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LINZ. Die derzeit im Linzer „Haus der Frau“ lebende Künstlerin Bernadette Laimbauer präsentiert ab Dienstag, 23. Februar, ihre Arbeit „Gfries“ als temporäre Intervention an der Fassade des Hauses in der Volksgartenstraße 18.

Bernadette Laimbauer (Foto: Bernadette Laimbauer)
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Das Bildungs- und Begegnungszentrum „Haus der Frau“ in der Linzer Volksgartenstraße stellt seit 2016 die ehemalige Dienstwohnung im 3. Stock Künstlerinnen im Rahmen eines Artist-in-Residence-Aufenthaltes unentgeltlich zur Verfügung. Die Initiative ist eine Kooperation mit dem Diözesankunstverein Linz, der seit 1994 jährlich einen Preis für herausragende Abschlussarbeiten an der Linzer Kunstuniversität vergibt.

Mit beiden Initiativen werden junge Kunstschaffende und der Dialog zwischen Kirche und zeitgenössischer Kunst gefördert. Ab 23. Februar 2021 präsentiert die derzeit im Haus lebende Künstlerin Bernadette Laimbauer ihre Arbeit „Gfries“ als temporäre Intervention an der Fassade des Haues Volksgartenstraße 18.

Die „Gfrieser“ an der Fassade

Das Gebäude, das seit mehr als 50 Jahren das „Haus der Frau“ beherbergt, steht im Linzer Volksgartenviertel im Zentrum von Linz. Bernadette Laimbauer hat über fünf Monate im Inneren des Hauses an der Weiterentwicklung ihres künstlerischen Werkes gearbeitet. Coronabedingt geht sie für den Dialog mit den Betrachter jetzt mit ihrer Intervention nach außen. Unter dem Titel „Gfries“ setzt sie der Fassade des Gebäudes, der „Schauseite“ zur Straße hin, ihr eigenes Gesicht auf. Dazu formt die Künstlerin Objekte aus Pappmaché, die das Profil ihres Gesichtes zeigen, und bringt sie unter den Erdgeschoßfenstern an.

Die Künstlerin knüpft damit an die historische Tradition der Fassadendekoration mit menschlichen Figuren oder Fratzen in Form von Skulpturen oder Reliefs an. Diese Figuren wurden mit einer bestimmten Bedeutung oder Funktion verbunden: der Darstellung von Macht, Repräsentation oder der Abwehr von bösen Geistern. Sie waren zumeist aus Stein und hatten über Jahrhunderte Bestand.

Mit „Gfries“, einer Anlehnung an das Dialektwort für Fratze oder Grimasse, geht Bernadette Laimbauer einen spannenden Dialog mit dieser Tradition ein. Ihre Fassadenelemente aus unversiegeltem Pappmaché sind Umwelteinflüssen ausgesetzt und verändern sich im Laufe der Zeit. Statt Figuren, die Macht repräsentieren oder symbolische Bedeutung haben, setzt sie der Erdgeschoßfassade ihr eigenes Gesicht vor. Form und Material gehen in dieser konzeptuellen Arbeit eine spannende Verbindung mit der Geschichte und Funktion der Fassadendekoration und dem Ort ein und hinterfragen als temporäre Intervention Rollenbilder im Stadtbild.

Impulse für das Haus der Frau

Eva-Maria Kienast, Leiterin vom „Haus der Frau“, zur Intention des Artist-in-Residence-Projektes: „Als Bildungshaus mit einem Frauenbildungsschwerpunkt sehen wir es als unseren Auftrag, junge Künstlerinnen zu unterstützen. Mit der ehemaligen Dienstwohnung des 1999 verstorbenen Pastoralamtsdirektors und Gründers unseres Hauses, Prälat Josef Wiener, sind wir imstande, ihnen einen kostenfreien Aufenthalt zu ermöglichen. Die Künstlerinnen können sich an dem Ort, der ihnen als Wohnatelier zur Verfügung steht, ihrer Arbeit widmen. Ihre Einbindung in das Bildungshaus erfolgt auf unterschiedliche Weise. In der Vergangenheit waren dies eine Vernissage in der Wohnung, eine Ausstellung der Werke, die während des Aufenthaltes entstanden sind, im Haus oder Workshops der Künstlerinnen im Rahmen des Kursprogrammes. Dadurch ergeben sich immer neue wertvolle Impulse für unsere Bildungsarbeit. Die Einbindung der Künstlerinnen in den Alltag unseres Bildungshauses ist uns ein großes Anliegen“, so Eva-Maria Kienast.

Künstlerinnen verbringen fünf Monate im Haus

Die bisherigen Artist-in-Residence-Künstlerinnen im Haus der Frau waren: 2016/17 Elisabeth Altenburg, 2017/18 Jelena Micić, 2018/19 Veronika Krenn und 2019/20 Franziska Schink. Im Bildungsjahr 2020/21 verbringen erstmals zwei Künstlerinnen jeweils fünf Monate im Haus der Frau: Bernadette Laimbauer von Oktober 2020 bis Februar 2021 und Marie-Andrée Pellerin von März bis September 2021.

Die Auswahl der Künstlerinnen erfolgt durch Eva-Maria Kienast, Leiterin Haus der Frau, und Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Obfrau Diözesankunstverein Linz.

Wertschätzung der Kunstuniversität

Brigitte Hütter, Rektorin der Kunstuniversität Linz, schätzt diese Initiative: „Das Artist-in-Residence-Projekt der Partnerinstitutionen Haus der Frau, Diözesankunstverein und Kunstuniversität Linz ebnet seit mittlerweile fünf Jahren Künstlerinnen erfolgreich den Weg. Es ist unser gemeinsames Anliegen, Studentinnen und Absolventinnen beim Brückenbau vom Absolvieren des Studiums hin zu einer freischaffenden Tätigkeit nachhaltig zu unterstützen. Die Verbindung und die Auseinandersetzung mit diesem ganz speziellen Ort, aber natürlich auch die finanzielle Absicherung ist für die Kunstschaffenden eine ganz besondere Bereicherung. Ich möchte mich im Namen unserer Universität und ihrer Studierenden ganz herzlich für die Zusammenarbeit bedanken.“

Künstlerin in vielen Ländern gefragt

Bernadette Laimbauer studiert an der Kunstuniversität Linz Experimentelle Gestaltung und Kulturwissenschaften. In ihrer künstlerischen Arbeit experimentiert sie mit unterschiedlichen Arten von Performance. Sie verwickelt das Publikum in intime Rituale, stellt Skulpturen nach, die in einer längeren Zeitspanne in sich zusammenbrechen, ordnet Bewegungen zu einem dramaturgischen Spannungsbogen oder lässt konkrete Handlungen von ihrer Tochter als Co-Performerin beeinflussen. Performance-Fortbildungen und künstlerische Projekte führten Bernadette Laimbauer nach Oslo, Istanbul, Bergen und Graz. Im Haus der Frau bereitete sie sich auf ihr Diplom vor.

Die temporäre Intervention an der Fassade kann im Zeitraum vom 23. Februar bis 26. März 2021 besichtigt werden. Zusätzlich steht ab 23. Februar 2021 ein Video mit einem Interview der Künstlerin auf der Website www.hausderfrau.at zur Verfügung.


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