Prix Ars Electronica 2019: Die Goldenen Nicas gehen nach Kanada, die USA und Österreich

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 22.05.2019 15:11 Uhr

LINZ/ALTENBERG. Die Gewinner des Prix Ars Electronica 2019 stehen fest. Am heutigen Mittwoch, 22. Mai wurden sie offiziell im Ars Electronica Center präsentiert. Die Hauptpreise, die Goldenen Nicas, gehen an Künstler aus Kanada, den USA und auch Österreich. Auch Linzer Schüler und die erst neunjährige Mina Sophie Hackl aus Altenberg bei Linz finden sich unter den Preisträgern. Verliehen werden die Preise zur Eröffnung des diesjährigen Festivals, am 5. September.

Insgesamt 3256 Einreichungen aus 82 Ländern zählte der Prix Ars Electronica 2019. Erstmals ausgeschrieben wurde die Kategorie „Artificial Intelligence & Life Art“ – genau richtig gemacht: gleich auf Anhieb gab es in dieser Kategorie 840 Einreichungen. Neu eingeteilt wurde auch die Kategorie „u19 – Create your World“ für junge Nachwuchstalente: Der Fokus lag bei den „Young Creatives“ für alle zwischen 0 und 14 Jahren und bei den „Young Professionals“ für alle zwischen 14 und 19 Jahren. Insgesamt 708 Einreichungen gab es hier.

„Seismograph“ Ars Electronica

„Der Prix Ars Electronica ist der traditionsreichste und prestigeträchtigste Preis in diesem Bereich weltweit, das sieht man auch an der Zahl der Einreichungen“,  so Kulturstadträtin und Ars Electronica Beiratsvorsitzende Doris Lang-Mayerhofer. Ars Electronica zeige auch immer die Auswirkungen von neuen Entwicklungen auf die Menschen und die Gesellschaft, gerade die neue Prix-Kategorie „Artifical Intelligence & Life Art“ werde dem gerecht. „Ars Electronica ist ein Seismograph der hier in Linz steht und weltweit ausschlägt.“

Bipolare Störung: Kanadische Filmemacherin wirbt für Verständnis

In der Kategorie „Computer Animation“ (835 Einreichungen) wird das Projekt „Manic VR“ mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Künstlerin Kalina Bertin aus Kanada und ihr Team befassen sich in ihrem Virtual-Reality-Projekt mit bipolaren Störungen, einer psychischen Krankheit, die durch manische und depressive Stimmungszustände charakterisiert ist. Bertin hat die Erkrankung ihrer beiden Geschwister zum Anlass genommen. Mit Doku und VR-Projekt wird ein bedrückender Einblick in diese Lebenswelt aus verschiedenen Zuständen, Halluzinationen sowie schönen und beängstigenden Fantasien gegeben. Das Projekt soll helfen, mehr Verständnis für Menschen mit dieser Krankheit zu schaffen.

Awards of Distinction in dieser Kategorie gehen an die Animation „Strings“ von Ruini Shi (China), die sich damit poetisch und im Retro-Design mit der Einsamkeit in Zeiten digitaler Kommunikation auseinander setzt. Die zweite Auszeichung erhät Künstlerin Cindy Coutant. Die Französin ist hat mit „Undershoot: sensitive data, Cristiano“ eine Tamagotchi-ähnliche Installation entwickelt, bei dem Fußballstar Ronaldo im Mittelpunkt steht. Sie thematisiert damit das menschliche Bedürfnis, sich einer Person verbunden zu fühlen.

„Die Einreichungen spiegeln überzeugend das unheimliche Spektrum der digitalen Gestaltung wieder. Auffallend dieses Jahr ist die Zunahme an Virtual Reality-Arbeiten mit überzeugenden neuen Ansätzen“, freut sich Christine Schöpf, die Kuratorin des Prix Ars Electronica Animation Festivals.

Erstmals Nica für Solokünstler aus Österreich

In der Kategorie Digital Music (873 Einreichungen) darf sich der Wiener Peter Kutin über die Goldene Nica freuen. Er ist der erste Solokünstler aus Österreich in der Geschichte des Preises, der mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wird. Kutin wird für seine Klang-Skulptur „Torso #1“ ausgezeichnet, mit der er ein völlig unorthodoxes Hörerlebnis schafft.

„Lautloses“ Orchester

Eine Gegenüberstellung eines klassischen Orchesters und Künstlicher Intelligenz sind die beiden weiteren Preisträger dieser Kategorie. In „Muted Situation #22: Muted Tchaikovsky's 5th“ lud Samson Young (Hongkong) das Flora Sinfonie Orchester Köln ein, Tscheikowskys 5. Symphonie zu spielen, ohne aber dabei musikalische Laute zu erzeugen. So wird das hörbar, was sonst verborgen bleibt: der Atem der Musiker, das Umblättern der Seiten oder Klickgeräusche auf Tasteninstrumenten. „Es wird herausgestrichen, was das menschliche an einem Orchester ist“, so der Künstlerische Leiter der Ars Electronica Gerfried Stocker.

Ganz im Gegensatz dazu steht das ausgezeichnete Projekt „Voices from AI in Experimental Improvisation“ der Gruppe Tomomi Adachi, Andreas Dzialocha und Marcello Lussana. Es widmet sich dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Kontext experimenteller Musik und Improvistation. Die Intelligenz lernt aus Improvisation und interagiert mit einer menschlichen Stimme – es wird versucht, ein Duett entstehen zu lassen.

