„Wenn man sich vor etwas schützen kann, sollte man das machen“: Neues Grippe-Impfprogramm für Oberösterreich

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 23.09.2020 12:30 Uhr

OÖ. Land OÖ, Oö. Apothekerkammer und die Österreichische Gesundheitskasse haben angesichts der Corona-Situation das Grippe-Impfprogramm in OÖ stark ausgeweitet und auf neue Beine gestellt. Der Schwerpunkt wird auf Kinder und ältere Personen gelegt, die sich kostenlos impfen lassen können. Impfaktionen wird es auch für Mitarbeiter in sensiblen Bereichen geben. Für OÖ wurde die vierfache Menge an Grippe-Impfdosen als letztes Jahr bestellt.

Die Nachfrage nach Grippeimpfstoff ist international massiv angestiegen, seit Monaten wird in OÖ versucht, ausreichend Grippe-Impfdosen zu beschaffen.

Standen letztes Jahr 50.000 Dosen zur Verfügung, sind es dieses Jahr gemeinsam mit Land OÖ, Oö. Apothekenkammer und Österreichischer Gesundheitskassa (ÖGK) rund 200.000 Dosen, die bestellt wurden - wo aber noch nicht klar ist, ob die gesamte Menge auch geliefert werden kann. Das Land OÖ hat dabei erstmals selbst Grippe-Impfstoff bestellt. „Das ist eine einmalige Impfaktion in diesem Ausmaß, auf den ich sehr stolz bin“, so Gesundheitslandesrätin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander.

Kostenlose Impfung für Kinder und Ältere

Für Kinder vom vollendeten 2. bis zum vollendeten 15. Lebensjahr wird ein nasal zu verabreichender Impfstoff (48.000 Dosen) zur Verfügung stehen, zusätzlich 8.000 Dosen muskulär zu verabreichender Totimpfstoff für Kinder vom 6. bis zum 24. Lebensmonat. Mit den bei den Kinderärzten und Vertragshausärzten erhältlichen Impfgutscheinen ist die Impfung dort kostenlos. Mit der kostenlosen Kinder-Impfung könne der Motor der Verbreitung gebremst werden.

Um Personen über 65 Jahren zu schützen, wurden 16.000 Einheiten Hochdosis-Impfstoff bestellt. Dieser Impfstoff ist genau auf ältere Personen abgestimmt. Seitens des Landes wird hier insbesondere in Alten- und Pflegeheimen sowie Einrichtungen nach dem Chancengleichheitsgesetz die Impfung kostenlos angeboten werden.

Zudem hat das Land OÖ noch weitere 40.000 Grippeimpfdosen für die erwachsene Allgemeinbevölkerung als Backup bestellt. Wichtig für Haberlander: Die Impfung ist für diese Gruppen zwar gratis, es werde aber sehr viel Geld dafür in die Hand genommen. Alleine das Land OÖ investiert eine Million Euro.

Impfaktion in Spitälern und bei Lehrern

Um im besonders sensiblen Bereich der Spitäler zu schützen, wurde seitens des Landes eine Impfaktion für die Mitarbeiter dort organisiert – hier stehen etwa für die Spitäler der OÖ Gesundheitsholding 6.200 Dosen zur Verfügung. Zudem wird auch eine Impfaktion für Bundes- und Landeslehrer in Oö organisiert.

ÖGK-Grippeimpfaktion wird neu gestaltet

Die 15-Europ-Aktion und Impfungen in den ÖGK-Kundenservicestellen wird es aufgrund der großen Nachfrage am Weltmarkt nicht geben. Aber dafür gibt es eine neue - speziell auf die aktuelle Covid-Situation ausgerichtete Aktion, die voraussichtlich ab Mitte November startet. Jene ÖGK-Versicherten die zwei von drei Bedingungen erfüllen, werden kostenlos geimpft:

  • Alter ab 65 Jahren
  • Vorerkrankungen
  • Soziale Bedürftigkeit (Rezeptgebührenbefreiung)

Bei rund 300 Hausärzten in Oberösterreich wird hier geimpft, solange der Vorrat reicht – rund 20.000 Impfdosen stehen hier zur Verfügung. Uns ist es wichtig, die Impfung serviceorientiert anzubieten, wir sind bemüht, dieses Konzept nächstes Jahr weiter auszurollen„, betont ÖGK-Landesstellenausschuss-Vorsitzender Albert Maringer. Mehr Infos zur ÖGK-Grippeimpfaktion gibts hier.

“Interesse viel größer als die letzten Jahre„

Die letzten Jahre lag die Impfbereitschaft in Österreich bei rund acht Prozent – abgeschlagen im europäischen Durchschnitt. “Wir merken aber in vielen Gesprächen, dass sich die Leute impfen lassen wollen„, so Haberlander. “Das Interesse ist viel größer als die letzten Jahre„, so auch Monika Aichberger, Vizepräsidentin der Apothekenkammer OÖ.

Die Angst vor Impfschäden sei unbegründet – “diese sind äußerst selten. Im Gegenteil, jedes Jahr gibt es rund 1.000 Todesfälle wegen Influenza in Österreich„, so Aichberger. Für sie ist auch die Unterscheidung zwischen grippalen Infekten und der echten Influenza wichtig: “Das ist eine schwere und ernstzunehmende Erkrankung.„  Aichberger: “Wenn man sich vor etwas schützen kann, dass sollte man das machen.„

Durch Impfung Erkrankung abgeschwächt 

“Mit Zahlen kann man die Gefühle leider nicht ausräumen – aber wichtig ist, dass der Impfstoff ständig besser wird, dass Wissen wächst weiter„, so Maringer. Zur Treffsicherheit des Impfstoffes meint Aichberger: “Die Standard-Impfstoffe enthalten bereits vier Stämme, das gab es vor fünf Jahren noch nicht.„ Auch sei klar: “Wer geimpft ist und trotzdem die echte Influenza erwischt, wird diese sehr viel schwächer haben. Jährlich wiederholte Impfungen führen ebenfalls zu einem breiten Abwehrspektrum und erhöhen die Wirksamkeit.„

Impfung nicht vor Mitte November

Man dürfe aber nicht zu früh im Jahr mit dem Impfen beginnen – “Anfang Oktober ist noch kein guter Zeitpunkt, das ist noch zu früh. Es muss so knapp wie möglich vor Start der Grippe-Saison geimpft werden„, so Aichberger. “Es ist noch viel Zeit, wir sind sehr zuversichtlich, dass alle, die sich impfen lassen wollen, das auch können.„

Wer nicht in das Gratis-Impfprogramm fällt, kann sich den Impfstoff in den Apotheken besorgen, Kosten: rund 25 Euro. Den Preis für die Durchführung der Impfung legt der Arzt selbst fest, meist zwischen 15 und 20 Uhr. Die meisten Apotheken in OÖ führen auch bereits Reservierungslisten für Impfstoff für die Kunden.

“Ich appelliere an die Menschen in OÖ, das Impfangebot zu nutzen – denn die Grippe endet beim Geimpften„, so Haberlander – genauso brauche es aber auch Hygienemaßnahmen. “Was die Impfung nicht ersetzen wird, ist Abstand halten, Hände waschen, Mund-Nasenschutz. Das hilft nicht nur gegen Covid„, so Maringer.

 

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