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Inklusion am ersten Arbeitsmarkt: Firmen aus Traun und Pasching gehen mit positivem Beispiel voran

Melissa Untersmayr, 30.09.2024 15:56

TRAUN/PASCHING. „Es sollten die Fähigkeiten von Menschen in den Vordergrund gestellt werden und nicht, was jemand nicht kann“, betont Brigitte Deu vom Sozialministeriumservice OÖ. Zwei Firmen aus dem Bezirk Linz-Land gehen hier mit gutem Beispiel voran. Sie nutzten das Job-Matching-Format „Schnuppern Inklusiv“ bei der Besetzung freier Posten und geben Menschen mit Behinderung so eine echte Chance am ersten Arbeitsmarkt.

Von links: Jürgen Kapeller, Maria Pichlbauer, Daniel Höller, Doris Hummer, Christine Wagner, Brigitte Deu und Maximilian Gradl (Foto: Cityfoto/Roland Pelzl)

Etwa ein Drittel aller Arbeitssuchenden in Oberösterreich ist laut der WKO aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt vermittelbar (Stand: April 2024). Gleichzeitig sucht die regionale Wirtschaft händeringend nach qualifizierten Arbeitskräften. „Der Hauptgrund ist die lange prognostizierte demografische Entwicklung. 100 Pensionierungen stehen lediglich 65 neue Arbeitskräfte gegenüber“, so Doris Hummer, Präsidentin der WKOÖ.

So wird es für heimische Unternehmen zunehmend attraktiv, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Im Rahmen der heurigen „OÖ Job Week“ gab man Jugendlichen sowie Erwachsenen, die Unterstützung benötigen, nun zum zweiten Mal die Chance, sich mit Betrieben zu vernetzen. „In zahlreichen Fällen sind bereits vor Ort Arbeitserprobungen vereinbart worden“, so Jürgen Kapeller, Obmann der WKO im Bezirk Linz-Land.

Familienbetrieb Wagner Stahl bemüht sich um Inklusion

Die Initiative „Schnuppern Inklusive“ ist eine Kooperation der Wirtschaftskammer mit dem Betriebsservice NEBA (Netzwerk Betriebliche Assistenz). Über 130 Menschen mit Unterstützungsbedarf nutzten das Format in diesem Jahr, um bei diversen Firmen hinter die Kulissen zu blicken und sich als potenzielle Arbeitnehmer vorzustellen. Laut Brigitte Deu vom Sozialministeriumsservice (Landesstellenleitern OÖ) sind solch konkrete Angebote wichtig, um Barrieren in den Köpfen von Unternehmern abzubauen.

Christine Wagner, Geschäftsführerin der Alfred Wagner Stahl-Technik und Zuschnitt GmbH, kam durch „Schnuppern Inklusive“ mit zwei Jugendlichen auf Lehrstellensuche in Kontakt. Das Familienunternehmen aus Pasching will in Zukunft noch mehr auf integrative Beschäftigung setzen.

Derzeit gibt es bereits eine Zusammenarbeit mit Exit Sozial und Caritas Invita: „Dabei können Menschen, die bisher arbeitsmarktfern beschäftigt waren, in einem gewissen Maß im Betrieb mitarbeiten“, so Wagner. Hier komme kein Dienstverhältnis zustande, die Leistungen werden über die Sozialträger abgerechnet.

Außerdem wurde mithilfe von NEBA eine Stelle für „Unterstützende Hausmeistertätigkeiten“ geschaffen. Wagner erzählt darüber: „Ein Bewerber mit körperlicher und psychischer Behinderung begann 2023 geringfügig und ist nun in einem vollversicherten Dienstverhältnis im Umfang von 20 Wochenstunden, das im Juni startete.“

Menschen mit Behinderung müssen ausreichend verdienen

Das Trauner Unternehmen Pflaum & Söhne konnte – ebenfalls auf Initiative des Betriebsservice NEBA – eine offene Stelle in der Datenverarbeitung inklusiv besetzen. Der Mitarbeiter im Autismus-Spektrum sei aktuell für wenige Stunden angestellt. Maria Pichelbauer, HR-Leiterin bei Pflaum & Söhne, ist selbst im Autismus-Spektrum. Als Betroffene setzt sie sich für die Schaffung einer Vollzeitposition anstatt der geringfügigen Beschäftigung ein.

„Ein wichtiger vorausschauender Schritt, da auch für Menschen mit Behinderung ein ausreichendes Einkommen notwendig ist. Manche Matches können bedauerlicherweise nicht realisiert werden, weil die Bewerber mit Teilzeitangeboten ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren können“, spricht Daniel Höller, CEO bei Pflaum & Söhne, eine derzeitige Problematik bei inklusiven Beschäftigungsverhältnissen an.

Um genau dem entgegenzuwirken, fordert die Caritas seit geraumer Zeit einen Einkommenszuschuss für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nur einer Teilzeitarbeit nachgehen können. Auch die Nachteile, die Menschen durch behinderungsbedingte Teilzeitbeschäftigung in der Pension entstehen, müssen laut Caritas von der Politik ausgeglichen werden.


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