Wie riecht eigentlich Arbeit?

„Wie riecht eigentlich Arbeit?“ Diese Frage hat sich der Goldene Nica-Preisträger Paul Vanouse (USA) gestellt, und wurde dafür in der neuen Kategorie „Artificial Intelligence & Life Art“ ausgezeichnet. Seine biotechnologische Installation „Labor“ empfindet den Duft von Menschen nach, die Stress ausgesetzt sind. Der Geruch entsteht ausschließlich durch Bakterien. „Er geht damit der Frage nach: Was ist ein Mensch, eine Person in unserer Gesellschaft wert. Welchen Stellenwert hat die Arbeit in unserer Gesellschaft und wie wird sich diese in unserer Zukunft verändern“, so Stocker.

Ebenfalls mit Biotechnologie beschäftigt sich die slowenische Künstlerin Spela Petric in „Confronting Vegetal Otherness“. Ihre mit dem Award of Distinction ausgezeichnete Serie beschäftigt sich mit den verschiedenen Formen des Austausches zwischen Mensch und Pflanzen und wie Menschen mit der Natur zusammenleben.

Der US-Amerikaner Adam Harvey wird für sein Forschungsprojekt „Vframe“ geehrt. Er untersucht darin, wie Computer Vision in der Menschenrechtsforschung eingesetzt werden kann, etwa zur Ortung illegaler Munition im Syrienkonflikt.

Junge kreative Talente zeigen Einsatz

Wie jedes Jahr darf auch der Preis für den Nachwuchs nicht fehlen – diesesmal in zwei Unterkategorien von „u19 – Create your world“.

Die Goldene Nica gewinnt „Young Professional“ Alex Lazarov. In seiner Web-Serie „Dschungel“ mit fünf Episoden, zeigt er 24 Stunden im Leben einer Gruppe von Jugendlichen. Er erzählt aus der Perspektive von Teenagern, die in der Internet-Generation aufwächst. „Es ist ein sehr persönliches Projekt, dass die Suche nach Fingerabdrücken und Identität zeigt, ein Portrait meiner Stadt Wien und eine Liebeserklärung an die Internetgeneration, die ich vielen Leuten zeigen möchte“, so der junge Künstler.

Den Medienkonsum hinterfragt das Projekt „Rake – minimize your Information“ von Tessa Aichelburg, Luis Hofmeister, Lukas Kaufmann und Paul Schreiber. Ein von ihnen entwickelter Algorithmus reiht Nachrichten nach ihrer Relevanz für den Durchschnittsleser. Die unwichtigsten Meldungen werden ausgedruckt und gleichzeitig geshreddert. Durch den Berg an Papierschnipsel wird klar, welche Leseleistung und Zeit man sich sparen könnte.

Preis für Linzer Schüler

Ebenfalls in der Kategorie Young Professionals ausgezeichnet wurden Schüler der HLW für Kommunikations- und Mediendesign der Kreuzschwestern Linz. Die 18-jährigen setzen sich mit ihrem Projekt „Gift of Nature“ kritisch mit dem Thema Verpackungen auseinander und haben dafür für ein fiktives Unternehmen selbst Labels für Produkte entworfen. Geworben wird für Bio – erst beim zweiten Hinsehen aber wird die Diskrepanz zwischen dem Bio-Versprechen und der unverhältnismäßigen Verwendung von Plastik klar.

Digitaler Mordversuch

Schüler der CyberWerkstatt der NMS Hittisau in Vorarlberg, 13 Jahre, wurden für ihren Kurzfilm „Digitaler Mordversuch“, in der Künstliche Intelligenzen die Bösewichte sind, mit dem u14-Hauptpreis ausgezeichnet. In der Kategorie u12 darf sich der 12-jährige Wiener Simon Heppner für seine Motivationshilfe für Mathematik, das Spiel „Dungeon of Math“ über den Hauptpreis freuen.

Jüngste Hauptpreis-Gewinnerin aus Altenberg in Linz

Die 9-jährige Mina Sophie Hackl aus Altenberg bei Linz schließlich darf sich als jüngste Hauptpreisträgerin über den Sieg in der Kategorie u10 freuen. Sie selbst wurde in der Schule gemobbt und hat ihre Erfahrungen in dem kurzen Film „get_bullied!“  verarbeitet. Er soll Kinder ermutigen, einander in solchen Situationen zu helfen und Hilfe zu suchen.

Spezialpreis für neue Online-Plattforum

Auch heuer wurde wieder der „netidee Spezialpreis“ vergeben, an die Online-Plattforum „Tweakr“ der Wiener Maturanten Antonia Beck, Tobias Gruber, Clemens Makoschitz, Tobias Micko und Sebastian Schreibmaier. Die Gruppe erleichtert damit die Zusammenarbeit zwischen Grafikern, Designern und Kunden.

Verleihung am 5. September

Präsentiert werden alle Projekte natürlich beim Ars Electronica Festival von 5. bis 9. September in der PostCity in Linz, unter dem Titel „Out of the Box - Die Midlife-Crisis der Digitalen Revolution“. Vergeben werden die Goldenen Nicas dieses Jahr schon zur Eröffnung des Festivals, am Donnerstag bei einer großen Gala, bei der auch die 40-Jahr-Geburtstagsparty des Festivals gefeiert wird.

Mehr Infos sind unter www.aec.at zu finden

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