Von Neuhofen in die Welt: Edlmair liefert für nachhaltige Stahl- und Ablufttechnologien
NEUHOFEN. Mit einem Großauftrag für das erste CO₂-neutrale Stahlwerk der Welt in Boden (Schweden) setzt die Edlmair GmbH ein beeindruckendes Zeichen für nachhaltige Innovation. Das familiengeführte Kunststofftechnik-Unternehmen aus Neuhofen liefert Komponenten für die Regenerationsanlage der Salzsäure, die in der Stahlproduktion benötigt wird. Dieses Prestigeprojekt unterstreicht auch die hohe Kompetenz und Innovationskraft, die im Bezirk Linz-Land beheimatet ist.

Was macht Kunststoff so essenziell in der Industrie? „Stahl hat in bestimmten Umgebungen nur eine begrenzte Haltbarkeit, weil er zu schnell korrodiert. Hier kommt Kunststoff ins Spiel, der extrem widerstandsfähig und langlebig ist“, erklärt Michael Edlmair, der das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Karl führt.
Für die Salzsäure-Regeneration im Stahlwerk in Schweden fertigt Edlmair präzise Kunststoff-Komponenten aus Polypropylen, einem widerstandsfähigen und vielseitigen Material. Die Anlage dient dazu, wertvolle Salzsäure, die in der Stahlproduktion genutzt wird, wiederaufzubereiten und so einen geschlossenen Kreislauf zu schaffen. „Nachhaltigkeit steht hier im Vordergrund – durch unsere Technologie werden nicht nur Ressourcen geschont, sondern auch die Umwelt entlastet“, betont Michael Edlmair.
Höchststand an internationalen Großaufträgen
Das Projekt in Schweden ist jedoch nur eines von vielen, die derzeit in der Pipeline des Unternehmens stehen. Edlmair verzeichnet einen Höchststand an internationalen Großaufträgen. Derzeit arbeitet das Team an Abluftfilteranlagen zur Rückgewinnung von Schwefelsäure. In Frankreich wird eine bestehende Anlage nach 20 Jahren Betriebszeit erneuert – eine bemerkenswerte Langlebigkeit, die selbst die Ingenieure überrascht hat.
Die neue Anlage in Frankreich wird pro Stunde bis zu 25.000 Kubikmeter Abluft reinigen und dabei über 99,9 Prozent der Schwefelsäure in Aerosolform zurückgewinnen. Diese beeindruckenden Werte werden durch innovative Technologien und hochwertige Kunststoff-Komponenten aus Neuhofen erreicht. „Die Langlebigkeit und Effizienz unserer Produkte sind entscheidend für den Erfolg solcher Anlagen“, so Edlmair.
In einem anderen Projekt im Westen Europas wird derzeit an einer Abluftfilteranlage gearbeitet, die sogar 300.000 Kubikmeter Luft pro Stunde reinigen kann – das entspricht der zwölffachen Leistung der Anlage in Frankreich.
Regionale Verwurzelung mit globalem Fokus
Trotz der internationalen Reichweite bleibt die Edlmair GmbH ihrer Heimat im Bezirk Linz-Land treu. Die benötigten Rohstoffe – etwa Polypropylen-Platten, Rohre und Schweißdrähte – stammen aus der nur 15 Kilometer entfernten AGRU in Bad Hall. In der hauseigenen Produktionsstätte in Neuhofen werden diese Materialien dann geschnitten, gefräst, gebohrt und geschweißt.
Die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern zeigt, wie stark die Innovationskraft der Region Linz-Land ist. „Wir setzen auf Qualität aus Oberösterreich, und diese Partnerschaften stärken nicht nur uns, sondern auch den gesamten Wirtschaftsstandort“, betont Edlmair.
Projekte für die heimische Industrie
Auch in Österreich ist Edlmair gefragt. Für die voestalpine AG in Linz hat das Unternehmen Spezialdeckel für ein 100 Meter langes Beizbecken aus Polypropylen gefertigt, das in der Produktion von kaltgewalzten Stahlcoils genutzt wird. Die Abluftwäscher der Salzsäure-Regeneration wurden ebenfalls vollständig von Edlmair gefertigt. Aufgrund ihrer Größe – die Wäscher erstrecken sich über mehrere Stockwerke – wurde für die Fertigung eine eigene Halle errichtet.
Der Einsatz von Kunststoff sei auch hier alternativlos. „Stahl würde viel zu schnell korrodieren. Um das zu verhindern, könnte man zwar auch eine Gummierung als Schutz aufbringen. Die Komponenten wären dann allerdings um bis zu achtmal schwerer und außerdem weniger langlebig“, erklärt Michael Edlmair.
Keine Konjunkturdelle spürbar
Während viele Unternehmen unter der aktuellen Konjunkturschwäche leiden, spürt die Edlmair GmbH davon nichts. Mit einem breiten Portfolio, das von Anlagenbau über Rohrleitungs- und Behälterbau bis hin zu Sonderanfertigungen reicht, ist das Unternehmen in zahlreichen Branchen aktiv – darunter Kommunen, Kraftwerke und Schwimmbäder.
„Unsere Vielseitigkeit und die Spezialisierung auf hochwertige Kunststofflösungen sichern uns auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten volle Auftragsbücher“, erklärt der Firmenchef. Mit einem 13-köpfigen Team, das bei Auftragsspitzen durch Leasingpersonal verstärkt wird, konnte das Unternehmen 2024 einen Umsatz von zwei Millionen Euro erzielen.
Kunststoff als Zukunftswerkstoff
Die Innovationskraft und globale Nachfrage nach den Produkten der Edlmair GmbH zeigen, dass Kunststoff ein Werkstoff mit Zukunft ist. Die Projekte in Schweden, Frankreich und anderen Ländern verdeutlichen, wie unverzichtbar Kunststoff in der modernen Industrie ist – sei es für Umweltschutz, Ressourcenschonung oder Nachhaltigkeit.
Für Erika Lottmann, Vorsitzende der WKO-Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter Oberösterreich, unterstreichen die Prestigeaufträge für Edlmair die Bandbreite und Leistungsfähigkeit der Branche. „Die Kompetenz unserer Mitgliedsbetriebe reicht von der Produktion von Sportartikeln, Auto- und Flugzeugteilen bis hin zu Produkten der Medizintechnik. Wir erzeugen weltweit gefragte Hightech-Produkte und kümmern uns auch um die Frage des Recyclings und der Nachhaltigkeit von Kunststoffprodukten. Entsprechend groß sind auch die Karrierechancen“, wirbt Lottmann deshalb um Nachwuchs für die Branche.


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