Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Polizei zu Corona-Demos: "Die Menschen sollten wissen, dass unter den Organisatoren mitunter Leute am Werk sind, die polizeilich bekannt sind"

Karin Seyringer, 12.01.2021 09:31

LINZ/OÖ. Die Unzufriedenheit mit dem Umgang mit der Corona-Krise nimmt zu. Auch in OÖ sorgten zuletzt mehrere Demos und von den Organisatoren als „Spaziergänge“ titulierte Versammlungen gegen die Covid-Maßnahmen für Aufregung. Linz war neben einer Großdemo am Neujahrstag bereits viermal Schauplatz derartiger „Spaziergänge“, unter anderem am 8. Jänner. 

  1 / 2   Corona-Demos fanden in Linz, in Vöcklabruck (Bild) und weiteren Orten in OÖ statt. (Foto: Wolfgang Spitzbart. .)

120 Personen trafen sich vergangenen Freitag um 16 Uhr vorm AEC, um dann gemeinsam zum Hauptplatz zu spazieren, wo von 17 bis 20 Uhr eine Standkundgebung mit insgesamt 600 Teilnehmern stattfand. Während der Marsch ohne Vorkommnisse blieb, stellte die Polizei am Hauptplatz 41 Anzeigen aus, darunter eine wegen aggressiven Verhaltens und 40 wegen des Nicht-Tragens eines Mund-Nasenschutzes. Zudem gab es fünf Festnahmen.

Maßnahmen sind einzuhalten

Spazierengehen ist während des Lockdowns erlaubt. Mit den sogenannten „Spaziergängen“ dürften die Organisatoren das Versammlungsrecht und die geltenden Covid-Bestimmungen umgehen wollen. „Wie realistisch ist es, dass ich mich um 16 Uhr mit meinen 120 besten Freunden vorm AEC treffe, dann gemeinsam zum Hauptplatz gehe und zufälligerweise auch noch alle die gleiche politische Intention haben? Das kann nur eine Versammlung sein, in diesem Fall halt eine mobile, weshalb auch die Maßnahmen einzuhalten sind wie bei einer Standkundgebung, sprich das Tragen des Mund-Nasenschutzes und das Einhalten des Abstands“, so Landespolizeisprecher David Furtner im Tips-Gespräch.

Die Polizei kritisiere Versammlungen an sich keineswegs: „Die Menschen haben ein Recht, ihre Meinung kundzutun – nur sollten die geltenden Regeln eingehalten werden.“ Dass die Polizei die Teilnehmer nur begleitet, habe den Grund, dass auch Familien mit Kindern mitgehen. „Wir verstehen uns als Menschenschutzorganisation. Aber wir picken uns die richtigen Personen schon heraus“, so der Polizeisprecher. Werden die Covid-19-Bestimmungen nicht beachtet, werden die Personen angehalten, die Identität festgestellt und angezeigt.

Organisatoren teils vorbestraft

Den Teilnehmern solcher mobilen Versammlungen rät die Polizei, sich gut zu überlegen, wem sie sich da anschließen. Bei den Anmeldungen sei zum Teil ersichtlich, dass die Personen teilweise vorbestraft sind oder bereits Ermittlungen gegen sie liefen, sei es wegen Körperverletzung, Kindesvernachlässigung oder auch wegen Auffälligkeit im Sinne des Verbotsgesetzes. „Die Menschen sollten wissen, dass unter den Organisatoren mitunter Leute am Werk sind, die polizeilich bekannt sind“, so Furtner.

Ärztekammer-Präsident: Abstand kaum möglich

Kein großer Freund solcher „Spaziergänge“ und auch Demos in Corona-Zeiten ist OÖ Ärztekammer-Präsident Peter Niedermoser. Seit Beginn und noch immer sei klar: Masken tragen, Abstand halten und Kontakte einschränken sei der beste Schutz vor einer Infektion, „daran hat sich nichts geändert und bei Massendemos, wenn man die Bilder sieht, ist Abstand kaum möglich“, so Niedermoser im Tips-Gespräch.

