Ausstellung im Hofkabinett zeigt Erich Ruprechts Werke
LINZ. Werke von Erich Ruprecht sind bis 18. März im Hofkabinett, Hofgasse 12, in Linz zu sehen. Ausgestellt sind auch Malereien, die schon 1960 im Derfflingerhof gezeigt wurden. Zwölf seiner Arbeiten wurden damals beschlagnahmt, weil sie zu skandalös erschienen. Ruprecht kassierte einen Monat strengen Arrest auf Bewährung.

Erich Ruprecht(er) wurde am 29. Mai 1931 in Geisthal/Steiermark geboren. Bereits im Alter von 15 Jahren besuchte er die Kunstgewerbeschule in Graz. Als sein Lehrer Walter Ritter 1947 an die neu gegründete Kunstschule der Stadt Linz berufen wurde, nahm er seinen Lieblingsschüler mit sich. Ruprechter absolvierte das Studium der Bildhauerei mit Auszeichnung und begann, sich autodidaktisch mit Malerei zu beschäftigen.
Mit einigen Freunden aus der Kunstschule gründete Ruprechter schließlich im Jahre 1958 die „Schabledergruppe“, aus der die erste private Galerie in Linz nach 1945 hervorging.
Ruprechter ging dennoch voll Tatendrang zurück in die Einsamkeit, in sein Heimatdorf, Geisthal. Über 100 Bilder und Zeichnungen sollten dort im nächsten Jahr entstehen, losgelöst von jeder akademischen Strenge, den Hauch jener rebellischen Freiheit vorwegnehmend, die noch kommen sollte. Ein junger Wilder, der ohne Rücksicht auf malerische Konventionen seine oftmals surreal anmutenden Bildwerke auf die Leinwand bringt.
Manche der Bilder wurden nach Linz geschickt, wo sich Engelbert Kliemstein um den Verkauf kümmerte. Kliemstein war es auch, der Ruprecht dazu überredete, die neue Malerei in Linz auszustellen, als Information und Inspiration für die lokale Künstlerszene. An sich war Ruprechter bereits auf dem Sprung nach Australien gewesen, als er Kliemsteins Brief erhielt. Er entschied sich dazu, die Ausstellung im Derfflingerhof durchzuführen.
Die Eröffnung wurde für 8. April 1960 angesetzt. Am frühen Nachmittag dieses Tages läutete das Telefon in der Polizeidirektion Linz. Eine Frauenstimme erklärte, in besagter Ausstellung würden Bilder gezeigt, die als skandalös zu bezeichnen wären. Der diensthabende Beamte fühlte sich verpflichtet, die Lage vor Ort zu begutachten und schrieb einen Aktenvermerk, einige der ausgestellten Bilder würden den „weiblichen Geschlechtsteil“ hervorheben. Die Vernissage war ein großer Erfolg, neben Walter Kasten war auch Georg Wacha, Franz Kinzl, Rudolf Lehr sowie die gesammelte Künstlerinnenszene vertreten. Die Stadt Linz erwarb an diesem Abend ein Bild „Brigitte Bardot nach Foto“, das sich in der Sammlung des Lentos Kunstmuseums befindet.
Doch bereits zwei Tage später trat ein Staatsanwalt auf den Plan und in einer Sonntagsaktion erklärte er zwölf Arbeiten aus der Ausstellung als verfallen. Die Bilder wurden ohne Verzug in eine Verwahrungsstelle der Behörden abtransportiert. Der Grund: Verbrechen gegen Paragraph 1 des Schmutz- und Schundgesetzes. Zwei Jahre später wurde Ruprechter verurteilt: ein Monat strenger Arrest auf Bewährung.
Es sollte über 40 Jahre dauern, bis die Bilder wieder öffentlich gezeigt werden konnten. Im Jahr 2000 wurden sie nach einer Odyssee dem Künstler zurückgegeben. Diese Geschichte ist detailliert und minutiös nachzuvollziehen in der Publikation „Der Fall Ruprecht“ (OÖ Landeskultur GmbH).
Heute ist Erich Ruprecht (das „er“ in seinem Familiennamen wurde im Zuge seiner Hochzeit als unrechtmäßig erkannt und gestrichen) in seinem 92. Lebensjahr. Trotz der widrigen Umstände, die Linz ihm entgegengebracht hatte, blieb er in dieser Stadt. Ruprecht ist ein Zeitzeuge. Er malt heute noch. Seine Bronzeplastiken und Terrakottafiguren zieren manchen öffentlichen Platz und privaten Garten.
Seine Malerei hat sich gewandelt, aber immer noch schwingt das jugendliche Rebellentum mit den Pinsel, Ruprecht hat sich nicht an Normen gehalten, dieser kreative Geist ließ sich keine Fesseln anlegen, er schwang sich, gleich dem Ikarus, der Sonne entgegen. Selbst nach dem schmerzhaften Absturz gab er nicht auf und schuf eine Reihe von Meisterwerken.
Im Hofkabinett sind nun einige dieser Arbeiten zu sehen. Auch Arbeiten aus der Derfflingerhaus Ausstellung sind zu bewundern. Das alpenländische Triptychon etwa mit einer Vorwegnahme des Trachtenpärchens und dem Urhirsch ist im Original zu sehen. Oder die liegende Lesende aus dem Jahr 1958, oder das Selbstportrait mit dem Modell.
Ruprecht hat immer weiter gemalt. Landschaften, Rosen, Ruinen, Akte. Im Alter mag sein Stil etwas barock geworden sein, er ist und bleibt jedoch ein Aushängeschild für die Kunst aus Linz seit 1945.
Die Stadt Linz hat sich darum gekümmert, dass die beschlagnahmten Bilder dem Künstler zurückgegeben worden sind. Dennoch gibt es kaum Arbeiten in den städtischen Museen, Ruprechts Werk wurde öffentlich noch nie umfassend präsentiert. Dank gilt Alfred Weidinger, der nicht nur die Publikation herausgegeben hat, sondern auch „das problematische Triptychon“ von 1958 für das Land Oberösterreich angekauft hat.


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