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KEMATEN/TRAUN. Heinz Fuchsig ist Arbeits- und Umweltmediziner und Leiter des Referats für Umweltschutz der Ärztekammer Tirol. Vor seinem Vortrag in Kematen auf Einladung der KEM Traun-Kremstal erklärt er im Interview, warum Bewegung gut für Gesundheit und Klimaschutz ist, warum mehr Bewegung keine Zeit kostet, was ihn überrascht, wenn Menschen aktiver werden wollen, und welchen Lebenstipp er für ein gesünderes Leben hat.

Heinz Fuchsig, Arbeits- und Umweltmediziner, betont die Vorteile des Radfahrens für Gesundheit und Klimaschutz. (Foto: ORF/Hermann Hammer)

Tips: Wie wirken sich die steigenden Temperaturen auf unsere Gesundheit aus?

Heinz Fuchsig: Der Körper muss viel mehr Blut durch die Haut pumpen, um Wärme abzuführen. Dadurch sind wir eingeschränkt leistungsfähig und erholen uns in Tropennächten schlechter. Das Gehirn ist besonders betroffen und schaltet den Energiesparmodus ein – wir werden apathisch. Trinken Männer zu wenig und zu selten (der Schluckakt aktiviert den Parasympathikus) werden sie oft auch aggressiv.

Tips: Welche eine Gewohnheit, die gut für unsere Gesundheit ist, hat gleichzeitig den größten positiven Effekt aufs Klima – und warum tun wir sie trotzdem so selten?

Fuchsig: Radfahren zur Schule und Arbeit trainiert Herzkreislauf, Stoffwechsel und steigert die Gehirndurchblutung – mehr als zu Fuß zu gehen. Am besten wäre Laufen, aber wer tut das da schon? Beim Radfahren verbessert sich auch die Hitzeresilienz, man schwitzt mehr an den Beinen, wo die Wärme entsteht. Wer das Rad gewohnt ist, nutzt es auch in Freizeit und Urlaub. All dies ersetzt viele Autofahrten und damit negative Einwirkungen auf Klima und Gesundheit. Ein weniger bekannter Punkt neben Alltagsbewegung und auf Pflanzen basierter Ernährung ist der Abschied von der „Zuvielitits“, einer „Entzündung der Herzen und Hirne und des Planeten“. Diese Haltung, alles sehen, erleben und besitzen zu müssen, macht großen Stress und unzufrieden. Ein einfacher, bescheidener Lebensstil und der bewusste Verzicht auf Überflüssiges sind für den globalen Norden vielleicht die wichtigste Maßnahme für beide Bereiche.

Tips: Oft ist Bewegung eine Zeitfrage. Welche einfachen Veränderungen im Alltag empfehlen Sie, um aktiver zu werden?

Fuchsig: Bewegung kostet bis zu vier Stunden pro Woche insofern keine Zeit, weil man effektiver schläft. Ich habe in vier Jahren mit hunderten Nachtdiensten in Spitälern nur ein einziges Mal nach dem Nachtdienst geschlafen. Weil ich jede freie halbe Stunde für Schlaf genutzt habe und mit täglichen 25 Kilometer Arbeitsweg am Rad bei jedem Wetter sehr fit war.

Tips: Was überrascht Sie selbst immer wieder, wenn Sie Menschen beraten, die mehr Bewegung in ihren Alltag bringen wollen – und was gibt Ihnen Hoffnung?

Fuchsig:  Wie schnell Menschen das nicht mehr aufgeben wollen. Und dass es meist einen besonderen Moment braucht für den Umstieg – aber das gilt für alle Gewohnheiten.

Tips: Welche Rolle können Arbeitgeber und Gemeinden dabei spielen, aktive Mobilität zu fördern?

Fuchsig: Man kann den Chef-Parkplatz neben der Türe in einen überdachten und beleuchteten Radabstellplatz umwandeln, Duschen installieren und Reparaturtage anbieten, Parkplätze kostendeckend bewirtschaften, also mindestens 1.000 Euro pro Platz und Jahr verlangen. Je 10.000 gemeinsam geradelter Kilometer 1.000 Euro an eine NGO der Wahl spenden.

Tips: Wenn Sie nur einen einzigen Rat für ein gesünderes Leben mitgeben könnten – welcher wäre das?

Fuchsig: Schaffen Sie positive Verhältnisse und Nachrichten, nach denen sich Menschen richten. Tun Sie jeden Tag etwas Gutes für Ihren Körper und für die Psyche anderer.


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