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LINZ. Mit „Da Billie Jean is net mei Bua“ hat sich Stefan Leonhardsberger mit seinem Gitarre spielenden Partner Martin Schmid einen Fixplatz auf den Kabarettbühnen in Österreich und Bayern erspielt. Der gebürtige Mühlviertler sprach mit Tips über das neue Programm: „Stefan Leonhardsberger und die Pompfüneberer.

  1 / 4   MIt den Pompfüneberern schlägt Stefan Leonhardsberger (Mi.) ein neues musikalisches Kapitel auf. Foto: Alex Schuktuew

Tips: Um Unklarheiten gleich zu Beginn aus der Welt zu schaffen: Was genau bedeutet „Pompfüneberer“?

Stefan Leonhardsberger: Ich weiß, der Name sorgt für viel Irritation. Keiner weiß, was es heißt oder wie man es ausspricht. Hintergrund ist der, dass man mindestens ein Jahr vor Beginn der Tour den Veranstaltern Pressetexte und einen Namen für das Projekt liefern sollte. Damals hatten wir zwei, drei Lieder aufgenommen und wir sind draufgekommen, dass bei uns immer Leute sterben in den Liedern. Paul Klambauer hatte dann die Idee, das Programm Pompfüneberer zu nennen. In Wien heißen die Bestatter so. „funèbre“ ist ein französischer Ausdruck, der ein pompöses Begräbnis beschreibt, also die „schöne Leich“. An unserem Abend wird jetzt nicht nur gestorben. Ich finde den Namen einfach toll. Unser Ziel ist, dass wir in den nächsten 30 Jahren den Namen mit unserer eigenen Bedeutung befüllen. Man sollte sich dann nicht mehr Fragen, wer oder was sind die Pompfüneberer, sondern das ist dann eh schon klar. So wie bei Nick Cave and the Bad Seeds. (lacht)

Tips: Damit liegt die Latte aber nicht gerade niedrig.

Stefan Leonhardsberger: Ich finde, man muss groß denken, sonst passiert nichts. Man muss sich auch dem Scheitern stellen, sonst kann nichts wachsen.

Tips: Ist das neue Programm ein Kabarett oder ein Konzert?

Stefan Leonhardsberger: Das neue Programm is auf jeden Fall ein Konzert. Wir haben Lieder geschrieben, die hauen wir konzertant raus. Es ist ein klassisches Bandprojekt.

Tips: Wer ist neben dir und Martin Schmid noch dabei?

Stefan Leonhardsberger: Das sind drei Musiker aus Augsburg aus dem Bekanntenkreis von Martin. Mick Lopac, ein wunderbarer E-Gitarrist, Stefan Gollmitzer, ein Münchner Schlagzeuger, und Uli Fiedler am Bass aus Augsburg. Das Kernteam sind wieder Martin, Paul (Klambauer) und ich, daran hat sich seit Da Billie Jean is net mei Bua und Rauhnacht nichts verändert. Paul ist wieder für die Texte zuständig. Die Melodien haben Martin und ich erarbeitet.

Tips: In welches Genre fällt eure Musik?

Stefan Leonhardsberger: Wir bezeichnen das selbst als Austrofolk, also Folk-Music. Ich habe darüber recherchiert und drei Themen finden sich da immer wieder, nämlich die Liebe, den Tod und die Politik. Das trifft es auch bei uns ganz gut.

Tips: Politik?

Stefan Leonhardsberger: Wir schreiben jetzt keine Lieder über bestimmte Politiker. Es geht eher um den Zeitgeist. Ein Lied heißt zum Beispiel „Das Schweinegericht“. Darin wird die MeToo-Debatte provokant von einer anderen Seite thematisiert. Es ist auf jeden Fall nicht programmatisch, so dass alle Songs politisch wären. Es sind eben einfach Themen, die uns beschäftigen.

Tips: Wie kam es dazu, dass ihr einen Konzertabend gemacht habt?

Stefan Leonhardsberger: Wenn man Da Billie Jean ist net mei Bua in der Mitte sieht, ist Rauhnacht das eine Extrem und mit dem Konzertabend gehen wir in das andere Extrem. Rauhnacht war ja klassisches Theater und Kabarett, jetzt bewegen wir uns wieder in das andere musikalische Extrem mit der Band.

Tips: Wie waren die Reaktionen auf Rauhnacht, das ja nach Billie Jean ein sehr ernstes Stück ist?

Stefan Leonhardsberger: Uns war schon bewusst, dass wir damit ein paar Leute verschrecken. Wir sind ganz eigene Wege gegangen und sind unserer eigenen künstlerischen Intention gefolgt. Ich habe jetzt schon total Bock auf die zweite Rauhnacht-Saison im Herbst.

Tips: Mit den Pompfüneberern wird es nicht so ernst?

Stefan Leonhardsberger: Es darf natürlich auch gelacht werden an dem Abend. Es sind 17 Songs, ich freue mich auf jeden einzelnen. Es ist immer auch ein bissl ein Schmäh dabei.

Tips: Billie Jean spielt ihr ja am laufenden Band. Bleibt das so?

Stefan Leonhardsberger: Billie Jean läuft weiterhin, vor allem in den Monaten, in denen es wärmer ist. Das Bandprojekt ist ein Experiment. Wir wollen nicht so wie etwa Wanda durch die Decke zu gehen. Ich bin gespannt, wie die Leute reagieren. Ich freue mich schon richtig darauf.

Tips: Wie wird es sein für dich, mit den Pompfüneberern plötzlich zu fünft auf der Bühne zu stehen?

Stefan Leonhardsberger: Das wird eine völlig neue Erfahrung. Es macht viel Spaß, mit den Jungs. Ich selbst kenne sie ja nicht so gut wie Martin, aber es passt sehr gut, jetzt auch in den Proben schon.

