Kunstuniversität Linz erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus
LINZ. Mit einer Antrittsvorlesung am 4. Mai und verschiedenen Aktivitäten zum 5.Mai, dem Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus, erinnert die Kunstuniversität Linz an die Opfer des Nationalsozialismus.

Am 4.Mai hält die Kulturwissenschafterin Gudrun Rath ihre Antrittsvorlesung. Sie bezieht sich in ihrer Arbeit auf Beziehungen zwischen Europa einerseits und Süd- und Nordamerika andererseits, auf die Aufarbeitung der Vergangenheit in der Gegenwart. In ihrer Antrittsvorlesung beschäftigt sie sich mit der Pariser Kommune von 1871. Sie bestand nicht mehr als 72 Tage. Dennoch hat diese Erprobung einer selbst organisierten, solidarischen und demokratischen Gemeinschaft bis heute nichts an Strahlkraft verloren. Wie lassen sich, ausgehend von einer kritischen Befragung der Geschichte, über die Nation hinausgehende Perspektiven entwickeln, ohne lokale Verankerungen aus den Augen zu verlieren? Über all diese Themen wird Gudrun Rath, Mitglied der Jungen Akademie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, sprechen. Die Vorlesung läuft hybrid, eine Teilnahme ist nur mehr online möglich: mediaspace.ufg.at
Geschichtspolitische Themen öffentlich diskutieren
Tags darauf widmet sich die Kunstuniversität dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Universität ist in Gebäuden untergebracht, die von Adolf Hitler im Rahmen seines Prestigeprojekts der Umgestaltung von Linz zur „Führerstadt“ initiiert und ab 1940 gebaut wurden. Um das Bauprojekt zu realisieren, wurden Enteignungen jüdischer Anwohner durchgeführt. Für die Kunstuniversität Linz, die die Gebäude nach ihrer Adaptierung nutzt, ergibt sich daraus eine dauerhafte Verpflichtung, Geschichte lebendig zu halten. Der Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 5. Mai ist für die Kunstuniversität Linz eine jährlich wiederkehrende Gelegenheit, geschichtliche und geschichtspolitische Themen öffentlich zu diskutieren.
In Erinnerung rufen
Die Aula des Brückenkopfgebäudes Ost wird zu einem Ort umgestaltet, an dem Besucher und Zeitzeugen zuhören können. Mit Interviews, die gezeigt werden, sollen die individuelle Biographie einzelner Personen in Erinnerung gerufen werden. Es können nur mehr wenige Überlebende unmittelbar berichten. Ein Stein aus dem Steinbruch des Lagers erinnert an die dort geleistete Zwangsarbeit, auf die Bauten der NS-Zeit gebaut sind. Studierende der Kunstuniversität Linz werden außerdem in einer performativen Fassadeninstallation der Opfer gedenken. 150 Meter Stoff werden ausgerollt und wie in einem Happening als Erinnerungsstück bearbeitet werden – mit Sätzen, die heute wieder aktuell sind: Nie wieder Krieg.


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