Premieren-Reigen am Linzer Landestheater
LINZ. Am kommenden Wochenende startet das Landestheater Linz offiziell in die neue Saison 2020/21. Eröffnungspremiere am Freitag, 18. September: „Piaf“ mit Daniela Dett in der Hauptrolle.

Das Musical über die Naturgewalt auf der Bühne und im Leben Édith Piaf war bereits erfolgreich in Previews zu sehen. Das biografische Musical aus der Feder der britischen Autorin Pam Gems ist gespickt mit Piafs großen Chansons wie „L‘accordéo-niste“, „Padam“, „La vie en rose“, „Mon dieu“ und natürlich „Non, je ne regrette rien“. Eine Paraderolle für das Gründungsmitglied des Linzer Musicalensembles Daniela Dett.
Auf der Bühne besang Piaf Männer, die sie quälten, verließen, demütigten. In der Wirklichkeit war es meistens umgekehrt: Jeder Liebhaber fiel früher oder später in Ungnade und wurden binnen Kurzem durch einen Nachfolger ersetzt. Ihr Hofstaat hütete sich, den Verflossenen zu verteidigen – Édith hielt es nicht aus, wenn man ihr Widerstand entgegensetzte. Sie war frei und gefährlich, hatte alles gesehen und getan, und das sah und hörte man.
Die britische Autorin Pam Gems schrieb 1978 für die Royal Shakespeare Company das biografische Musical, das rasch das West End, den Broadway und Bühnen in aller Welt eroberte. In prallen Szenen beleuchtet sie schlaglichtartig Stationen aus Édith Piafs faszinierendem Leben, von der rotzfrechen jungen Straßensängerin über die bewunderte Ikone bis zur von Alkoholismus und Medikamentenabhängigkeit gezeichneten Todkranken.
Am Spielplan steht „Piaf“ bis 13. November.
Opern-Doppel
Tags darauf, am Samstag, 19. September, beginnt die Opernsaison in Linz. Zwei extrem unterschiedliche Frauenschicksale stehen an diesem Abend im Mittelpunkt. Passend zum Beethovenjahr 2020 wird dessen einzige Oper „Fidelio“ auf die Bühne gebracht. Kombiniert wird der Abend mit der Oper „Twice Through the Heart“ von Mark-Anthony Turnage. Zwei extrem unterschiedliche Frauenschicksale, die beide von Macht und Unterdrückung, aber auch von der Kraft der Utopie der Freiheit künden, stehen im Mittelpunkt.
Eine Dame verkleidet sich um das Jahr 1792 im französischen Département Loire als Mann und verdingt sich als Gehilfe in dem Gefängnis, in dem ihr Ehemann von den Jakobinern eingekerkert wurde. Das Husarenstück gelingt: Die Frau kann ihren Gemahl befreien. Diese historisch dokumentierte Geschichte beeindruckte Ludwig van Beethoven so sehr, dass er sie zum Sujet seiner einzigen Oper erhob. Zweihundert Jahre nach der Tat der unbekannten Französin sitzt eine gewisse Amelia Rossiter in einem englischen Gefängnis. Sie hat ihren Mann erstochen und verliert trotz des harten Gerichtsurteils gegen sie zunächst kein Wort über die jahrelangen körperlichen und seelischen Misshandlungen durch ihren Gatten. Tief beeindruckt von diesem Schicksal verleihen Jackie Kay und Mark-Anthony Turnage in ihrer „Dramatischen Szene“ ebendieser Amelia Rossiter eine bewegende Stimme, die nicht nur eine schreiende Ungerechtigkeit, sondern auch die Abgründe der Liebe offenbart.
Regie führt Hermann Schneider, musikalische Leitung: Markus Poschner. Zu sehen ist das Opern-Doppel (Dauer: 2,5 Stunden) bis 17. November.
Faust für junges Publikum
Für junges Publikum ist in der Studiobühne Promenade „Faust Short Cuts“ nach Goethe zu sehen, Premiere: 20. September. Nele Neitzkes Short Cut-Version ist ein Best-of des ersten Teils der Tragödie – mit Augenzwinkern und Nostalgie. Auf der Bühne zu sehen ist Friedrich Eidenberger. Er verkörpert einen jungen Mann mit sehr schlechter Laune, der im Landestheater auf der Bühne protestiert. Nie wird hier der „Faust“ gespielt! Warum bloß nicht? Das beste Stück aller Zeiten! Der Klassiker schlechthin! Jedenfalls, wenn man ihn fragt. Hat man aber nicht. Und daher besetzt er jetzt das Theater. Solange, bis das Stück aufgeführt wird. Um auch das Publikum zu überzeugen, erzählt er von seinem ersten Erlebnis mit „Faust“, damals, als er noch ein fast-schon-erwachsener Kinderstatist war.
Der abgekürzte Faust vermittelt auch die Faszination des Theaters und die Liebe zu diesem Handwerk, in all ihrer Magie und Unzulänglichkeit. Die Würzburger Uraufführung gewann 2015 den Publikumspreis der bayerischen Theatertage.
„Gefährliche Liebschaften“
Das Schauspielhaus und die Kammerspiele an der Promenade werden auch in der neuen Saison wieder ein Ort für Tragödie, Lustspiel, Volksstück und vieles mehr. Eröffnet wird die neue Spielzeit am Freitag, 25. September, im Schauspielhaus mit „Gefährliche Liebschaften“. Choderlos de Laclos’ weltberühmter Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ erzählt von den Intrigen der verwitweten Marquise de Merteuil und ihres einstigen Geliebten Valmont. Soeben wurde die Marquise von dem Comte de Gercourt verlassen und sinnt nun auf Rache. Das willige Werkzeug dieser Rache ist der Vicomte de Valmont, der die zukünftige Ehefrau Gercourts, eine unbedarfte Klosterschülerin, verführen und damit für eine Heirat von Stand unmöglich machen soll. Valmont und Merteuil, auch wenn sie eigentlich kein Paar mehr sind, spielen diese Art von Spiel mit Inbrunst: einander komplizierte, unmoralische Aufgaben zu stellen. In Wahrheit will Valmont die tugendhafte Madame de Tourvel, eine religiöse und verheiratete Frau, die alles tut, um seinen Nachstellungen zu entkommen. Regie führt Susanne Lietzow, unter anderem auf der Bühne: Corinna Mühle und Alexander Julian Meile.
Tanz-Uraufführung
Am Samstag, 26. September steht die Uraufführung von Mei Hong Lins Tanzabend „Bilder einer Ausstellung“ am Spielplan. Inspiriert durch eine posthume Ausstellung von Werken seines verstorbenen Freundes, des Malers Victor Hartmann, komponiert Modest Mussorgski 1874 seinen Klavierzyklus “Bilder einer Ausstellung“. Bekannt wurde das Werk aber vor allem durch eine das Original glättende Orchesterfassung von Maurice Ravel. Die Choreografien von Mei Hong Lin zeichnen sich durch die enge Verbindung zwischen Musik und Bewegung aus. In “Bilder einer Ausstellung“ unterzieht sie ihr eigenes Schaffen einer systematischen Intervention und hinterfragt ihr Werk neu.
Passendes Spielzeitmotto
Das passende Motto der neuen Spielzeit 2020/21 – und dieses stand bereits vor der Corona-Krise fest: „Freiheit“.
Alle Termine und Infos, Karten und Corona-Regelungen unter www.landestheater-linz.at, Tel. 0732/7611-400


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