Diskussion um Schweinehaltung: Bauern wollen mehr Tierwohl, brauchen dafür aber Unterstützung von Konsumenten und Handel

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Marlis Schlatte Tips Redaktion Marlis Schlatte, 24.06.2022 13:00 Uhr

ANSFELDEN. Ob Schweine auf Spaltenböden, mit oder ohne Einstreu gehalten werden sollen und wieviel Platz zur Verfügung stehen muss, darüber wird gerade viel diskutiert. Dabei werden Bauern oft in ein schlechtes Licht gerückt und als Tierquäler bezeichnet - im Supermarkt besteht jedoch nach wie vor große Nachfrage für Fleisch. Darüber spricht nun die Landwirtschftskammer OÖ gemeinsam mit Bauer Johannes Langmayr aus Haid und auch, wie die Haltung künftig für Konsumenten gekennzeichnet werden soll.

„Die kritische öffentliche Diskussion darüber belastet die Stimmung unserer Schweinebauern, weil sie sich 365 Tage im Jahr um ihre Tiere kümmern und nicht als Tierquäler gesehen werden wollen. Viele Landwirte sind durchaus bereit, Umstellungen in Richtung von Haltungssystemen mit Stroh-Einstreu, mehr Platzangebot und teils auch mit Auslauf ins Freie vorzunehmen, aber diese Umstellung braucht Zeit und sie ist auch mit beträchtlichen Kosten verbunden. Die Ställe müssen umgebaut, teils auch vergrößert werden. Das bedeutet auch insgesamt mehr Arbeitsaufwand für die Betreuung der Tiere. Daher kann es Schweinefleisch aus Tierwohlställen nicht zum gleichen Preis geben wie aus konventionellen Ställen“, eröffnet Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.

Glückliches Schweinderl, billiges Fleisch

Alles, was eine Steigerung beim Tierwohl bedeutet, bedeutet eben auch eine Preissteigerung beim Endprodukt. Jedoch ist es zunächst auch notwendig, dass der Handel mitzieht. Es braucht die Bereitschaft des Handels, Schweinefleisch aus besonders tierfreundlicher Haltung auch entsprechend zu bewerben und dem Konsumenten in allen Filialen anzubieten. Dabei muss auch eine ehrliche Kommunikation zum Konsumenten stattfinden - nicht das fälschliche Bild eines freilaufenden, glücklichen Ferkels auf einer Blumenwiese gezeigt und gleichzeitig Fleisch zum billigsten Preis im Kühlregal angeboten werden. „Je höher das Tierwohl und damit die Kosten, desto höher muss auch der Mehrerlös sein“, fordert Waldenberger.„Ich habe 2007 einen Außenklimastall gebaut, weil ich mich von der konventionellen Haltung abheben wollte. Darüber hinaus wollte ich ein zukunftssicheres System, das von der Gesellschaft akzeptiert wird. In meinem luftigen Stall fühlen sich nicht nur meine Schweine wohl, sondern auch ich selber““, so Hannes Langmayr, Schweinebauer aus Haid, der 700 Mastplätze in seinem Schweinestall hat.

Neue Kennzeichnung der Haltung

„Neben der wirtschaftlichen Misere, die sich abzeichnet, sind es die politischen Rahmenbedingungen, die zu umfangreicher Stilllegung der Produktion führen werden. Vollspalten-Verbot und Ringelschwanz-Gebot sind die markantesten Schlagworte, die den heimischen Schweinebauern Sorgen bereiten. Internationale Mitbewerber am Binnenmarkt reiben sich schon die Hände, wenn bei uns Schweinebauern das Handtuch werfen“, erläutert Johann Schlederer, Geschäftsführer des Verbandes landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten OÖ (VLV). Der Verband Österreichischer Schweinebauern entwickelte nun gemeinsam mit der AMA einen Masterplan Schweinehaltung. Damit wird eine Kategorisierung der verschiedenen Haltungsformen vorgenommen. Es gibt also nun beim AMA Gütesiegel drei Ebenen: AMA Gütesiegel-Basis und die beiden Tierwohlmodule Tierwohl 60 und Tierwohl 100. Diese Dreiteilung ist genau definiert und transparent unterscheidbar. Darüber gibt es noch Bio-Haltung, darunter konventionelle Schweinehaltung auf gesetzlichem Niveau. Hannes Langmayr führt einen TW 60 Betrieb, was bedeutet, dass die Tiere 60 Prozent mehr Platz als beim gesetzlichen Standard haben.„Für mich ist dieses Konzept der Einstieg in die Haltungskennzeichnung in Österreich. Die demnächst startende Info-Kampagne der AMA-Marketing soll Klarheit in der Bevölkerung schaffen, und speziell den kritischen Verbrauchern einen sicheren Wegweiser zum gezielten Tierwohl-Einkauf schaffen“, so Schlederer abschließend.

Gesetzlicher Zwang wäre Todesstoß

Das von manchen Tierschutz-NGOs geforderte Verbot bisheriger Haltungssysteme lehnt die Landwirtschaftskammer strikt ab. Österreich ist in einem gemeinsamen Markt mit 26 anderen EU-Staaten, in denen ein gesetzlicher Zwang zu Strohhaltungssystemen absolut kein Thema ist. „Käme ein solcher Zwang ausschließlich in Österreich, würden wir mit billigerem, importiertem Fleisch aus konventionellen Haltungsformen überflutet, insbesondere im Bereich der Fleischwarenindustrie. Das wäre der Todesstoß für die österreichische Schweinehaltung, und das kann nicht im Interesse der Konsumenten sein“, Waldenberger. „Die Schweinebauern sind beriet zur Weiterentwicklung, aber nicht durch zwanghafte und marktbenachteiligende Verpflichtungen. Ein Verbot der Vollspaltenböden im Stall kann nur mit einem Verbot von Fleisch aus dieser Haltungsform im Regal Hand in Hand gehen. Letztendlich entscheiden die Markt- und Absatzmöglichkeiten über den weiteren Ausbau von Tierwohlprogrammen“, ist Waldenberger überzeugt.

Tierwohl-Ranking: Österreich und Schweden weltweit Spitze

Die Tierschutzorganisation World Animal Protection hat zuletzt 2020 in einem Ranking den Tierschutz und das Tierwohl in 50 Staaten bewertet. Die Tierschutzorganisation World Animal Protection hat das Tierschutzniveau in einem neuen, siebenstufigen Ranking unter die Lupe genommen. Demnach seien Schweden und Österreich weltweit führend, was die Umsetzung von Tierschutz und Tierwohl angeht. Insgesamt wurden beide EU-Länder mit einem „B“ bewertet. Dies bedeutet, dass ein Staat ein sehr hohes Niveau beim Tierschutz aufweist, aber noch Verbesserungspotential in Teilbereichen besteht. Die Gesamtwertung „B“ erreichten in der Rangliste von World Animal Protection weltweit nur noch Dänemark, die Niederlande, Großbritannien und die Schweiz. Das „Schweinebauern-Bashing“, wie es Schlederer bezeichnet, wollen die Schweinebauern auch laut ihm so nicht hinnehmen. „Wenn wir die Schweinebauern verjagen in den nächsten Jahren, dann kommen keine mehr nach. Das muss uns bewusst sein“, so Schlederer.

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