Neuer Kunstraum im Mariendom wird eröffnet
LINZ. Die Turmkapelle West im Linzer Mariendom wird anlässlich des 100-jährigen Weihejubiläums zum Kunstraum. Den Auftakt macht die Rauminstallation „im garten der frauen“ von Monika Pichler ab 6. Juni.

Im Rahmen der Reihe „Künstlerische Positionen zur Heiligen Familie“ — ein Teil des Projektes DonnaStage — greifen insgesamt acht Künstlerinnen in ihren raumbezogenen Arbeiten gegenwärtige Entwicklungen und Herausforderungen zu Themen rund um Frauenrollen, Familienbilder und Geschlechtergerechtigkeit auf.
Von Juni bis November sind dabei Werke, Installationen und Performances von Monika Pichler, Esther Strauß, Katharina Struber, Elisabeth Altenburg, Elke Punkt Fleisch, Sophie Reyer, Judith Huemer und Bernadette Huber zu sehen.
Rauminstallation „im garten der frauen“ ab 6. Juni
Den Auftakt macht die an der Kunstuniversität Linz lehrende Künstlerin Monika Pichler. Bezugnehmend auf die floralen Ornamente der hohen, wandfüllenden Farbglasfenster, verwandelt sie die Turmkapelle West in einen Garten. Feigen-, Zitrus- und Olivenbäume schaffen eine Verbindung zur lebendigen Natur. Aus dem Boden der Kapelle wachsen Baumstümpfe, die mit von der Künstlerin gestalteten roten und grünen Sitzkissen zum Verweilen einladen. Ebenso ein von Monika Pichler entworfener Gartenteppich, der zum Relaxen im Liegen einlädt, aber bitte ohne Schuhe.
Eine zentrale Rolle bei der Installation spielen das Lesen und die Literatur. Von fünf ihrer Lieblingsautorinnen wählt die Künstlerin Textstellen aus, die das Bild der Familie und die Rolle der Frauen in unterschiedlichen Aspekten reflektieren. „Die Autorinnen, die ich ausgewählt habe, erzählen in ihren Texten Geschichten vom Leben als Frau, Kind und Mutter, in denen ich mich auch selbst immer wieder gefunden habe. Die Bücher liegen auf den Baumstümpfen oder laden an einem baumartigen Kleiderständer ein, gepflückt und gelesen zu werden“, so Pichler.
100 Familienportraits von Frauen
An der Wand findet sich eine Serie von Familienporträts verstorbener und lebender Frauen. In Anlehnung an die 100 Jahre, die seit der Weihe des Mariendoms vergangen sind, hängen 100 einzeln handgedruckte Siebdrucke im Sockelbereich unter den Fenstern. Zu sehen ist eine Gruppe von Frauen, frei in einer Landschaft platziert: sechs lebende und sechs bereits verstorbene, darunter die Protagonistinnen der Ausstellung und die Autorinnen.
Jeder Siebdruck ist ein Unikat und nach der Ausstellung gegen eine freiwillige Spende zu erwerben.
Eröffnung mit Lesung und Musik
Die Rauminstallation wird am 6. Juni um 19 Uhr eröffnet. Schauspielerin Katharina Hofmann wird aus den Texten der ausgestellten Autorinnen lesen. Musikalisch erwartet die Besucher ua. eine Harfenperformance von Sina Moser.
Zu besichtigen bis 25. Juni zu den Öffnungszeiten des Mariendoms (8-19 Uhr.
Mariendom als Raum für künstlerische Auseinandersetzung und Diskurs
Die künstlerischen Positionen sind ein Teil der Veranstaltungsreihe DonnaStage anlässlich der 100-jährigen Weihe des Mariendoms. Diese macht den Dom und das neue Domcenter zum Aushandlungsort für zeitgenössische Fragen nach Frauenrollen, Familienbildern und Geschlechtergerechtigkeit.
Ausgangspunkt ist das bauzeitliche Bildprogramm im Dom. „Die historischen Bildfenster zeigen wenige Frauenbildnisse und diese streng fokussiert auf karitativ-fürsorgliche Tätigkeiten und in heteronormativer Konstellation von Vater-Mutter-Kind. Heute jedoch sind Familienkonstellationen und das genderspezifische Rollenverständnis diverser geworden. DonnaStage hinterfragt die historisch überlieferten Vorstellungen kritisch und stellt über künstlerische und diskursive Projekte Bezüge zu der gelebten Vielfalt in der heutigen Gesellschaft her“, so Anna Minta, Professorin für Kunstwissenschaft an der Katholischen Privat-Universität Linz und zusammen mit der Theologin Martina Resch eine der Initiatorinnen der Veranstaltungsreihe.
Die Themen werden in vielfältigen Formaten wie Lesungen, Workshops, Schreibwerkstätten, Vorträgen und Debatten aufgegriffen.
Am Donnerstag, 13. Juni, etwa beschäftigt sich um 19 Uhr ein Workshop mit dem Thema Trans* im Kontext von Theologie und Kirche. „Trans* Personen und ihre Erfahrungen werden in kirchlichem Zusammenhang oftmals nicht wahrgenommen, bewusst ausgegrenzt oder schlicht ignoriert. Eine Konsequenz draus ist, dass Kirche zu diesem Thema nicht sprach- und handlungsfähig ist“, so die Theologin Stephanie Bayer, wissenschaftliche Assistentin an der Universität Luzern. Sie nimmt an diesem Abend Erfahrungen und Biografien von trans* Personen in den Blick und lädt zu einem notwenigen Perspektivenwechsel ein.
Der Eintritt ist frei.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden