Corona-Massentests in Linz: 75 Teststraßen an rund 20 Standorten in der Stadt geplant

Hits: 9339
Jürgen Affenzeller Jürgen Affenzeller, Tips Redaktion, 01.12.2020 11:19 Uhr

LINZ. Als „großen Akt der Anstrengung“ bezeichnete der Linzer Bürgermeister Klaus Luger die Durchführung der verordneten Massentests für die breite Bevölkerung ab 11. Dezember. Neben größeren Einrichtungen wie dem Design Center und der TipsArena sind insgesamt 75 Test-Straßen an rund 20 Standorten im Linz Stadtgebiet vorgesehen. Viele Fragen im Vorfeld sind jedoch weiter offen.

Nach den Lehrern und Polizisten ab 5. Dezember wird bekanntlich ab 11. Dezember die breite Bevölkerung getestet, vier Tage lang. „Wir werden dafür größere Locations wie das Design Center und die Tips-Arena zur Verfügung stellen, rund 75 Test-Stationen in Linz an rund 20 Standorten im Stadtgebiet benötigen. Diese Standorte werden noch detailliert bekannt gegeben. Um wie angepeilt 50 Prozent der Linzer zu testen in nur vier Tagen - das wären 90.000 Menschen - ist ein großer Akt der Anstrengung nötig. Rotes Kreuz und Arbeitersamariterbund mobilisieren bereits alle Ressourcen, um ca. 250 Menschen mit medizinischen Qualifikationen vier Tage im Einsatz zu haben. Wir müssen auch selbst ca. 500 Mitarbeiter aufstellen“, so das Linzer Stadtoberhaupt.

Kritik an Verfehlungen des Bundes

Luger stellt der erneuten Kritik am Bund voran: „All diejenigen, die sich testen lassen wollen, sollen zu ihren Tests kommen. Würden wir uns nicht seit einigen Tagen mit der Vorbereitung der Testungen konkret und intensiv beschäftigen, dann würde an jenem Tag, wo der Bund verordnet hat, die Testungen durchzuführen, das Chaos ausbrechen. Ich sage das ganz offen.“

Test-Prozedere und IT-Zuverlässigkeit noch unklar

Der Bürgermeister ergänzt: „Man lässt uns bei den Testungen seitens des Bundes völlig im Regen stehen. Es ist etwa noch nicht klar, wie diese Testungen genau erfolgen, ob nach einem positiven Schnelltest ein PCR-Test wie bei Lehrern und Polizisten erfolgen wird. Der Gesundheitsminister hat zudem bis heute auch nicht festgelegt, ob Gesundheitsbehörden Contact Tracing durchzuführen oder nicht. Und letztlich wird das neue IT-System dafür am 1. Dezember ausgerollt und soll am 5. Dezember funktionieren. Ich kenne kein IT-System, das nach dem Ausrollen sofort gelingt.“

Gemeinsam mit dem Land versucht die Stadt Linz daher, die Testungen abzuwickeln und ein Netz für einen vielleicht nötigen „Plan B“ zu spannen: „Gerade bei der IT-Frage müssen wir einen Plan B oder C entwickeln. Vorarlberg etwa hat das Bundessystem schon einmal nicht übernommen.“

Raml: „Es darf keine Konsequenzen durch die Hintertür geben“

Der freiheitliche Gesundheits- und Sicherheitsstadtrat Michael Raml betont: „Die Freiwilligkeit der Testung muss zu 100 Prozent gewährleistet werden, es darf keine Konsequenzen durch die Hintertür geben“. Raml zeigt sich über das Abwälzen der Aufgaben vom Bund an die Länder und Gemeinden „entsetzt“. „Ich erhoffe mir auch Hilfe durch das Bundesheer.“ Er stellt zudem die Sinnhaftigkeit der Massentest-Strategie in Frage. Es gibt viele offene Fragen, rund um die Kosten des ganzen Vorhabens und Auswirkung dieser auf die Verbesserung der Corona-Lage. Die Erfahrungen aus Slowakei haben gezeigt, dass diese Strategie doch nicht so sinnvoll im Kampf gegen Covid19 ist, wie man es ursprünglich gedacht hat. Aus Erfahrung anderer soll man halt lernen.„ 

Keine Übersterblichkeit in Linz

Es gab in Linz bisher 78 Todesfälle, also Menschen, die zum Zeitpunkt ihres Todes mit dem Coronavirus infiziert gewesen sind. Luger: „Vergleicht man die gesamte Entwicklung der Sterbefälle mit der gleichen Entwicklung aus dem Vorjahr, so liegen wir in derselben Entwicklung wie im Vorjahr. Die Corona-Pandemie hat also nicht zu einer überdurchschnittlichen Sterblichkeit in unserer Stadt geführt, im Gegensatz zu Oberösterreich und Österreich-weiten Werten.“

Artikel weiterempfehlen:

Kommentare

  1. Harry
    Harry07.12.2020 20:08 Uhr

    Anmeldung - Die Tests werden großartig beworben in Medien, die der Stadt nahestehen. Genauere Information findet man allerdings keine. Mich wundert nicht, dass die Bereitschaft, sich testen zu lassen sehr gering ist. Darüber sollte man vielleicht an den verantwortlichen Stellen noch mal nachdenken.

