Red Sapata feiert 10 Jahre: "Ein Baby wird groß"
Red Sapata feiert am 22. März sein zehntes Jubiläum mit einem spannenden Programm bei den TanzTagen im Posthof. „Wo ist die Zeit gelieben?“, fragt sich auch Initiatorin Ilona Roth, die mit der Idee, Proberäume für Tanzkunstschaffende in der Tabakfabrik kostenfrei anzubieten, voll ins Schwarze traf. Heute wird zusätzlich ein umfassendes Workshopprogramm geboten und eigene Tanzproduktionen entstehen.

Tips: Zehn Jahre Red Sapata – eine lange Zeit! Wie habt ihr begonnen?
Ilona Roth: Ich kann gar nicht glauben, dass es nun zehn Jahre sind und wir es so lange ausgehalten haben. Ein Baby, das groß wird (lacht). Die Idee war, Proberäume für professionelle Tanzkunstschaffende, die kostenfrei genutzt werden können, zu errichten. Dazu haben wir eine zweite Säule aufgebaut, um die Sichtbarkeit des zeitgenössischen Tanzes zu erhöhen und das Publikum aufzubauen, also quasi Bewusstseinsarbeit.
Tips: Ihr seid also auch Produktionsstätte?
Ilona Roth: Einerseits sind wir Produktionsstätte, das passiert hinter dem Vorhang – und eine Plattform für Kurse und Workshops, die sich an alle wenden. Das bewusst vor dem Vorhang. Daher werden wir oft fälschlicherweise als Tanzschule oder Tanzensemble gesehen, aber wir agieren bewusst als Plattform und dadurch auch Vernetzungsstelle. Professionelle, lokale und internationale Choreografen realisieren hier ihre Produktionen, die dann auch auf diversen Bühnen, Festivals und Events zu sehen sind. So gibt es ca. 30 bis 50 Produktionen jährlich, die hier realisiert werden. Verantwortlich dafür sind die jeweiligen Künstler. Wir stellen Ressourcen, Raum und Know-how zur Verfügung. Dieser Teil ist nicht so sichtbar, da er sich nicht unmittelbar der Öffentlichkeit widmet.
Tips: Ihr bietet aber auch Bildungsprogramme an?
Ilona Roth: Diverse Kursleiter nutzen unseren Raum abends, um Kurse und Workshops anzubieten, wir sammeln diese Angebote in einem gemeinsamen Programm und kommunizieren das nach außen. Voraussetzung für die Raumnutzung ist jeweils der professionelle Hintergrund der Künstler und Kursleiter. Durch die Überschneidung passiert es immer wieder, dass Kursteilnehmer entweder zu Publikum oder sogar Teilnehmern an den künstlerischen Projekten werden. Die Vernetzung und Vermischung der Zielgruppe in der Praxis läuft ganz gut und dadurch steigern wir auch das Bewusstsein für die zeitgenössische Tanzkunst mit all ihren Methoden und all ihrer Vielfalt.
Tips: Ihr habt euch über die Jahre bestimmt selbst weiterentwickelt...
Ilona Roth: Mittlerweile sind wir Profis im Vermitteln und Einteilen von Ressourcen, Räumen und Kontakten geworden. Da bin ich sehr stolz drauf. Vor allem meine Kollegin Ulrike Hager hat vieles dazu beigetragen. Uns freut es sehr, wie die Künstler von unserer Arbeit profitieren und welche Früchte dann ihre Arbeit trägt.
Tips: Finanziell ist es ja nicht immer einfach in der freien Szene, was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Ilona Roth: Für die Zukunft wünschen wir uns eine fixe Verortung und mehr finanzielle Sicherheit. Das sind gleichzeitig auch die Herausforderungen, neben der Tatsache, dass unsere personellen Ressourcen sehr erschöpft sind. Es liegt noch einiges in den Startlöchern und es gibt auch viel mehr Interesse am öffentlich zugänglichen Programm, da müssten wir eigentlich mehr Personal für strategische und administrative Arbeit einsetzen, aber das ist auf Grund des engen finanziellen Rahmens leider gerade unmöglich. Schwer wird es vor allem durch die aktuellen Kürzungen der Fördergelder seitens des Landes OÖ bzw. der sehr späten Förderauszahlungen. Wir möchten gerne angemessen auf das Interesse an unserem Raum und unseren Angeboten reagieren, das ist gerade eine der größten Herausforderungen. Wir hoffen, dass wir hier bald ein paar gute Lösungen finden.
Tips: Trotzdem gilt es, ein rundes Jubiläum zu feiern, was steht auf dem Programm?
Ilona Roth: Im Posthof am 22. März werden vier besondere Tanzproduktionen von Künstlern aus unserem Netzwerk zu sehen sein. Dabei werden sich verschiedene Zugänge zur Tanzkunst die Bühne teilen. Es tanzen Künstler aus der ganzen Welt mit, entweder frisch zugezogene, einheimische oder extra eingereiste (lächelt). Das Tanzstück „5ive“ beinhaltet Live-Musik und arbeitet auch mit einigen Laien. Es wird ein besonderes Erlebnis sein, da hier sehr viele Protagonisten auf der Bühne stehen und die Szenen sehr vielseitig sind. Jung In Lee ist eine sehr schnell aufstrebende Choreografin aus Korea, die auch einen Beitrag mit mehreren Tänzern präsentiert. Sie reist durch die ganze Welt mit ihrer Arbeit und war zuletzt auch beim tanzhafenfestival mit einer anderen Arbeit zu sehen. ATOM Theatre sind Kooperationspartner aus Bulgarien, die anreisen, um ein Duett mit mehreren Tänzern für diesen Abend neu anzupassen. Und zuletzt werden Natascha Wöss und Monika Huemer aus der lokalen Tanzszene mit einer Duo-Arbeit zu sehen sein, die ihre speziellen Herkünfte zu einer verschmelzen lässt.


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