Spitze in Mathematik, aber große Leseschwächen
LINZ/OBERÖSTERREICH. Die am Freitag präsentierte PISA-Auswertung für knapp 2.300 oberösterreichische Schüler ergab: Man ist zumeist über dem österreichischen Durchschnitt, in Mathematik sogar unter den Top Ten unter allen Ländern. Sorgenkinder bleiben Risikogruppen wie Schüler mit Migrationshintergrund, die mangelnde Lesekompetenz und das unterdurchschnittliche Lerninteresse an der Naturwissenschaft.

Mit dem PISA-Programm werden im Abstand von drei Jahren Grundkompetenzen in Lesen, Matheamatik und Naturwissenschaft gemessen und verglichen. Dazu werden zentrale Kontextbedingungen, die den Kompetenzerwerb beeinflussen, erhoben. Weltweit nehmen mehr als eine halbe Million Schüler im Alter von 15 bzw. 16 Jahren an PISA – aus 72 Ländern - teil. In Österreich nahmen 7.007 Schüler aus 269 Schulen teil, in Oberösterreich waren dies knapp 2.300 Schüler aus 88 Schulen. Die PISA-Zahlen aus dem Jahr 2015, die für ganz Österreich Ende 2016 präsentiert wurden, wurden nun auch eigens für Oberösterreich ausgewertet.
Sehr positiv dabei der Bereich Mathematik: Hier liegen die oberösterreichischen Jugendlichen auf Platz 10 und damit signifikant über dem österreichweiten Mittelwert und dem OECD-Schnitt. Trotzdem sind auch hier 19 Prozent der Jugendlichen Risikoschüler. Neun Prozent der Jugendlichen in Oberösterreich zählen zur Spitzengruppe in Naturwissenschaft (Gesamt-Österreich acht Prozent). Jedoch weisen 19 Prozent mangelnde Grundkompetenzen auf und zählen in Naturwissenschaft zur Risikogruppe (Österreich-Schnitt 19 Prozent). 15/16-jährige Schüler aus Oberösterreich haben generell ein hohes Interesse an naturwissenschaftlichen Themen, aber weniger Freude am Lernen in diesem Bereich.
Bildungsniveau und Herkunft der Eltern mitentscheidend
Großen Einfluss auf die Leistung habe auch, ob die Jugendlichen Migrationshintergrund haben, dies ist rund bei einem Drittel der Risikoschüler der Fall. Auch die Bildung der Eltern spielt eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, Kompetenzen zu erwerben. In der Spitzengruppe für Naturwissenschaften finden sich etwa 53 Prozent Schüler, die aus einem Akademiker-Haushalt kommen. Umgekehrt sind Jugendliche, deren Eltern niedrige Qualifikationen aufweisen, in der Risikogruppe fast doppelt so stark vertreten.
Jeder Fünfte kann nicht sinnerfassend lesen
Aber: in Oberösterreich kann jeder fünfte Jugendliche nicht sinnerfassend lesen. Das ist zwar besser als der Durchschnitt aller österreichischen Testergebnisse, verglichen mit den Werten aus 35 OECD- sowie allen 28 EU-Ländern, aber doch nur absoluter Durchschnitt. Die wichtigsten Platzierungen für Oberösterreich im „PISA“-Ranking: Platz 10 im Bereich der Mathematik, Platz 14 bei den Naturwissenschaften und Platz 22 beim Lesen.
„Oberösterreichs Schüler haben bei der PISA-Studie gute Ergebnisse erzielt. Darüber können wir uns freuen, sie sind jedoch kein Anlass zu ungetrübten Jubel. Die Spitzenwerte in Naturwissenschaften und Mathematik dürfen uns nicht dazu verleiten, lesen und die deutsche Sprache zu vernachlässigen“, betont Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer gemeinsam mit Landesschulrats-Präsident Fritz Enzenhofer. Beide kündigten an, die diversen Förderinstrumente und Initiativen, etwa beim Zugang zu technischen Ausbildungen, evaluieren zu lassen und auch umzugestalten, falls nötig. „Noch bis Sommer soll es hier eine Auswertung geben“, so Stelzer.
Grüne: „Ergebnisse ein Alarmzeichen“
„Die PISA Ergebnisse sind ein neuerlich ein Alarmzeichen. Oberösterreich liegt über dem Bundesdurchschnitt. Das ist zwar positiv, darf aber in keinster Weise zufriedenstellen oder beruhigen. Im Gegenteil. Auch diese Studie verdeutlicht, dass wir dringendst handeln müssen“, reagiert der Grüne Klubobmann und Bildungssprecher LAbg. Gottfried Hirz auf die bislang bekannten Ergebnisse der PISA Studie.
SPÖ: „Aufholbedarf für migrantische Kinder“
Besondere Sorge machen der SPÖ-Bildungssprecherin Sabine Promberger die großen Ergebnisunterschiede zwischen Buben und Mädchen sowie der enorme Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund. „Migrantische Kinder haben in Oberösterreich mit 72 fehlenden Punkten sogar noch größeren Aufholbedarf als im Bundesschnitt. Außerdem verzeichnen Oberösterreich und Österreich den größten Leistungsunterschied zwischen Buben und Mädchen in Naturwissenschaften und Mathematik. Diese enormen Unterschiede zeigen gesellschaftliche und pädagogische Herausforderungen auf, die wir dringend aufarbeiten müssen“, ist Promberger sicher.
FPÖ: „Schulsprache Deutsch nötig“
FPÖ-Klubobmann Herwig Mahr sieht sich in der Forderung nach der verpflichtenden Schulsprache Deutsch bestätigt: „Die von der FPÖ gestartete Initiative 'Schulsprache Deutsch' wird durch dieses Ergebnis bestätigt“, erläutert Mahr und fordert deren rasche Einführung. Vor allem im Hinblick auf die Tatsache, dass von den getesteten 15-jährigen mit Migrationshintergrund in Österreich 72,7 Prozent zu Hause überwiegend nicht die Unterrichtssprache sprechen.“


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