Die letzteren Maßnahmen gelten besonders auch für Menschen, die ein korrektes ärztliches Attest zur Maskenbefreiung aufweisen können. Atteste zur Maskenbefreiung sind vor allem bei einer Demo am Neujahrstag am Hauptplatz einige vorgezeigt worden. „Wenn die ärztliche Untersuchung dazu führt, dass man einen Mund-Nasenschutz nicht tragen kann, dann ist das korrekt. Diese Personen haben dann aber auch die Verpflichtung, sich besonders an die Regeln zu halten und größere Menschenansammlungen zu meiden“, so Niedermoser.

Atteste werden geprüft

Der Präsident der Ärztekammer für OÖ hat angekündigt, von Teilnehmern vorgewiesene Atteste auf ihre Echtheit und korrekte Ausstellung prüfen zu lassen, die Ärztekammer für OÖ sei dazu in Kontakt mit der Polizeidirektion. „Wenn oberösterreichische Ärzte diese ausgestellt haben, werden wir uns das anschauen.“

Für ein solches Attest gibt es klar definierte Gründe und einen genauen Ablauf (darunter Panikstörungen, klinisch relevante Ventilationsstörungen oder dermatologische Unverträglichkeit) – „die Person muss in der Ordination untersucht werden, es braucht eine Diagnose und auch die Gesamthaftigkeit muss angeschaut werden. Wenn etwa ein Attest per Mail ausgestellt wurde, ist dies nicht korrekt. Hier muss sich der Arzt verantworten“, so Niedermoser.

Den Teilnehmern der Demos möchte er mitgeben: „Halten Sie sich an seriöse medizinische Studien“, Meinungen etwa auf Youtube seien sehr schwierig einzuschätzen. Auch gibt er mit, dass man sich von niemanden eine Impfung ausreden lassen solle. „Impfungen sind ganz wichtig und waren ein Quantensprung in der Medizin, der viele tausende Tote vermieden hat. Das wird auch im Rahmen von Covid so sein“, appelliert Niedermoser.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Mobbing bei Kindern erkennen und handeln: Erziehungsimpulse liefern Tipps für Eltern

Mobbing bei Kindern erkennen und handeln: Erziehungsimpulse liefern Tipps für Eltern

LINZ. Wiederholte Ausgrenzung, Beschimpfungen und Demütigungen können Kinder schwer belasten. Bei den „Erziehungsimpulsen“ des OÖ Familienbundes ...

Tips - total regionalNora Heindl
Alkoholverbot am Linzer Hauptbahnhof soll ab März 2027 gelten

Alkoholverbot am Linzer Hauptbahnhof soll ab März 2027 gelten

LINZ. Ab 1. März 2027 soll am und rund um den Hauptbahnhof ein Alkoholverbot gelten. Begleitend sind soziale Angebote geplant. Auch Videoüberwachung ...

Tips - total regionalNora Heindl
Jugendservice Campus Linz zählt mehr als 7.000 Besucher im ersten Jahr

Jugendservice Campus Linz zählt mehr als 7.000 Besucher im ersten Jahr

LINZ. Der Jugendservice Campus in Linz zieht nach einem Jahr Bilanz: Mit rund 400 Veranstaltungen und mehr als 7.000 Besuchern zeigt sich der ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Klimastreik in Linz: Verkehrsbehinderungen erwartet

Klimastreik in Linz: Verkehrsbehinderungen erwartet

LINZ. Fridays For Future ruft am Freitag, 16. Oktober, von 16 bis 18 Uhr zum Klimastreik am Linzer Pfarrplatz auf. Verkehrsteilnehmer müssen ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
JKU Linz vergibt Professuren an zwei Juristen und Ärztin

JKU Linz vergibt Professuren an zwei Juristen und Ärztin

LINZ. Sie lehren Steuerrecht und erforschen den Grünen Star: Die JKU hat zwei Juristen und eine Ärztin mit Professuren ausgezeichnet.

Tips - total regionalLeitner Birgit
Herta Steinbichl: ein Leben zwischen Pflege und Selbstfürsorge

Herta Steinbichl: ein Leben zwischen Pflege und Selbstfürsorge

LINZ. Seit einem Unfall ihres Mannes bestimmt die Pflege den Alltag von Herta Steinbichl. Die 64-jährige Pichlingerin weiß, wie schwer es sein ...

Tips - total regionalNora Heindl
Weitere Beiträge