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Spatenstich für Google-Rechenzentrum: Großprojekt mit regionalem Anspruch

David Ramaseder, 23.04.2026 13:50

KRONSTORF. In Kronstorf startet Google sein erstes Rechenzentrum in Österreich. Das Projekt bringt Jobs, Infrastruktur und neue Fragen zur Zukunft von Energie, Umwelt und Zusammenarbeit vor Ort.

  1 / 2   Ein „Googlhupf“ für die Chefin von Google Österreich & Schweiz – v.l.: Christoph Lichtenauer, Bürgermeister Hargelsberg, Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner, Christine Antlanger-Winter, Country Director Google Österreich & Schweiz, Landeshauptmann Thomas Stelzer und Christian Kolarik, Bürgermeister Kronstorf. (Foto: Land OÖ/Max Mayrhofer)

Mit dem Spatenstich in Kronstorf beginnt für Google ein Projekt, das lange vorbereitet wurde. „Große Infrastrukturprojekte brauchen langfristige und verantwortungsbewusste Planung“, sagte Google-Managerin Christine Antlanger-Winter. Dass es nun losgeht, sei auch persönlich besonders: Als Oberösterreicherin freue sie sich, „in meiner Heimat den Startschuss zu geben“.

Ab 2027 soll das Rechenzentrum in Betrieb gehen. Rund 100 direkte Arbeitsplätze am Standort sind geplant, dazu kommen laut Unternehmen tausende Jobs entlang der Wertschöpfungskette – von Bau über Zulieferer bis zu Dienstleistungen. Schon jetzt arbeite man mit etwa 15 regionalen Unternehmen zusammen, „und das ist erst der Anfang“.

Mehr als Server: Infrastruktur für den Alltag

Google versteht das Projekt bewusst nicht nur als technischen Bau. „Wir bauen hier nicht nur eine Halle für Server, sondern das Rückgrat für digitale Dienste“, so Antlanger-Winter. Anwendungen wie Navigation, Cloud-Dienste oder KI-gestützte Systeme seien längst Teil des Alltags – und brauchen entsprechende Infrastruktur.

Auch Landeshauptmann Thomas Stelzer ordnet das Projekt in einen größeren Zusammenhang ein. Gerade für einen Industriestandort wie Oberösterreich sei Digitalisierung entscheidend: „Wir können unsere Wertschöpfung nur halten, wenn wir die Verknüpfung mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz schneller schaffen als andere.“ Die Investition komme daher „genau zur richtigen Zeit“ – auch als Signal in wirtschaftlich angespannten Phasen.

Daten, Tempo und neue Ansiedlungen

Für Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner geht es vor allem um strategische Vorteile: „Daten sind das neue Gold.“ Ein Rechenzentrum vor Ort bedeute schnellere Prozesse, mehr Datensouveränität und bessere Bedingungen für Forschung und Unternehmen. Universitäten und Betriebe könnten ihre KI-Modelle direkt in der Region entwickeln und betreiben.

Zugleich sieht das Land eine mögliche Sogwirkung: Wo Infrastruktur vorhanden ist, siedeln sich weitere Unternehmen an – etwa im Bereich IT-Security oder Cloud-Management.

Energiebedarf und ökologische Maßnahmen

Mit dem Projekt verbunden ist auch ein hoher Energiebedarf. Die Anlage ist auf eine maximale Leistung von 150 Megawatt ausgelegt. Google betont, man habe die Versorgung intensiv mit Netzbetreibern abgestimmt. Ziel sei es, langfristig auch in Kronstorf rund um die Uhr mit CO₂-freier Energie zu arbeiten.

Gleichzeitig versucht das Unternehmen, ökologische Maßnahmen sichtbar zu machen. Das Gebäude erhält ein begrüntes Dach - als weltweit erstes Rechenzentrum des Tech-Giganten - sowie eine Photovoltaikanlage. Die Abwärme des Rechenzentrums soll künftig genutzt werden können – kostenlos für geeignete Abnehmer, sobald entsprechende Partnerschaften entstehen.

Ein weiterer Fokus liegt auf Wasser und Natur. Google nutzt für die Kühlung aufbereitetes Wasser aus der Enns, das „sauber und streng kontrolliert“ wieder zurückgeführt wird. Zusätzlich wurde bereits vor Jahren ein „Google-Wald“ mit mehr als 13.000 Bäumen angelegt. Ziel sei es, die Biodiversität zu stärken.

Auch über das Gelände hinaus sind Maßnahmen geplant: Gemeinsam mit dem Fischereiverband soll das Gewässerökosystem der Enns verbessert werden. Dafür wird ein eigener Fonds eingerichtet.

Zusammenarbeit als Voraussetzung

In den Gemeinden Kronstorf und Hargelsberg wurde das Projekt über Jahre hinweg entwickelt – mit klaren Erwartungen. „Wir wollten keinen Betrieb, der sich abschottet, sondern einen Partner“, betonte Hargelsbergs Bürgermeister Christoph Lichtenauer. Google habe früh signalisiert, sich in die Region einbringen zu wollen – etwa über ein geplantes Community-Zentrum oder Kooperationen mit Vereinen und Einsatzorganisationen.

Viele Ideen seien dabei gemeinsam entstanden. So geht etwa das begrünte Dach laut Lichtenauer auch auf Impulse aus der Region zurück. „Es war ein Miteinander – ein oberösterreichischer Weg“, sagte er.

18 Jahre bis zum Spatenstich

Kronstorfs Bürgermeister Christian Kolarik erinnerte an die lange Vorgeschichte. Bereits 2007 habe es erste Kontakte gegeben – damals noch anonym. „Heute, 18 Jahre später, können wir sagen: Der digitale Fernversorger wird zum digitalen Nahversorger.“

Entscheidend sei die konsequente Zusammenarbeit gewesen: zwischen Gemeinden, Land und Unternehmen. Alle wesentlichen Beschlüsse seien einstimmig gefallen. „Der Erfolg liegt nicht im Ich, sondern im Wir“, so Kolarik. Gleichzeitig habe man darauf geachtet, langfristigen Einfluss zu sichern und ökologische sowie regionale Interessen einzubringen.

Mit dem Baustart wird Kronstorf nun tatsächlich Teil der globalen digitalen Infrastruktur. Für die Region bedeutet das neue Chancen – und die Aufgabe, wirtschaftliche Entwicklung, Energiebedarf und Umweltansprüche dauerhaft in Einklang zu bringen.


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