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NEUHOFEN/WELS/SCHWERTBERG/FRAHAM. Sonnenblumenöl findet in vielen Haushalten Verwendung, aber die übrigbleibenden Presskuchen landen oft im Viehfutter oder werden entsorgt. Ein neues Projekt im Lebensmittel-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria zeigt, dass in diesen Resten erhebliches Potenzial steckt.

Probanden sind nach ersten Tests mit der Qualität der Produkte sehr zufrieden. (Foto: Velvety Manufaktur GmbH)

Im Rahmen des Projekts SUN haben die Ölmühle Raab aus Fraham, die Bäckerei Thurner aus Schwertberg, der Naturkosmetikhersteller Velvety Manufaktur aus Neuhofen und die FH OÖ F&E GmbH in Wels seit 2021 gemeinsam an der Weiterverarbeitung von Sonnenblumenpresskuchen gearbeitet. Ihr Ziel war es, hochwertige Proteine zu gewinnen und für Lebensmittel sowie Kosmetikprodukte zu nutzen.

Das Ergebnis dieser Kooperation kann sich sehen lassen: Velvety Manufaktur plant, eine eigene Naturkosmetikproduktlinie auf den Markt zu bringen, die auf den gewonnenen Sonnenblumenproteinen basiert. „Die Eigenschaften der Ölpressreste werden von vielen Konsumenten geschätzt: glutenfrei, vegan, verbesserte Lagerfähigkeit, natürliche Emulgatoren, antioxidative Eigenschaften, allergenfrei“, betont Thomas Raab, der Besitzer der Ölmühle Raab.

Komplexer Produktionsprozess

Die Gewinnung der Proteine aus dem Sonnenblumenpresskuchen ist ein aufwendiger Prozess. Bettina Zieher, Professorin für Lebensmitteltechnologie an der FH Wels, erläutert: „Es kommt eine Kombination aus Feststofffermentation und Membrantrenntechnik zum Einsatz. Bei der Fermentation werden funktionelle Proteine durch die Stoffwechselprozesse der eingesetzten Mikroorganismen umgewandelt und mittels Membrantrenntechnik angereichert.“ Am Ende dieses Prozesses steht ein Proteinpulver, das weiterverarbeitet werden kann.

Der nächste Schritt ist nun die wettbewerbsfähige Produktion im industriellen Maßstab, an der Velvety Manufaktur gemeinsam mit der FH Wels arbeitet.

Naturkosmetik von Kopf bis Fuß

Das Forschungsprojekt und die Masterarbeit eines Studenten an der FH haben bereits erste positive Ergebnisse hervorgebracht. Tester berichteten, dass sich die Haut nach der Anwendung von Peelingseifen straff und glatt anfühle. Michaela Schatzer, Leiterin der Produktentwicklung bei Velvety, zeigt sich zufrieden: „Daher arbeiten wir derzeit am Konzept einer Produktlinie von Kopf bis Fuß. Um die höheren Herstellkosten zu rechtfertigen, planen wir eine Naturkosmetiklinie.“

Angedacht sind unter anderem Gesichtsreinigungsprodukte und Badekugeln mit hautstraffender Wirkung und Feuchtigkeitszufuhr. Diese Produkte sollen zu einem vernünftigen und kostendeckenden Preis auch in Drogeriemärkten angeboten werden.

Lorena Dorninger, Projektmanagerin im Lebensmittel-Cluster, betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Das Projekt SUN beweist, dass aus einer Idee in Kooperation mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Innovation entsteht. Und dass Kreislaufwirtschaft in der Lebensmittelindustrie möglich ist.“

Innovation durch Kooperation

Das Projekt SUN, koordiniert von der FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH in Wels, zeigt, wie Forschung erfolgreich in die Wirtschaft transferiert werden kann. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln der oberösterreichischen Wirtschafts- und Forschungsstrategie #upperVISION2030 vom Land Oberösterreich.


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