Der Großraum Linz überstrahlt den Nachthimmel
LINZ/HÖRSCHING. Lichtverschmutzung hat viele negative Konsequenzen. Sie beeinträchtigt sowohl Gesundheit als auch Tierwelt. Nun sagt ihr das Land OÖ den Kampf an.

Schaut man in Linz und Umgebung bei Nacht in den an und für sich sternenklaren Himmel, sieht man eines oft kaum: Sterne. Diesen Umstand finden manche schade, die meisten messen ihm jedoch keine große Bedeutung bei. Ein Fehler, wie Experten meinen. Denn die sogenannte Lichtverschmutzung – verursacht durch Straßenbeleuchtung, Werbeschilder, Privathaushalte und mehr – hat gravierende Auswirkungen. So gerät unter anderem der Tag-Nacht-Rhythmus aus dem Lot. Die Folge: Schlafstörungen und gesundheitliche Probleme. Auch auf die Tiere hat das Übermaß an Licht gravierende Auswirkungen: von Fehlverhalten bis hin zu Störungen bei der Fortpflanzung. Zudem wird viel Energie verschwendet.
Fehlendes Bewusstsein
„Das ist so wie bei der Luftverschmutzung vor 30 bis 35 Jahren“, erklärt Umwelt-Landesrat Rudi Anschober (Grüne) – zu diesem Zeitpunkt wurden die Auswirkungen von Feinstaub und Co. erst langsam ins öffentliche Bewusstsein gerückt. „Es hat lange gedauert und viele Fische sind den Bach tot hinuntergeschwommen. Heute ist der Gewässerschutz selbstverständlich“, vergleicht Thomas Posch von der Uni Wien die Situation mit der Verschmutzung der Traun. Ebenso wie bei der Luftverschmutzung und dem Gewässerschutz wünschen sich die Experten – darunter Posch, Fritz Gusenleitner, Leiter des Biologiezentrums des oö. Landesmuseums, und Heribert Kaineder, Abteilung Umweltschutz des Landes OÖ – mehr Bewusstsein für die Problematik und Gegenmaßnahmen.
Erste Gegenmaßnahmen
Mittels Befliegungen konnte der oö. Lichtkataster für den Zentralraum 2016 finalisiert werden – so können die Lichtemissionen gezielt dargestellt werden. Zudem hat Oberösterreich ein Lichtmessnetz mit 23 Stationen errichtet. Schritt für Schritt installiert, wird der Helligkeitsverlauf nun Nacht für Nacht festgehalten. Die Basis auch für die erste Langzeitmessung, die Studie von Thomas Posch.
Diese Maßnahmen bilden die Basis für eine gezielte Bewusstseinsbildung, aber auch für Beratungen z.B. des OÖ Energiesparverbandes, um Effizienz und Einsparungen im öffentlichen Raum oder bei Betrieben etwa aufzuzeigen. Denn Beleuchtungen von Straßen, Parkplätzen oder Werbeschildern tragen viel zur Lichtverschmutzung bei. Eine so wirksame wie einfache Lösungsmöglichkeit: Scheinwerfer, die lediglich nach unten strahlen. Ebenso eine Reduktion der Beleuchtung, wie ein Absenken der Lichtintensität, hilft gegen die Lichtverschmutzung.
Gezielte Lichtsteuerung am Flughafen
„Es gibt schon positive Beispiele in Österreich“, erklärt Posch. So wird nach Betriebsschluss um 23 Uhr beim Flughafen in Hörsching die Vorfeldbeleuchtung abgesenkt. „Die Lichtleistung der LED-Module kann per Lichtsteuerung variiert werden. Dadurch können Vorfeldbereiche, die nicht genutzt werden oder auf denen kein Luftfahrzeug abgefertigt wird, mit geringerer Intensität ausgeleuchtet werden“, informiert Flughafensprecher Ingo Hagedorn. Aus Sicherheitsgründen dürfe die Beleuchtung jedoch nicht komplett abgeschaltet werden. Dies gelte auch für die Flughafen-Parkplätze, deren Ausleuchtung nach Betriebsschluss ebenfalls auf ein Minimum abgesenkt wird. Nicht genutzte Parkplätze werden ganz abgeschaltet. Die beleuchteten Werbeflächen auf den Frachtterminals werden um 23 Uhr komplett abgeschaltet.
Umstellung auf LED
Um den Energieverbrauch zu senken, hat man am Flughafen auch schon auf LED-Beleuchtung umgestellt. „Da die Beleuchtung einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch des Flughafens ausmacht, suchten wir eine Lichtlösung, die gleichzeitig ästhetisch anspruchsvoll, zeitgemäß und energiesparend ist. Mit der LED-Beleuchtung ist es uns gelungen, Funktionalität, Lichtqualität und Energieeffizienz zu vereinen“, so Maximilian Habringer, Werkstättenleiter Facility Management, Flughafen Linz GmbH. Dies bringt bis zu drei Prozent Energieeinsparung und eine bis zu dreimal längere Lebensdauer.
Achtung LED
Die Umstellung auf LEDs birgt jedoch auch Gefahren, warnen Experten. „Zur Zeit stellt man ganz viel auf kaltweißes Licht um“, warnt Kaineder. Dieses bringt stärkere gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich als die bisher meist verwendeten gelblichen Lampen. Denn: Blaues Licht kann zu einer Verringerung der Melatonin-Ausschüttung führen. Dies hat zur Folge, dass der Tag-Nacht-Rhythmus beeinträchtigt wird. Denn nicht nur Schlafprobleme und deren Auswirkungen sind auf die Beleuchtung zurückzuführen. Auch bei Erkrankungen wie der makulativen Degeneration – Erkrankung der Netzhaut des Auges – wird ein Zusammenhang mit der Beleuchtung untersucht. „Man kann die medizinischen Auswirkungen noch gar nicht so genau eingrenzen“, so Posch, der appelliert, die Lichtverschmutzung ernst zu nehmen und Gegenmaßnahmen zu treffen.
Licht in Privathaushalten eindämmen
Handlungsmöglichkeiten in diesem Bereich haben jedoch nicht nur Betriebe und Gemeinden, sondern auch Privathaushalte können zur Verringerung der Lichtverschmutzung beitragen. Ein Beispiel: Immer öfter werden Hauseinfahrten die ganze Nacht lang beleuchtet – dies sei laut Experten meist nicht notwendig. Zudem kann die Intensität der Beleuchtung oft reduziert werden. „Man soll überprüfen, ob man das braucht“, so Kaineder. Auf die Weihnachtsbeleuchtung muss jedoch niemand verzichten: „Die tut sogar den Insekten sehr wenig“, sagt Fritz Gusenleitner vom Biologiezentrum.


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