Wenn Kinder ihre Eltern pflegen
OÖ. Der Muttertag, der heuer am 12. Mai stattfindet, ist im Jahre 1924 das erste Mal in Österreich begangen worden. Er ist ein Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Meistens wird der Tag von den Kindern, Enkeln oder dem Partner genutzt, um der Mama oder der Oma eine Freude zu machen. Auch Ilse M. aus Linz verbringt diesen Tag mit ihrer Mutter. Sie ist ganz besonders dankbar über jeden Tag, den sie noch mit ihrer Mutter verbringen darf, denn ihre Mutter leidet an Demenz.

Seit dem Tag, an dem die Mutter von Ilse M. an Demenz erkrankte, hat sich viel verändert. Einen unbeschwerten Muttertag wie früher gibt es bei ihr nicht mehr. Doch Ilse ist auch an diesem Tag, wie auch an jedem anderen Tag, für ihre 81-jährige Mutter da. „Am Muttertag werden meine Schwester und ich unsere Mutter abholen und gemeinsam Essen gehen“, weiß die Linzerin jetzt schon. Nur durch ihre Unterstützung ist es möglich, dass ihre Mutter noch in der eigenen Wohnung leben kann. „Ich schaue mehrmals täglich bei ihr vorbei und koche jeden zweiten Tag das Mittagessen. Dabei wechsle ich mich mit meiner Schwester ab. Meine Mutter kann seit einem Unfall nicht mehr alleine das Haus verlassen. Wenn das Wetter schön ist, gehen wir eine kleine Runde spazieren“, erzählt Ilse von ihrem Tagesablauf, der schon zur Routine geworden ist.
Ohne Unterstützung geht es nicht
Doch ganz ohne Hilfe wäre das alles für Ilse M., die selbst schon in Pension ist, nicht machbar. „In der Früh kommt eine Mitarbeiterin von den mobilen Pflegediensten der Caritas. Sie unterstützt beim Aufstehen, Anziehen, macht das Frühstück und kümmert sich darum, dass Mama die Medikamente richtig einnimmt. Ich bin froh dass es diese Hilfe gibt. Wenn der Blutdruck zu hoch oder zu niedrig ist oder sonst etwas Außergewöhnliches ist, dann weiß ich, dass sie sich sofort bei mir melden“, ist Ilse beruhigt.
Pflege- und Betreuungsarbeit ist Schwerarbeit und bedeutet psychische und körperliche Belastung. Ilse M. spricht deshalb oft mit ihrer Schwester über belastende Situationen und besucht regelmäßig eine Gesprächsgruppe für pflegende Angehörige von der Caritas. „Der Austausch mit Menschen, die in derselben Situation sind, tut gut. Und so oft es geht, gehe ich eine Runde Nordic Walken“, erzählt sie. Was sie sich für die Zukunft wünscht: „Dass es meiner Mama möglichst lange noch so gut geht, dass sie mit dieser Betreuung in ihrem gewohnten Umfeld leben kann.“
42.700 Kinder und Jugendliche pflegen Angehörige
So wie Ilse geht es vielen Frauen, denn 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden von Angehörigen gepflegt und betreut. Meist sind es die Frauen, die die Pflegeverantwortung übernehmen, oft in einem Alter, in dem sie selber in Pension gehen. Doch bundesweit wurde ermittelt, dass auch 42.700 Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 18 Jahren einen Angehörigen pflegen. Das durchschnittliche Alter dieser pflegenden Kinder und Jugendlichen, die als Young Carers bezeichnet werden, lag bei 12,5 Jahren - 70 Prozent der Young Carers sind weiblich. Sie kümmern sich um Eltern, Großeltern oder Geschwister, die an körperlichen Krankheiten, psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen leiden.
Vater pflegebedürftig, Mutter berufstätig
So war es auch bei Natalie M., die erst 15 Jahre alt war, als ihr Vater an Lungenkrebs erkrankte. Aufgrund von Metastasen wurde er schlagartig pflegebedürftig. Die Mutter war damals Vollzeit berufstätig, daher half die Schülerin und unterstützte ihre Mutter so viel sie konnte bei der Pflege ihres Vaters. Wie es genau dazu kam, daran kann sich Natalie nicht mehr so genau erinnern. “Ich bin einfach in diese Rolle hineingerutscht“, sagt Natalie M. Für sie war es damals selbstverständlich, dass sie sich um ihren Vater kümmert und damit auch ihre Mutter unterstützt. So wie Natalie geht es vielen Kindern – sie wechseln Verbände, kleben Schmerzpflaster, helfen im Haushalt und verabreichen Medikamente.
Hilfe für pflegende Angehörige
Familien zögern oft lange, bevor Hilfe geholt wird. Gerade Kinder und Jugendliche merken oft erst im Nachhinein, dass die Situation sehr belastend für sie war. Superhands, eine Projekt der Johanniter, richtet sich an pflegende Kinder und Jugendliche - kostenlos und anonym. Junge Pflegende können telefonisch unter 0800888787 oder online unter www.superhands.at ihre Sorgen loswerden oder um Rat fragen.
Informationen zum Thema Pflege und Hilfsangebote findet man außerdem unter anderem unter:


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