Ulrike Lunacek zu Gast in Linz
LINZ. Seit Beginn der Türkis-Grünen Regierung ist Ulrike Lunacek als Kultur-Staatssekretärin tätig. Vor kurzem war sie in Linz zu Gast, wo sie über ihre zentralen Themenschwerpunkte sprach.

Im Rahmen ihrer Bundesländer-Tour gastierte Ulrike Lunacek, ihres Zeichens Kultur-Staatssekretärin, Anfang der Woche für zwei Tage in Linz. Ihr Ziel: Ungefähr bis in den ersten 100 Tage alle Bundesländer zu besuchen, um mit den Verantwortlichen von Stadt und Land, aber auch mit Kulturinitiativen und der freien Szene zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt hoffte Lunacek auch noch, Kulturveranstaltungen - darunter in Linz beispielsweise die Premiere von „Hanni“ im Brucknerhaus - besuchen zu können. Ein Wunsch, der ihr durch die Corona-Maßnahmen, wovon erste schon am selben Tag präsentiert wurden, versagt wurde. Auch ihr - nach dem Treffen mit der Presse folgender- Termin mit Landeshauptmann Thomas Stelzer musste aufgrund des Virus abgesagt werden.
Schwerpunkte
Auch über jene Themen, die der Staatssekretärin besonders wichtig seien, sprach Lunacek bei ihrem Besuch. Ein Punkt sei die momentan entstehende Initiative zum Thema „Fair Pay“. Diese sei notwendig, „weil bekannt ist, dass im Kunst- und Kulturbereich vor allem in der freien Szene aber auch in größeren Häusern oft die Kulturarbeiter und Künstler nicht gerecht bezahlt werden.“ Gerade kleinere Initiativen würden, wenn sie Förderungen beantragen, oft bei den eigenen Honoraren sparen. Hinzu komme, das es in den wenigsten Bereichen Kollektivverträge gäbe und auch die Arbeitsbedingungen in diesem Bereich ganz anders als in fixen Jobs seien. „Das sind alles Fragen, die auch - was die Sozialversicherung und arbeitsrechtlich - geklärt werden müssen“, erklärt die aus Niederösterreich stammende Lunacek weiters.
Deswegen habe sie in ihrem Ministerium, dem Ministerium für Kunst und Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, begonnen, die Initiative aufzusetzen. Übernehmen würde dies die Abteilung für Verwaltungsinnovation. Zustimmung zu dem Projekt gäbe es außerdem bereits von einigen Landeshauptleuten und zuständigen Kulturreferenten. Auch bei dem - dann abgesagten - Termin mit Landeshauptmann Stelzer wäre dieser Themenpunkt auf der Tagesordnung gestanden.
Desweiteren gäbe es für Lunacek noch zwei weitere Punkte, die für sie wichtig seien - und die auch im Regierungsprogramm stehen würden. „Das Eine ist, dass wir eine neue Kulturstrategie auf den Weg bringen. Auch hier machen wir das mit der Abteilung Verwaltungsinnovation“, so die Staatssekretärin. Es gehe darum, viele der Stakeholder - sowohl aus dem Öffentlichen Bereiche als auch an der freien Szene - an mehrere Tische zu bekommen. Dabei sollen Ziele formuliert werden, wohin es in Zeiten der Klimakrise und in Zeiten von gesellschaftspolitischen Veränderungen gehen soll.
Was Lunacek im Gesamtkulturbereich auch noch besonders wichtig sei: Die Demokratiepolitisiche Dimension von Kultur. „Kunst und Kultur tragen dazu bei, Diskurse in der Gesellschaft weiter zu treiben“, so Lunacek.
Dritter wichtiger Punkt: Die Schaffung einer Bundesmuseen-Holding. „Die Erfahrungen der Bundestheater-Holding sind an und für sich sehr gut. Hier ist sehr viel weitergebracht worden und das ist auch angedacht für die Bundesmuseen angedacht“, so Lunacek, die auch einräumt, dass nicht alle Direktoren sofort von dieser Idee erfreut waren. Grund sei gewesen, dass es Sorgen gegeben habe, dass es dabei um künstlerischen Einfluss gehe. Diese Ängste hoffe Lunacek aber, bereits ausgeräumt zu haben. Laut der Staatssekretärin gehe es darum, etwa bei der Gebäudeverwaltung oder beispielsweise beim Ticketing Synergien zu erschaffen.
AEC als Bundesmuseum?
Auf die Frage, ob es geplant sei, noch weitere Bundesmuseen aufzunehmen - zum Beispiel das Linzer Ars Electronica Center - meinte Lunacek, dass sie zu diesem Thema auch bereits mit dem Salzburger Landeshauptmann einen Diskurs - dort betreffend des Fotomuseums - geführt habe. Lunacek wolle momentan aber eher noch prüfende Schritte setzen: „Es wird geklärt, ob es neue Bundesmuseen braucht, und wenn dann wofür und wenn dann wo. Und erst dann werde ich solche Entscheidungen treffen“. Für Oberösterreich gelte auch das, was sie in Salzburg bezüglich des Themas gesagt habe: „Es ist ein ergebnisoffener Prozess.“
Republik will Gedenkstätte Gusen ankaufen
Ein weiteres Thema war das ehemalige Konzentrationslager Gusen und die Frage, was mit diesem geschehen soll. Lunacek: „Das haben wir auch in den Regierungsverhandlungen verhandelt. Es ist ganz klar, dass der Bund Gusen ankaufen will.“ Derzeit werde noch eine Studie zu den Kosten erarbeitet, sobald diese fertig sei, würden weitere Schritte folgen. “Es ist geplant, dieses KZ Gusen anzukaufen und als Gedenkstätte einzurichten. Das sind wir gerade denen, die dort auf grausamste Weise ums Leben gekommen, also ermordet worden sind und deren Nachfahren schuldig“, so diese weiteres.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden