Daniela Dett: „Ich versuche, mein Tempo zu gehen und mich nicht mehr selbst zu überholen“

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Daniela Dett (Foto: Derflinger)
Daniela Dett (Foto: Derflinger)
Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 27.07.2021 16:15 Uhr

LINZ. Musicaldarstellerin, Sängerin und Schauspielerin Daniela Dett wird nicht nur im Musiktheater Linz bejubelt. Für „Bühne am Dom“ am Domplatz Linz hat sie sich ein ganz besonderes Programm einfallen lassen, zu erleben am 5. und 27. August. Tips hat sich mit der sympathischen Plaudertasche vorab unterhalten – über Selbsterkenntnisse in Zeiten von Corona bis hin zu „saupeinlichen“ Bühnen-Pannen.

Tips:Du bist seit 2012 fixes Mitglied im Linzer Musical-Ensemble, eigentlich eine Seltenheit, in diesem Genre. War diese Beständigkeit ein Ziel, ein Plan von dir?

Dett: Nein, überhaupt nicht. Genau deswegen, weil es in diesem Genre nicht üblich ist, solange an einem Haus zu bleiben. Es hat sich schlichtweg ergeben. Ich habe das Gefühl, dass ich gewachsen bin durch das Engagement. Vielleicht auch aufgrund meiner Herkunft ist mir das Publikum sehr ans Herz gewachsen – und ich vielleicht auch dem Publikum eine Spur weit. Wir sind Oberösterreicher und ich glaube, das ist auch für das Publikum schön, wenn man sieht und hört, dass das jemand aus der Gegend ist. Ich habe jetzt auch Unterstützung von Hanna Kastner, die ja auch Linzerin ist. Ich wollte dann auch nicht mehr weg, weil ich die Vorteile dieses Hauses recht schnell lieben und schätzen gelernt habe – auch die Philosophie, die dahinter steckt. Mir fällt ganz spontan kein Haus ein, das mir diese Qualität, diese Rollen und Stückvielfalt – auch in diesem Variantenreichtum – bieten könnte. Und darauf steh ich schon auch sehr, dass man bei den Rollen in Linz nicht in eine Schublade gesteckt wird, oder eine Kategorie, aus der man nicht mehr rauskommt.

Tips:Eine kurze Pause hast du aber eingelegt, um wieder zu studieren. Wie ist der Status Quo?

Dett: Ich bin fertig. Mein Studium ist abgeschlossen. Das habe ich vor über 20 Jahren begonnen, und dann aber aufgrund der beruflichen Situation, weil ich schon sehr intensiv engagiert und unterwegs war, nicht fertig gemacht. Man war jung und dumm. Über die Jahre hat mich das aber immer mehr geärgert und nicht los gelassen und ich habe die Chance bekommen wieder einzusteigen. Ich habe im Prinzip von vorne anfangen müssen, ich habe wirklich das komplette Studium mehr oder weniger nochmal gemacht, zuerst parallel zum Theater. Das ist auf Dauer aber einfach energieraubend, das schafft man auch nicht, deswegen hab ich mir das Jahr erbeten, um da wirklich ganz intensiv nochmal zu studieren. Es war eine super Erfahrung. Und jetzt habe ich den Bachelor in Jazzgesang und Instrumental(Gesangs)Pädagogik.

Tips:Auch ein Polster für die Zukunft?

Dett: Genau, es ist ein Backup. Ich habe sehr viele unterstützende Tools gelernt. Es hat mich weitergebracht. Und ich unterrichte auch wirklich gerne, das macht mir große Freude. Es kann ein Parallelweg sein, natürlich kann es aber auch wirklich eine neue Option sein.

Tips:Dir wurde vor kurzem der Bühnenkunstpreis des Landes OÖ überreicht...

Dett: Ich habe mich wirklich wahnsinnig gefreut. Über diese Wertschätzung und Anerkennung von offizieller Seite. Natürlich ist so etwas eine Bestätigung und ein Zuspruch, der Mut macht fürs Weitermachen.

Tips:Gibt es trotzdem etwas, das du vielleicht bereust oder anders gemacht hättest?

Dett: Gute Frage. Tatsächlich fühle ich mich in der glücklichen Situation, zu sagen: Ich hätte beruflich nichts anders gemacht. Es hat vielleicht privat ein paar Dinge gegeben, die würde man später vielleicht anders lösen. Aber man traf die Entscheidungen so, wie man sie zu der Zeit mit bestem Wissen treffen konnte. Im Endeffekt gibt’s wirklich kein großes Bedauern, ich kann ganz gut zu allem stehen.

Tips:Was nimmst du für dich aus der Corona-Situation mit?

Dett: Ich nehme persönlich wirklich sehr viel mit für die Zukunft. Ich habe die Zeit gefunden, um mich ganz intensiv mit der Situation und mit mir auseinanderzusetzen. So zurückgeworfen wie wir es im ersten Lockdown wurden, da wird vieles relativ. Ich habe gewisse Gewohnheiten echt überdacht. Umdenken und den Alltag anders zu gestalten muss nicht immer anstrengend sein oder Angst machen. Konkretes Beispiel: Statt zwei Autos werden wir nur mehr eines verwenden, ich gehe viel mehr zu Fuß und fahre fast nur mehr Rad. Die Konsumgewohnheiten haben sich weiter verändert. Die Tendenz war immer schon da, dass ich darauf achte, saisonal einzukaufen, kann man das rückverfolgen, kommen die Sachen vom Bauern aus dem Mühlviertel - das noch viel bewusster. Und ganz wichtig: Ich bin Perfektionistin mit einem ganz hohen Energielevel. Ich habe immer sehr vieles unterbringen wollen und habe nie ‚Nein‘ sagen können. Und das hat dazu geführt, dass man getrieben ist, von Termin zu Termin hetzt. Man lebt das Leben nicht mehr, das Leben lebt einen. Dieser knallharte Bruch in Form des Lockdowns hat mich neu anfangen lassen. Ich sage jetzt durchaus auch ‚Nein‘. Und wenn mein Körper mir sagt: ‚Mach mal langsam‘, dann versuche ich, das sofort umzusetzen: mein Tempo zu gehen und mich nicht mehr selbst zu überholen. Und ich nehme auch mit, dass es wieder ganz andere Werte gibt: Ein Gespräch hat wieder einen ganz anderen Stellenwert. Ich hoffe so sehr, dass uns das nachhaltig geprägt hat und erhalten bleibt. Zwischenmenschliche Beziehung, aufeinander schauen, auf uns selber schauen, auf die Umwelt zu schauen, das ist existenziell. Das müsste oberste Priorität haben.

Tips:Du warst vergangene Saison im Musical 'Piaf' zu erleben, fantastisch...

Dett: Ein Geschenk, diese Rolle. Ich habe bis jetzt nichts Vergleichbares erlebt. Keine Aufgabe hat mich so gefordert aber zugleich auch so erfüllt.

Tips:So ein Abend ist psychisch wie physisch extrem fordernd. Wie hältst du die Balance?

Dett: An Tagen, wo ich 'Piaf' spiele, herrscht Ausnahmezustand (lacht). Da gibt's keinen Tropfen Alkohol, keine Sonnenstrahlen, die die Stimme austrocknen. Da gibt's nur mehr ein reindenken in die Figur – am liebsten wäre mir, es würde niemand mehr mit mir reden, am liebsten würde ich nur mehr Französisch reden – aber ganz so kann man sich nicht isolieren. Aber es ist schon so: Ich bin den ganzen Tag darauf fokussiert, was am Abend sein wird. Im Vorfeld habe ich nicht gewusst, wie ich diese Rolle jemals schaffen kann. Aber wie wir alle wissen: Man wächst mit den Aufgaben und in uns steckt mehr Energie, wie wir glauben. Ich gebe alles, aber ich bekomme ganz viel zurück. Damit meine ich nicht nur den Applaus vom Publikum, sondern es ist ein Geschenk, eintauchen zu dürfen, ein anderes Leben leben zu dürfen. Anstrengend aber zugleich glückselig.

Tips:Ihr spielt am Musiktheater ein Musical, parallel probt ihr bereits andere Stücke – verwechselt man da Textzeilen? Passieren Pannen?

Dett: Aber sicher (lacht). Darum bin ich so nervös, weil ich schon einen ganzen Fundus habe an solchen Pannen. Massive Texthänger, dann hängt man so lange, bis es einem wieder einfällt oder ein Kollege dir weiterhilft. Einmal – das war besonders schlimm: Ich habe nach einem Dialog gewusst, jetzt kommt mein Lied. Und im letzten Satz fliegt mir etwas in den Hals und ich habe keinen Ton mehr rausgebracht – keinen gesprochenen und schon gar keinen gesungenen. Und ich bekomme einen Hustenanfall und es fühlt sich an, als wären es schon fünf Minuten – das Orchester fängt an und der Dirigent kriegt große Augen, weil ich nicht zu singen anfange. Ich habe dann irgendwie erbärmlich gekrächzt, bis ich nach ein paar Takten allmählich wieder die Stimme erlangt habe. Und einmal hat sich meine Perücke im Schmuck meiner Kollegin verhängt, wir mussten eine sehr, sehr lange Szene wie siamesische Zwillinge aneinander gekettet spielen. Es war zum Brüllen, saupeinlich.

Tips:Nicht nur im Musiktheater, auch bei Bühne am Dom bist zu zweimal zu erleben und lässt du das Publikum in dein „Musical mixtape“ eintauchen ...

Dett: Ja, Musical wird schon der rote Faden sein, aber – was viele nicht wissen – auch lässige Jazzstandards stammen ursprünglich aus Musicals oder wurden erst in Musicals berühmt. Es kommt Vincent Bueno als Gast, wir werden da sicher ein paar Hits trällern. Ich freue mich auf Duetts mit Katja Berg. Ich habe den Abend so konzipiert, wie ich ihn mir wünschen würde als Zuhörerin. Er wird bunt mit verschiedensten Stilistiken, verschiedensten Besetzungen – nur mit Klavier, ganzer Band, a cappella. Und ich werde ein wenig plaudern aus dem Nähkästchen. Ich wünsche mir, dass es ein familiärer Abend wird.

Tips:Was steht sonst an bei dir, kommende Projekte?

Dett: Es gibt „quarDETTart“, sehr lässig, sehr derbes, dialektmäßiges, aber unseren Zeitgeist auffangendes Œuvre, da werden wir ein wenig touren. Henry Mason und ich sind auch am Konzipieren eines Zwei-Personen-Stücks, die Fortsetzung von 'Venus und Adonis', es gibt ein paar Menschen, die können sich daran noch erinnern (lacht). Und ich habe schon so viele lustige Sachen, komische Situationen erlebt, irgendwie schwebt da die Idee, ein Buch zu schreiben, als Langzeitprojekt.

Daniela Dett und Freunde, „My musical mixtape“

5. und 27. August, 19.30 Uhr, Bühne am Dom, Domplatz Linz

Infos/Karten: www.buehneamdom.at, Ö-Ticket

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