Tips: Bringst du deine Programme – du spielst ja mit Austria 4+ insgesamt vier Programme parallel – nicht durcheinander?

Stefan Leonhardsberger: Nein gar nicht. Vor allem Austria 4+ spielen wir nur 10 mal im Jahr, das ist ein Liebhaberprojekt, das ist ganz gemütlich. Ich mag es grundsätzlich schon lieber, wenn ich Programme eher im Block spiele, aber ich brauche auch die Abwechslung. Nur Billie Jean zu spielen würde mich auf Dauer wahrscheinlich nerven. Wenn ich dann eine Zeit lang Rauhnacht spiele, habe ich wieder Lust, Billie Jean zu spielen.

Tips: Bist du derzeit auch noch an einem Theater?

Stefan Leonhardsberger: Das geht sich gerade gar nicht aus. Theater ist eine Zeitfress-Maschine. Während der Proben, die meistens sechs Wochen dauern, könnte ich meine Programme nicht spielen. Ich bin derzeit auch ganz zufrieden damit, dass wir uns so ausprobieren können und so frei arbeiten können. Ich habe keinen Intendanten, der mir sagt, was ich spielen muss.

Tips: Das ist ein riesiger Luxus, oder?

Stefan Leonhardsberger: Ja, das ist auf jeden Fall ein riesiger Luxus. Es läuft gut, wir riskieren aber auch. Mit einem Programm wie Rauhnacht fordern wir das Publikum. Wir wollen nicht immer nur das spielen, was das Publikum hören will, wir wollen überraschen. Das ist mir immer sehr wichtig. Das macht“s spannend.

Tips: Gibt es dich und Martin eigentlich nur im Doppelpack?

Stefan Leonhardsberger: Martin hat schon noch andere Projekte, zum Beispiel seine Band „Presley-Family“. Dort ist er mit 16 anderen Musikern auf der Bühne, die alle die unehelichen Kinder von Elvis Presley sind. Martin wird da richtig zum Showman. Leider spielen sie das Programm nicht in Österreich, aber ich will ihn eh schon lange überreden, nach Österreich zu kommen damit. Ich selbst bin nie ohne Martin und das kann auch gerne so bleiben. Im Herbst starte ich dann aber ein Projekt ohne ihn.

Tips: Ist das „Kaffee und Bier“?

Stefan Leonhardsberger: Ja, im Herbst startet die Lesung mit dem bayrischen Kabarettisten Stephan Zinner. Da werden wir Wiener Kaffeehausliteratur lesen. Schnitzler, Altmann, die Klassiker kommen da vor. Dazwischen singen wir. Über den Sommer werde ich mich darin einlesen. Das werden nur ein paar wenige Termine.

Tips: Du bist ja Familienvater. Wie funktioniert das Familienleben, wenn man so viel unterwegs ist wie du?

Stefan Leonhardsberger: Es ist nicht so schlimm, wie man glauben würde. Ich bin oft am Vormittag zu Hause und ich glaube, ich verbringe überdurchschnittlich viel Zeit mit meinem Kind – Janosch ist jetzt 19 Monate, Anfang Juni bekommen wir ein Mädchen. Als Freiberufler kann ich mir das auch gut einteilen. Ab Anfang Juni hab ich dann auch weniger Termine, erst Ende September geht es wieder richtig los. Janosch macht es uns bisher auch sehr einfach.

Tips: Fehlt dir Linz manchmal?

Stefan Leonhardsberger: Ich bin immer wieder gerne hier. Ich hatte wirklich eine super Studienzeit hier. Ich mag es auch gern überschaubar. Die kulturelle Szene ist sehr fein. Ich hoffe, die blaue Politik mischt nicht mehr allzu lang mit, was das anbelangt.

Tips: Hast du auch an der alten Bruckneruni studiert?

Stefan Leonhardsberger: Ja, das hatte auch einen Charme dort. Die Probenlokale verteilt über die Stadt, das war alle viel dreckiger. Die neue Bruckneruni ist natürlich super schön und toll, aber das Feeling ist ein ganz anderes dort. Man darf dort einfach auch nichts dreckig machen, haben mir Studenten erzählt. In meiner Studienzeit war das nicht so streng, weil sowieso schon alles dreckig war. Punk statt Sterilität. Wir waren da bestimmt auch viel freier als es die Studenten jetzt sind. Das Probenlokal macht sicher etwas aus mit einem.

Tips: Hast du noch viel Kontakt zu Lehrern in Linz? Gibt“s Pläne für Stücke in Linz?

Stefan Leonhardsberger: Ja, besonders zu Peter Wittenberg, bei dem ich ja auch den Talisman gespielt habe. Wir wollen auch schon die längste Zeit etwas miteinander machen, aber es ist terminlich schwierig, aber das planen wir auf jeden Fall. Jetzt surfen wir auf jeden Fall mal auf dieser Welle weiter.

Tips: Ist Fernsehen noch ein Thema für dich?

Stefan Leonhardsberger: Ja, auf jeden Fall. Wir sind ja jetzt seit ein paar Wochen bei der Wiener Agentur Hoanzl, nachdem sie Rauhnacht in Wien gesehen haben. Das ist eine Riesenehre für uns. Mit der Agentur haben wir auch wirklich Strategiebesprechungen, das macht total Laune. Es ist auf jeden Fall Thema, dass ich wieder mehr zum Drehen komme. Es passiert Kultur-technisch alles in Wien, vor allem, was Film und Fernsehen abelangt. Man darf sich natürlich nicht zu viel erwarten, aber in den nächsten Jahren wird da sicher was passieren. Ich bin am Ende des Tages natürlich Schauspieler, das ist mein Beruf.


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