Death Positive: neue Ausstellung im Nordico Linz bringt den Tod mitten ins Leben
LINZ. „Death Positive. Gestorben wird immer“, die neue Ausstellung im Nordico, verbindet Kunst und Kulturgeschichte mit Fragen rund um Sterben, Bestattung und Trauer. Ein besonderer Blick auf Linz zeigt, wie eng der Umgang mit dem Tod mit der Geschichte und Gegenwart der Stadt verbunden ist.¶

Wir alle sterben – eine Gemeinsamkeit, auf die Verlass ist. Trotzdem wird der Tod oft verdrängt. Bis er da ist. „Der Tod ist nicht das Gegenteil des Lebens. Er ist mittendrin. Also reden wir darüber, bevor es zu spät ist“, sagt Kuratorin Klaudia Kreslehner.
Ein Treffen mit dem Tod
„Happy to see you alive!“ – mit diesem Gruß empfängt der Tod die Besucher. Kunstwerke, Installationen, Sammlungsobjekte und Leihgaben gehen der Frage nach: Was verändert sich, wenn wir uns unserer eigenen Sterblichkeit bewusst werden?
Sogenannte Vanitas-Motive wie Totenschädel und welkende Blumen an die Vergänglichkeit von Körper, Besitz und Ruhm. Videointerviews eröffnen darüber hinaus persönliche Einblicke in die Arbeit von Menschen, die sich beruflich mit dem Tod auseinandersetzen.
Linz und der Tod
Auch in der Linzer Stadtgeschichte ist der Tod allgegenwärtig. Seit 1493 ruhen Herz und Eingeweide Kaiser Friedrichs III. in der Stadtpfarrkirche. Maria Anna von Spanien starb 1646 in Linz bei der Geburt ihres sechsten Kindes. Der Tod des Künstlers Klemens Brosch 1926 und die öffentliche Trauer um Bürgermeister Josef Dametz 1927 hinterließen Spuren.
Andere Zeugnisse sind heute kaum noch zu erkennen. Wo sich einst Begräbnisstätten befanden, verlaufen heute Straßen oder liegen Plätze – etwa am Taubenmarkt, am Pfarrplatz und auf der Schlosswiese. Mit dem Wachstum der Stadt wurden Friedhöfe verlegt oder aufgelassen. Eine Stadtkarte in der Ausstellung macht aktuelle und teils vergessene Orte sichtbar.
Wie sich der Umgang mit dem Tod verändert, zeigt auch die Geschichte der Feuerbestattung: 1925 entstand der Urnenhain in Urfahr, 1929 folgte die Feuerhalle. Heute prägen Fragen der Nachhaltigkeit und der Wunsch nach einem individuellen Abschied neue Bestattungsformen.
Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen: vom Klappsarg zur Pilzurne, vom Herzstich zur Bucketlist und vom Leichenschmaus zur Vinyl-Bestattung. Dabei zeigt sie, wie eng der Umgang mit dem Tod mit Ritualen, Recht, Religion, Medizin und wirtschaftlichen Interessen verbunden ist.
Guide to Death
Ein weiterer Ausstellungsbereich lädt dazu ein, über die Gestaltung des eigenen Abschieds nachzudenken. Das kann bedeuten, persönliche Wünsche aufzuschreiben, wichtige Dokumente zu ordnen und mit nahestehenden Menschen darüber zu sprechen – von der Musik und dem Blumenschmuck bis zum Ort der Beisetzung.
Der Themenbereich „Stardust“ widmet sich Verlusten ohne greifbaren Abschluss: vermissten Menschen ebenso wie Kindern, die vor oder kurz nach der Geburt sterben. Im „Archiv der Erinnerungen“ können Besucher eigene Rituale, Gesten und Ideen im Umgang mit Trauer teilen.
Briefe an Verstorbene
Einen sehr persönlichen Zugang zur Trauer eröffnet die Kunst- und Schreibinitiative Griefyards. Das Projekt lud dazu ein, Briefe an Verstorbene zu verfassen. Künstler übersetzen eine Auswahl dieser Briefe dann in Kunstwerke, die ab Ende November als Teil der Ausstellung gezeigt werden.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden