Ausstellung im Linzer Schlossmuseum zeigt die Frauen hinter der Gmundner Keramik
LINZ. Eine neue Ausstellung im Schlossmuseum Linz rückt jene Frauen ins Licht, die die Gmundner Keramik über Generationen als Unternehmerinnen, Künstlerinnen und Handwerkerinnen geprägt haben. „Pionierinnen der Gmundner Keramik“ kann ab 4. November besichtigt werden.

Die Geschichte der Gmundner Keramik ist auch eine Geschichte weiblicher Gestaltungskraft. Von der Organisation des Werkstattbetriebs über den Vertrieb bis zur künstlerischen Entwicklung der Manufaktur: Frauen der Familie Schleiss waren über rund 140 Jahre hinweg an entscheidenden Stationen beteiligt.
Unter dem Titel „Pionierinnen der Gmundner Keramik – Emilie Schleiss-Simandl und die weibliche Gestaltungskraft von 1843 bis 1983“ spannt Kuratorin Veronika Schreck einen Bogen von den Anfängen der Werkstatt bis zur Schließung des Betriebs im Jahr 1983.
Eine Hafnerin als Wegbereiterin
Am Beginn der Familiengeschichte steht Franziska Schleiss, geborene Wiesinger. Ab 1843 führte sie gemeinsam mit Franz de Paula Schleiss eine Werkstatt am Seestadtl 1 in Gmunden. Als ausgebildete Hafnerin kannte sie das Handwerk aus eigener Erfahrung. Sie organisierte den Betrieb und sorgte dafür, dass die Erzeugnisse auch über die Region hinaus vertrieben wurden.
Damit schuf sie wichtige Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Unter ihrem Sohn Leopold wurde 1903 die Fabrik in Traunleiten eröffnet.
Emilie Schleiss-Simandls künstlerischer Aufbruch
Ein internationales künstlerisches Profil erhielt die Manufaktur ab 1909 durch Emilie Simandl. Sie hatte in Znaim und Wien studiert und war als Bildhauerin an der Ausstattung des Palais Stoclet beteiligt.
Für die Gmundner Keramik entwickelte sie eine Formensprache, in der sich Einflüsse des Jugendstils und des Art Déco mit regionalen, volkstümlichen und religiösen Motiven verbinden. Madonnen, Goldhaubenfrauen, Putten und Tiere zeugen von ihrer eigenständigen künstlerischen Handschrift. Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Gmundner Keramik im Jahr 1926 blieb sie mit ihrer Tätigkeit in der Schleiss Keramik prägend.
Zwei Schwestern, zwei Handschriften
Mit Trude und Marianne Schleiss widmet sich die Ausstellung auch der nächsten Generation. Trude trat 1932 in die Manufaktur ein. Ihre frühen Arbeiten zeigen Einflüsse von Art Déco, Bauhaus und Neuer Sachlichkeit. Ab 1961 leitete sie den Betrieb bis zu dessen Schließung im Jahr 1983.
Ihre Schwester Marianne arbeitete als Keramikmalerin und bemalte zahlreiche Figuren ihrer Mutter. Mit präziser Linienführung und fein abgestuften Gesichtsschattierungen verlieh sie den Werken ihre besondere Ausdruckskraft.
Die Ausstellung macht sichtbar, wie unterschiedlich die Beiträge der Frauen zur Geschichte der Gmundner Keramik waren: Sie führten und organisierten Betriebe, entwarfen Formen und prägten die Wirkung der Figuren durch ihre malerische Ausführung. So eröffnet sich ein neuer Blick auf ein Stück österreichischer Keramikgeschichte.








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