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Ein "Zug mit vielfältigen Waggons" geht nach langer Pause endliche auf die Reise

Karin Seyringer, 11.05.2021 14:46

LINZ. Der Posthof Linz sorgt nicht nur für musikalische Highlights, Posthof-Leiter Wilfried Steiner bringt stets auch hochkarätige Literatur, Kabarett-Neuheiten und vielfältige Kleinkunst nach Linz – zu sehen auch auf der FrischLuft-Bühne. Tips hat mit ihm über die Highlights gesprochen.

Ein Herz für Literatur, Tanz und Kleinkunst: Wilfried Steiner. (Foto: Josefina Vazquez Arco)
Ein Herz für Literatur, Tanz und Kleinkunst: Wilfried Steiner. (Foto: Josefina Vazquez Arco)

Tips: Worauf legen Sie bei der Programmierung, bei der Auswahl der Künstler besonders wert?

Steiner: Für die Frischluftbühne war es eine spezielle Form des Auswählens. Wir waren monatelang die 'Rangiermeister auf unserem Verschiebebahnhof' – jetzt können wir endlich mal einen Zug auf die Reise schicken – und da sollen diese Waggons so vielfältig wie möglich sein. Mir ist es darum gegangen, das wir nicht nur die Zugpferde nach draußen verlegen – das wäre der einfachste Schritt gewesen, weil man draußen mehr Kosten hat. Aber das wird dem Qualitätsanspruch des Hauses nicht gerecht. Ich habe das ein wenig verquer gedacht bei der Programmierung. Deswegen fange ich gleich mit Literatur an, eigentlich noch schlimmer. Ich fange mit Philosophie an. Der Philosoph der Nation kommt am 31. Mai zu Wort: Konrad Paul Liessmann wird seine erste Open-Air-Lesung glaube ich haben bei uns – aus diesem wunderbaren Buch 'Alle Lust will Ewigkeit', wo er sich mit Nietzsches Zarathustra auseinandersetzt. Das war mir eine besondere Freude, mit etwas Ungewöhnlichem zu starten, und er ist nicht nur blitzgescheit, sondern auch ein Entertainer. Ich freue mich über die große Vielfalt des Angebots, ich freue mich, dass wir nicht nur Mainstream anbieten draußen, sondern auch junge und außergewöhnliche Produktionen.

Tips:Das war also ganz bewusst gewählt?

Steiner: Ja, wir komponieren das schon. Ich schaue sehr, dass das Programm einen Anfang und ein Ende und Dramaturgie hat. Natürlich sind die großen Namen dabei – wir haben die Science Busters mit einem Programm, dass extra für uns draußen gemacht wird, wir haben Namen wie Thomas Maurer und Alfred Dorfer. Das gehört natürlich auch dazu, das lieben wir ja, das sind Freunde des Hauses. Aber es ist mir auch wichtig, dass wir zum Beispiel im Kabarett-Bereich diese notorisch männerlastige Domäne ein wenig durchbrechen, in dem wir sehr viel Frauenenergie zeigen werden. Mit Flüsterzweieck, wenn alles gut geht mit der OÖ-Premiere des neuen Programmes 'Kult' (10. Juni, Anm.), auf das ich mich schon sehr freue. Die bei uns schon heimisch gewordenen Kärntner Zwillingsschwestern RaDeschnig kommen mit dem Programm 'Doppelklick' (18. Juni, Anm.), das fantastische Kritiken bekommen hat und als Drittes in den weiblichen Reihen der Kleinkunst sind die 'Vaginas im Dirndl'. Eine hervorragende Dreierkombi, das wird allerdings ein etwas melancholischer Abend werden, denn die haben gesagt, es wird ihr absolut letzter Gig werden (28. Juni, Anm.)

Tips:Es sind aber auch Namen dabei, die die breite Masse vielleicht noch nicht so kennt, Berni Wagner oder Michael Hatzius etwa ...

Steiner: Bernie Wagner, das ist ein ganz junger oberösterreichischer Kabarettist. Durch die Corona-Situation, mit dieser Frischluft-Situation ist sich das jetzt so ausgegangen, dass er die Uraufführung seines neuen Programms 'Galapagos' bei uns spielt, was mich sehr freut. Michael Hatzius ist ein anderes Thema. Das ist eine Sparte, die mir seit 20 Jahren total am Herzen liegt, dieses Figurentheater, die Arbeit mit Klappmaulpuppen, mit Figuren aller Art. Hatzius ist einer der lustigsten von ihnen, weil der mit seiner Figur, der Echse, dem Genre Comedy diese Figurentheater-Energie zuführt. Die Echse ist eine grandiose Erfindung von ihm, die bitterböse sein kann, jenseits aller Tabus. Ein würdiges Finale.

Tips:Wahrscheinlich auch fürs Publikum neu, sowas eben auch Open Air zu erleben?

Steiner: Natürlich haben wir dadurch auch Programme dabei, die extra für den Abend entstanden ist. Etwa beim Impro-Theater – heuer haben wir ein super Match: Theater im Bahnhof vs. English Lovers am 17. Juni, die werden für den Abend draußen eine besondere Form finden. Die Science Busters werden sich eine spezielle Corona-Version überlegen, die draußen funktioniert. Man darf nicht vergessen – wir haben ja trotz all dem auch drinnen immer noch Programm – auch mit tollen Kabarettisten – das fährt parallel. Am 26. Mai ist Lydia Mischkulnig im LiteraturSalon zu Gast mit „Die Richterin“.

Tips:Gibt Veranstaltungen, die leider nicht stattfinden können, weil Künstler es nicht schaffen über die Grenze kommen – wo sie sagen: Da blutet Ihnen das Herz?

Steiner: Das Herz blutet seit ewig – jetzt können wir die Wunde mal ein bissl stillen. Wir haben es insofern glaube ich gut gelöst, weil wir die vielen internationalen Sachen, für die wir ja berühmt sind sozusagen – etwa das Black Humor Festival, die Tanztage, mit den Künstlern in so engem Kontakt sind, dass wir das Gefühl haben, dass wir eigentlich alles, was wir wegen Corona nicht haben teilen dürfen, irgendwann teilen werden. Das ist das tolle Gefühl. Vielleicht verschiebt es sich um zwei Jahre, aber irgendwann wird das sein. Eigentlich habe ich es verhindert, das mein Herz blutet, weil ich wirklich versucht habe, all das, was ich einmal angeboten habe, mit Verzögerung irgendwann doch zu zeigen.

Tips: Gibt es schon Ausblick auf Herbst?

Steiner: Wenn ich mir den Herbst ansehe, den ich gebucht habe, dann ist es das dichteste Programm, dass der Posthof je gesehen hat. Wir haben großartige Tanzproduktionen – weil wir gesagt haben wir machen eine Tanztage-Nachlese. Wir haben mit Gravity & Other Myths eine Weltklasse Theater- und Akrobatik-Formation da. Wir haben Ana Morales, der Shootingstar im Flamenco. Wir werden schauen, dass wir mit den jungen Tänzern und Choreografen in Linz einen Doppelabend machen – ein verdichtetes Tanztage-Labor – das wird sicher auch ein Highlight sein, weil wir auch den Auftrag haben, die Freie Szene zu unterstützen. Wir haben im Herbst eine Dichte und eine Qualität an Programm, das ist irgendwie ein Best of der letzten eineinhalb Jahre, das wird es wahrscheinlich so nie wieder geben. Wo man eigentlich hin will beim Programm ist das man aufgrund der Qualität der Künstler, auch den Unbekannten, beim Publikum ein Gefühl erzeugt – dass man sagt: Ich kenne den zwar nicht, aber wenn er im Posthof spielt, dann muss der gut sein – und deswegen schau ich mir den an. Das wollen wir eigentlich erzeugen.

Das ganze Programm auf der FrischLuft-Bühne und im Posthof/Tickets: www.posthof.at

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