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TRAUN. „Was ist politischer Widerstand“? Um dieser Frage näher auf den Grund zu gehen, luden der ÖGB Linz-Land, Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf und das Mauthausenkomitee Ansfelden-Traun vergangene Woche dazu ein, mit Alexander Schinko (Jugendzentrum X-Treff), Sandra Promberger (Vorsitzende Frauenhaus Linz) sowie Stefan Guggenberger (Landessekretär ÖGB OÖ) ins Gespräch zu kommen. 

V.l.: Fritz Käferböck-Stelzer (Treffpunkt mensch und arbeit), Sascha Lindenmayr (ÖGB Linz-Land), Alexander Schinko (Wider das Vergessen), Sandra Promberger (Frauenhaus Linz) und Stefan Guggenberger (ÖGB OÖ) (Foto: ÖGB Linz-Land)

„Eine Form von politischem Widerstand ist für mich, bei aktiver und individueller Solidaritätsarbeit für Menschen die Hilfe brauchen, immer auch einen systemkritischen Blick auf die Ursachen für ihre Notsituation zu werfen. Vor allem als politisch aktive Frau ist es wichtig zu erkennen, dass Phänomene wie „sich nicht gehört fühlen“ kein individuelles Problem sind, sondern Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts. Es hilft, wenn man das eigene Erlebte mit anderem Mitstreiter:innen teilt und sich gegenseitig unterstützt.“

So brachte es Sandra Promberger, die Vorsitzende des Frauenhauses Linz, auf den Punkt. Wichtig sei es, Lernorte zu schaffen, wo Menschen sich vernetzen und Fragen stellen können, warum die Verhältnisse so sind, wie sie sind, um dann nächste Schritte zu einer Veränderung und Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu gehen. Denn Widerstand und Herrschaftsverhältnisse gehen miteinander Hand in Hand. 

„Für was leisten wir Widerstand? In der Arbeitswelt zum Beispiel für jährliche Lohnerhöhungen. Dafür ist jede Kollegin, jeder Kollege notwendig.“ Stefan Guggenberger, Landessekretär des ÖGB OÖ bringt den Blickwinkel der Arbeitswelt ein. „Wenn man sich die Anzahl der Kollektivverträge vor Augen führt, die jährlich verhandelt werden, braucht es 365 Tage Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne. Dazu ist jede Arbeitnehmerin, jeder Arbeitnehmer wichtig. Schon als Betriebsrat ein Plakat im Betrieb dazu aufzuhängen, ist Widerstand.“ Und: Betrieblicher Widerstand ist per Gesetz durch das Betriebsrätegesetz definiert.

Sich Gehör verschaffen braucht Vernetzung und Organisierung

„Politischer Widerstand kann auch ganz bunt und unterschiedlich sein, von passivem bis zum aktiven Widerstand, von Sitzblockaden, zivilem Ungehorsam bis zur Spaßguerilla. Und es gibt etliche Entwicklungen in unserem Alltag, gegen die es notwendig ist, aufzubegehren und Widerstand zu leisten. Österreich hat durch den Nationalsozialismus eine besondere Widerstandsgeschichte. Dadurch wird jedes gegenwärtige Aufbegehren in Relation zu diesen vergangenen Widerstandsaktivitäten gegen das NS-Regime gesehen. Gerade in diesem historischen Kontext besteht die Gefahr, dass eine Banalisierung des Widerstandsbegriffes stattfindet, indem Menschen, die in unserm demokratischen System ihr Demonstrationsrecht unbehelligt ausüben, sich mit Sophie Scholl vergleichen, während in der Zeit der NS-Herrschaft Menschen für das Erzählen von Flüsterwitzen in den Lagern der Nazis für immer verschwanden.“

Darauf verweist Alexander Schinko von der Initiative „Wider das Vergessen“. Sich Gehör verschaffen braucht vernetzen und sich organisieren, wichtig dabei ist Widerstandsgeist und Begeisterungsfähigkeit. Und Bilder einer anderen Welt, wo alle gemeinsam ein gutes Leben führen können.


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