  2. Linzerin
    Linzerin07.12.2020 08:18 Uhr

    Massentest für Linz - Habe mich gerade online angemeldet, die Mail bekommen mit den Testorten, jedoch war kein einziger aus Linz dabei. Warum zeigt es keine an??????

  3. Joa Falken
    Joa Falken03.12.2020 02:52 Uhr

    so geht's - 20 Teststellen über die nicht gar so große Stadt verteilt, das ist vorbildlich. "Der Gesundheitsminister hat zudem bis heute auch nicht festgelegt, ob Gesundheitsbehörden Contact Tracing durchzuführen oder nicht." Da sollten sie nicht auf das Ministerium warten. Die Tests nach ja nur Sin, wenn Kontakte aufgespürt werden und in die Quarantäne gehen. Contract tracing kann bei der Menge aber faktisch nur durch die getesteten selbst geleistet werden. Die sollten dann ihre Kontaktpersonen, auch wenn diese im Schnelltest "negativ" waren, zu einem PCR-Test veranlassen können. Die ganzen PCR-Proben müssen dann vermutlich in andere Labors landesweit und auch international gebracht werden, um zeitnah Ergebnisse zu erhalten. Auch das sollte vorbereitet werden.

    • Christian03.12.2020 14:23 Uhr

      Unser Föderalismus - Man kocht lieber sein eigenes Süppchen und gibt Steuergeld aus, statt darauf zu vertrauen dass man ein Österreichweites Anmeldesystem auf die Beine stellt.

      Dass viele DInge wie PCR und Contact Tracing noch unklar sind liegt ja auch an den Ländern und Gemeinden die sich ja gegen beides gewährt haben, da diese ja dann auch dafür zuständig waren.

      Die Frage ist halt wie viel ein PCR bringen würde da Antigen Tests zwar nicht so sensitiv aber sehr spezifisch sind (false-positive unwahrscheinlich, false-negative mit geringer Virenlast wahrscheinlich).
      Wenn genug mit machen könnte man theoretisch auch auf das Contact Trancing verzichten. Insbesondere da man ja einen 2. Durchgang machen wird.
      Persönlich würde ich eine verpflichtung zum Testen deshalb gut finden. Mir ist aber klar, dass es gesetzlich derzeit nicht direkt möglich ist.

Kommentar verfassen



Weniger rechtsextreme Tathandlungen in OÖ, Aufklärungsquote gestiegen

OÖ. Montagnachmittag tagte in Oberösterreich der Landessicherheitsrat per Videokonferenz. Auf der Tagesordnung stand der Verfassungsschutzbericht über die aktuellen Entwicklungen rechtsextremer Tathandlungen ...

Auch öffentliche Gottesdienste werden weiter ausgesetzt

OÖ/NÖ. Analog zum verlängerten Lockdown werden auch die öffentlichen Gottesdienste weiter ausgesetzt. Das haben alle 16 Religionsgemeinschaften mit Kultusministerin Susanne Raab vereinbart.

Kultur in der Warteschleife: „Der Optimismus ist mittlerweile nicht mehr allzu groß“

OÖ/LINZ. Laut Ankündigung der Bundesregierung sollen Museen, Bibliotheken und Galerien am 8. Februar öffnen dürfen. Veranstalter, Theater-, Kino- und Konzerthäuser-Betreiber müssen sich aber weiter ...

Covid-19-Situation in OÖ: erstmals unter 2.000 Infizierte, Lockdown bis 8. Februar verlängert (Stand: 18. Jänner, 17 Uhr)

OÖ. Die Zahl der aktuell Infizierten in OÖ ist erstmals wieder unter 2.000 gefallen. Von 17. auf 18. Jänner wurden vom Land OÖ 135 neue Covid-19-Fälle gemeldet, 13.027 Oberösterreicher wurden bereits ...

Aloisianum-Direktor verlässt die Privatschule

LINZ. Mit Ende des Schuljahres will der Leiter des Kollegium Aloisianum Linz Klaus Bachler sein Amt zurück legen, berichten die OÖNachrichten.

21.000 über 80-Jährige bislang für Impfung vorgemerkt, keine Verzögerung bei vereinbarten Terminen

OÖ. Nicht gerade rühmlich verlaufen ist der Anmeldestart am 15. Jänner zur Covid-Impfung für über 80-Jährige in Oberösterreich. 14.400 Impftermine standen zum Start zur Verfügung und wurden letztendlich ...

Bis 2025 ist mindestens ein neues Linzer Seniorenheim nötig

LINZ. Urfahr, Kleinmünchen und Bindermichl heißen die favorisierten Stadtteile, in denen bis zum Jahr 2025 ein neues Pflege- und Seniorenheim in Linz errichtet werden soll. Bis 2030 sollen zwei weitere ...

Elf neue Hybridelektro-Autobusse sind bisher in Linz unterwegs

LINZ. Zum winterlichen Jahresbeginn 2021 sind elf neue Hybridelektro-Autobusse in Linz unterwegs. Bis 2024 sollen es 88 neue Busse sein.