu lesen und das Verhalten des Wassers richtig einzuschätzen. Darauf aufbauend folgte die Qualifikation zur Schiffsführerin.

Mit dem Wechsel zur Betriebsfeuerwehr der voestalpine übernahm sie zunehmend Verantwortung, etwa in der Organisation von Übungen oder bei der Betreuung der Boote. 2024 legte sie die Löschmeisterprüfung ab und qualifizierte sich damit zur Gruppenkommandantin. Der Schritt zum Tauchdienst war schließlich die konsequente Weiterentwicklung.

Nach intensiver Vorbereitung absolvierte sie 2023 den anspruchsvollen Lehrgang des Landes-Feuerwehrkommandos in Weyregg am Attersee – als eine der ersten Frauen im Land. Heute ist sie Teil der Tauchergruppe der Freiwilligen Feuerwehr Traun.

Einsätze im Dunkeln

Wie herausfordernd ein solcher Einsatz sein kann, zeigt ein Erlebnis am Pleschinger See. „Miserable Sicht – als würde jemand das Licht ausknipsen“, beschreibt sie die Situation. Man sinke ab, ohne den Boden zu erkennen, bis man schließlich im Schlamm stehe. Trotz dieser Bedingungen empfindet sie eine besondere Ruhe: „Für mich ist das nahezu meditativ. Ich mache die Augen zu und beginne zu tasten.“ Doch die Anspannung bleibt. „Nach einiger Zeit dann der Schockmoment: Ich ertaste etwas – es fühlt sich an wie ein Arm.“ Erst Sekunden später kommt die Erleichterung: Es war der Arm eines Tauchkollegen.

Solche Momente zeigen, wie entscheidend Vertrauen und Konzentration sind. „Anfangs ist es immer ein Hineinfühlen, ein Ankommen im Wasser“, sagt sie. Der Fokus liegt auf der Suchkette, den Kameraden, dem Equipment – und auf dem eigenen Zustand. „Dann tauche ich mit innerer Ruhe, Sicherheit und vollstem Vertrauen.“

Zweifel, Rückhalt und jede Menge Durchhaltevermögen

Der Weg dorthin war nicht frei von Hürden. „Definitiv gab es Momente, in denen ich mehr als nur gezweifelt habe – und manchmal gibt es die immer noch“, sagt sie offen. Entscheidend sei gewesen, nicht allein zu bleiben. Gespräche mit Kollegen, ihrem Vater und Freunden hätten ihr immer wieder Mut gemacht oder geholfen, Frust und Unsicherheit abzubauen. Auch der Sport hilft ihr dabei, den Kopf freizubekommen.

Ein Beispiel, das Mut macht

Rückblickend ist sie vor allem auf eines stolz: den Mut, es überhaupt versucht zu haben. Besonders die erfolgreiche Aufnahme bei einer hauptberuflichen Feuerwehr bezeichnet sie als wichtigen Meilenstein – in einem Bereich, in dem Frauen lange kaum vertreten waren. „Vor allem aber auch nach vielen harten Kämpfen noch immer hier zu stehen und diesen Weg Seite an Seite mit meinen Kollegen und mittlerweile auch zwei Kolleginnen gehen zu dürfen“, sagt sie.


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