Unternehmen aus Bezirk sind auf den Brexit vorbereitet

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David Ramaseder David Ramaseder, Tips Redaktion, 20.01.2021 08:32 Uhr

LINZ-LAND. Das Vereinigte Königreich hat mit Ablauf des 31. Jänner des Vorjahres die EU verlassen. In letzter Minute haben sich die EU und Großbritannien (UK) noch auf einen Handelsvertrag geeinigt, der zumindest die Zollfreiheit auch in Zukunft garantiert. Tips hat sich mit Unternehmen aus dem Bezirk unterhalten, wie sie sich auf den Brexit vorbereitet haben und welche Auswirkungen der EU-Austritt der Engländer für sie hat.

Die international tätigen Unternehmen hatten es in den letzten Monaten nicht leicht. Mussten sie sich doch auf einen drohenden Austritt der Briten ohne eine ausgearbeitete Lösung mit der Europäischen Union vorbereiten. Umso größer ist jetzt die Erleichterung, dass es buchstäblich in letzter Minute doch noch zu einem Handelsvertrag gekommen ist, der die wichtigsten Beziehungen zwischen den ehemaligen Bündnispartnern regelt. Auch das internationale Familienunternehmen der Nahrungsmittelindustrie backaldrin liefert vom Firmensitz in Asten aus Waren nach England.

Die Auswirkungen des Brexit werden dort allerdings als eher gering bewertet: „Selbstverständlich waren wir froh, als wir hörten, dass es zur Einigung gekommen ist. Für die Wirtschaft ist es wichtig, dass es Handelsabkommen gibt und es ist zu begrüßen, dass in diesem Fall keine zusätzlichen Barrieren entstanden sind.“ Die Zollbestimmungen haben sich für das Unternehmen nicht geändert, lediglich die Vorbereitung und Abwicklung ist etwas umfassender geworden. „Unser Vertriebspartner in Irland ist von den neuen Bestimmungen nicht betroffen, da wir schon immer direkt nach Irland liefern“, erklärt backaldrin.

Lange Vorbereitungszeit

Besonders Speditionen wie Dachser in Hörsching – die täglich Sendungen nach England abwickeln – sind von der neuen Situation betroffen. Um die Warenströme nach Großbritannien weiterhin so reibungslos wie möglich durchführen zu können, wurde bereits 2018 ein zentrales Brexit-Projektteam mit Vertretern aller relevanten Abteilungen und den Landesorganisationen in UK und Irland eingerichtet. „Da bis zuletzt unklar war, wie die Zusammenarbeit zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union zukünftig aussehen wird, hat das Experten-Team aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen Lösungen für verschiedene Szenarien erarbeitet.

Im Fokus standen dabei die Themen Verzollung, Mengensteuerung und Verkehrsführung sowie IT-, Personalfragen und Kommunikationsthemen“, erklärt Dachser. Insbesondere im Bereich Zoll wurde investiert, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.

Ruhe vor dem Sturm?

Die Lage rund um den Jahreswechsel ist nun ruhig, auch weil in Großbritannien in den Dezemberwochen vorsorglich Lagerbestände aufgebaut wurden. „Wir haben in diesem Zeitraum Mengensteigerungen von bis zu 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesehen. Durch unsere umfassenden Vorbereitungen sind wir gut gewappnet, wenn die Bestellungen aus UK im Januar wieder anziehen. Um möglichen Verzögerungen vor allem zwischen Calais und Dover zu begegnen, haben wir bereits vor einem Jahr damit begonnen, feste tägliche Buchungen über die Fährverbindung Rotterdam-Felixstowe vorzunehmen und damit eine gute Bypass-Möglichkeit etabliert. Darüber hinaus vermeiden wir bei Sendungen nach Irland den Landweg via UK, um die Route nicht noch zusätzlich zu belasten“, ist die Spedition bestmöglich auf die neue Situation vorbereitet.

Aufwand wird erhöht

Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich die Laufzeiten für Sendungen nach Großbritannien verlängern, was insbesondere auf die wesentlich komplexere administrative Abwicklung zurückzuführen ist. „Trotz des Abkommens zwischen Großbritannien und der EU vervielfacht sich für uns nun der administrative Aufwand pro Sendung. Nach und nach wird sich eine Routine einstellen, jedoch wird die Abwicklung aufgrund der Bestimmungen weiterhin aufwändiger sein als etwa bei Sendungen in die Schweiz“, rechnet man bei Dachser mit einem längeren Prozess.

Unternehmen gut aufgestellt

Auch Leitbetriebe im Bezirk wie Trumpf Maschinen Austria GmbH + Co. KG aus Pasching sind natürlich von den Auswirkungen der neuen Rechtslage betroffen. Daher bereitet man sich auch dort seit mehr als zwei Jahren auf die unterschiedlichen Szenarien vor. Auch wenn die internationalen Geschäfte über die Zentrale in Ditzingen – nicht über Pasching – abgewickelt werden, wurden auch bereits vor längerem die Lagerkapazitäten in der Fertigung und für die Servicetechniker vor Ort erhöht. Insgesamt erwartet man sich jedoch relativ wenig Auswirkungen des Brexit auf das Unternehmen. „Unser Geschäft in Großbritannien macht rund 60 Millionen Euro Umsatz im Jahr aus, ist also bei rund 3,5 Milliarden Gesamtumsatz relativ klein“, so Trumpf. 370 Mitarbeiter sind derzeit für Trumpf in Großbritannien tätig, das entspricht etwa 2,6 Prozent der Gesamtbelegschaft.

Auch der Leondinger Feuerwehrausrüster Rosenbauer International AG ist gut aufgestellt. „Wir sind seit vielen Jahren mit einem eigenen Tochterunternehmen in Großbritannien präsent und können daher sehr flexibel auf Marktveränderungen reagieren. Vorderhand sehen wir keine Störungen durch den Brexit. Das größte Risiko ist aus unserer Sicht die weitere Entwicklung des Wechselkurses, der sich jedoch managen lässt“, so CEO Dieter Siegel.<

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