JKU Corona Update: "Ungestörte Routineversorgung nicht mehr möglich"
OÖ/LINZ. Die ungestörte Routineversorgung von Patienten ist aufgrund des starken Anstiegs der Covid-19-Fälle nicht mehr möglich, erläutern die Mediziner Bernd Lamprecht und Jens Meier am Montag, 9. November, im JKU Corona Update mit Rektor Meinhard Lukas. Das Gesundheitssystem werde bis an die Grenze belastet werden.

Im Linzer Kepler Universitätsklinikum (KUK) werden derzeit ungefähr 140 Covid-19-Fälle behandelt, berichtet Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am KUK. Bei den Intensivstationen sind zwei gänzlich und eine zur Hälfte mit Covid-19-Patienten belegt, ergänzt Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin. Kapazitäten für Betten auf der Intensivstation werden bereits ausgebaut. Aktuell stehen oberösterreichweit 250 Beatmungsplätze zur Verfügung.
Keine Triage notwendig, aber Versorgung kann schlechter werden
Das System habe laut Meier nicht nur technische, sondern vor allem personelle Grenzen. Spezialisten sind nicht unbeschränkt verfügbar. „Es gab schon Engpässe in Krankenhäusern, die Patienten werden über das Land verteilt“, hält er fest. Um mehr Personal für Covid-19-Patienten zu haben, wurden bereits planbare Eingriffe quer durch alle Abteilungen verschoben. Dringende Eingriffe wie das Entfernen von Tumoren seien jedoch weiterhin durchführbar. Von einer „beinharten Triage aus der Katastrophenmedizin“ sei man auch noch weit entfernt, gibt Meier Entwarnung. Vor allem die Qualität der Versorgung könne schlechter werden.
Ein Beispiel dafür ist, dass derzeit auch geplante Eingriffe von Schmerzpatienten verschoben werden müssen. Beschwerden diesbezüglich werden sich laut Meier nicht verhindern lassen.
Mehr Covid-19-Patienten als Influenza-Fälle
Österreichs Ausstattung mit Krankenhausbetten sei im internationalen Vergleich dennoch gut, meint Lamprecht. Denjenigen, die Covid-19 als eine Form der Grippe bezeichnen, hält er entgegen, dass in den letzten Jahren nie so viele Patienten mit Influenza im Krankenhaus behandelt werden mussten wie jetzt mit Covid-19. Obwohl der überwiegende Teil nicht schwer erkrankt, benötigen fünf bis sechs Prozent der Fälle eine Behandlung im Spital und ein Prozent eine intensivmedizinische Betreuung. Zwischen der Infektion mit dem Corona-Virus und den ersten Symptomen vergehen durchschnittlich fünf Tage, zwischen einem positiven Testergebnis und einem Krankenhausaufenthalt ungefähr weitere fünf.
Die Covid-19-Patienten seien laut Lamprecht meist jenseits der 60, wobei es auch Schwerkranke mit Mitte 20 gebe. Einige hätten Vorerkrankungen, manche nicht. Auf die Intensivstation kommen Patienten vor allem dann, wenn sie einen erhöhten Sauerstoffbedarf haben. Hier überlebt mehr als die Hälfte, sagt Meier. Behandelt werden Covid-19-Patienten derzeit vor allem mit dem Medikament Remdesivir, das bereits bei Ebola eingesetzt wurde und sich besonders dann bewährt, wenn es frühzeitig eingesetzt wird. In der zweiten Phase kommt bevorzugt ein Cortision-Präparat zum Einsatz.
Vorbeugende Maßnahmen
Entlastend würde eine Impfung wirken, meint Lamprecht. Zumindest Risikiopersonen könnten in einer ersten Phase geimpft werden. Darüber hinaus wäre ihm persönlich mehr Eigenverantwortung lieber, etwa durch das Reduzieren sozialer Kontakte. Damit die Bevölkerung die Maßnahmen der Regierung mittrage, helfe eine Perspektive für die Dauer des Zustands. Das Ende sei derzeit nicht absehbar, weshalb manche bereits mit Jahren der Einschränkungen rechnen würden.


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