SPÖ Frauen fordern mehr Geld für Gewaltschutzzentren und Beratung
BEZIRK LINZ-LAND. Eine Reihe von erschreckenden Morden in den ersten drei Wochen zu Beginn dieses Jahres und die damit verbundenen Diskussionen haben die SPÖ Frauen dazu veranlasst, das Thema „Gewalt an Frauen“ zum Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit 2019 im Bezirk zu machen.

Damit verbunden steht nun die dringende Forderung, auch die nötigen Gelder für den Ausbau der Gewaltschutzeinrichtungen und Beratungsstellen freizugeben. „Im Doppelbudget für 2020/21 müssen diese Mittel berücksichtigt werden, sonst ist der Zug abgefahren für die Frauen“, fordert die Vorsitzende der SPÖ Frauen im Bezirk Linz-Land Renate Heitz eindringlich.
Bereits im Frühling haben sich die politischen Vertreterinnen Experten dazugeholt, um die Zahlen und Fakten aufzuarbeiten. Unter ihnen waren der Paschinger Vizebürgermeister Gisbert Windischhofer von der Polizei und die ehemalige Landesgeschäftsführerin der SPÖ Frauen und studierte Historikerin Kathrin Quatember.
Insgesamt gab es im Jahr 2018 im Bezirk 125 Wegweisungen. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. „Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Gewalt mehr wird, sondern eher, dass die Frauen einfach mehr anzeigen“, so Heitz. „Frauen dürfen Gewaltbereitschaft nicht einfach hinnehmen, sondern müssen sich Hilfe holen und zur Polizei gehen. In den seltensten Fällen bleibt es bei einem einmaligen Ausrutscher.“
Wegweisungen erst seit den 90ern möglich
Zum Glück haben sich die Möglichkeiten und auch das Bewusstsein in den vergangenen Jahrzehnten geändert. „Bis in die 70er war das Thema ein absolutes Tabu. Mit der Selbstbestimmung der Frau kam es aber noch nicht zu einer Enttabuisierung, wenn man bedenkt, dass Wegweisungen aus dem gemeinsamen Haushalt erst seit den 90ern möglich sind“, betont Quatember.
Das Gewaltschutzpaket, das heuer im September von ÖVP und FPÖ noch beschlossen worden ist, sei in manchen Teilen auch nur wenig hilfreich, um die Situation der Frauen wirklich zu verbessern. „Eine Strafverschärfung hilft bei Delikten, die im Affekt passieren, z.B. gar nicht, sagt Primaria Dr. Adelheid Kastner, Psychiatrie-Fachärztin mit Schwerpunkt Forensik – und die muss es wissen“, so Renate Heitz. Wirklich wichtig wäre jetzt der Ausbau der Gewaltschutzeinrichtungen, der Frauenberatungsstellen und der Frauenhäuser.
„Wir haben nicht mal in jedem Bezirk ein Frauenhaus, für das Mühlviertel gibt es gar nur eins in Linz“, sagt Heitz. „Wir haben eine OÖ Frauenstrategie beschlossen, die aber leider nicht umgesetzt wird. Ich habe eher den Eindruck, dass auch noch gekürzt wird. Von den Beratungsstellen hört man, dass Frauen monatelang auf eine psychologische Beratung warten müssen, das kann doch nicht sein.“
„Hass im Netz“ nimmt zu
Immer mehr zum Thema würde auch der „Hass im Netz“ werden, berichtet Kathrin Quatember: „Das geht von zuschicken von Fotos bis hin zur sexuellen Drohung und kann bei den Betroffenen sogar zu jahrelangen Angststörungen führen.“
Um das Gewalt-Thema in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken, laden die SPÖ Frauen des Bezirks Linz-Land am Donnerstag, 28. November, um 19 Uhr zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Bis du die Nächste?“ ein. Die Veranstaltung findet im TiL (Treffpunkt in Langholzfeld) in Pasching statt.


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